VonAnika Zuschkeschließen
Seit nunmehr vier Monaten tobt der schreckliche Krieg in der Ukraine. Wann wird das ein Ende haben? Der US-Geheimdienst zeigt sich nicht optimistisch.
Moskau – Am 24. Februar 2022 begann der russische Präsident Wladimir Putin seinen Überfall auf die Ukraine. Seitdem wird die Welt immer wieder von schrecklichen Nachrichten wie dem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Ostukraine erschüttert – und es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Nach dem Nato-Beschluss zur Aufnahme von Finnland und Schweden droht Putin nun auch dem Westen mit einer Aufrüstung. Darüber hinaus hegt der Kreml-Chef laut Befürchtungen eines US-Geheimdienstes wohl immer noch den Plan, „den größten Teil der Ukraine einzunehmen“.
Putin droht Westen mit Aufrüstung – nach Beschluss von Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens
Am Mittwoch, 29. Juni 2022, ist der Nato-Beitritt von Finnland und Schweden auf dem Nato-Gipfel offiziell auf den Weg gebracht worden. Damit habe Russland zunächst laut Wladimir Putin „kein Problem“, denn: „Wir haben mit Schweden und Finnland keine Probleme, wie wir sie mit der Ukraine haben. Es gibt mit den beiden Ländern keine territorialen Differenzen“, so der Kreml-Chef laut russischer Agentur Interfax.
Doch im gleichen Zuge warnte Putin die beiden Länder davor, Nato-Truppen und militärische Infrastruktur der Allianz auf ihrem Territorium zu stationieren. Sein Land werde entsprechend reagieren, sollte es zu diesem Schritt kommen. Demnach werde Russland „die gleichen Bedrohungen für das Territorium schaffen, von dem aus Bedrohungen gegen uns geschaffen werden“, äußerte der 69-jährige Präsident, der in der Nato eine Bedrohung für Russland sieht.
Ukraine-News: Putin wirft Nato „imperiale Ambitionen“ vor – und hinterfragt westliche Hilfe an die Ukraine
ZDF zufolge warf Wladimir Putin der Nato auch „imperiale Ambitionen“ vor, denn ihm zufolge seien die Ukraine und das Wohlergehen der ukrainischen Bevölkerung „nicht das Ziel des kollektiven Westens und der Nato, sondern ein Mittel zur Verteidigung ihrer eigenen Interessen“.
Das Militärbündnis versuche durch den Krieg in der Ukraine seine „Vormachtstellung“ zu behaupten, sagte Putin in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabad vor Journalisten. Wenn in Schweden oder Finnland „Militärkontingente und militärische Infrastruktur stationiert werden“, wäre Russland laut Putin gezwungen, in gleicher Weise zu reagieren.
Putin droht dem Westen – US-Geheimdienst sieht vorerst kein Ende vom Ukraine-Krieg „Bild bleibt düster“
Neben dieser offenen Drohung an den Westen sieht auch der US-Geheimdienst erst einmal kein Ende des Ukraine-Kriegs. Laut der US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines werde dieser noch „über einen längeren Zeitraum“ andauern. „Das Bild bleibt ziemlich düster und Russlands Haltung gegenüber dem Westen verhärtet sich“, äußert Haines der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.
Außerdem hege der russische Präsident offenbar auch weiterhin die Ambitionen, „den größten Teil der Ukraine einzunehmen“. Der US-Thinktank „Institute for the Study of War“ geht ebenfalls davon aus, dass Putins Pläne über den Donbass hinausgehen, da die russischen Streitkräfte offenbar offensive Operationen nördlich von Charkiw durchführen.
US-Geheimdienst prognostiziert drei Zukunftsszenarien für den Ukraine-Krieg
Der US-Geheimdienst zieht derzeit drei Zukunftsszenarien für den Ukraine-Krieg in Erwägung: Entweder der Angriffskrieg setzt sich als zermürbender Konflikt fort, in dem Russland nur schrittweise Fortschritte, aber keinen Durchbruch erzielt oder es kommt zu einem größeren russischen Durchbruch – oder die Ukraine erreicht kleine Fortschritte im Süden, während das Land gleichzeitig die Stellung an der Front hält.
Mehreren Medien zufolge hat Wladimir Putin sich bei seinem Angriff auf die Ukraine von Beginn an jedoch enorm verschätzt. Offenbar hatte der Kreml-Chef geplant, das Land innerhalb von wenigen Wochen erobern zu können. Vier Monate später sind die russischen Streitkräfte laut dem US-Geheimdienst nun so geschwächt, dass sie das Erreichen von Putins Ziel in absehbarer Zeit für unwahrscheinlich halten.
Putin könnte sogar auf Atomwaffen zurückgreifen – geschwächte Kapazitäten von Russlands Armee
„Wir sehen eine Diskrepanz zwischen Putins kurzfristigen militärischen Zielen in diesem Gebiet und den Kapazitäten seines Militärs, eine Art Missverhältnis zwischen seinen Ambitionen und dem, was das Militär zu leisten vermag“, erläutert Haines laut n-tv. Es werde Jahre dauern, bis Russland seine Streitkräfte wieder aufgebaut habe.
Doch sieht der US-Geheimdienst deswegen keineswegs ein Ende des Kriegs, ganz im Gegenteil: Avril Haines geht davon aus, dass Putin in der Zeit „verstärkt auf asymmetrische Mittel wie Cyberangriffe, Bemühungen um die Kontrolle der Energieversorgung und sogar Atomwaffen zurückgreifen wird“. Der Kreml-Herrscher sprach bereits zuvor aus „Schutz vor äußeren Bedrohungen“ über den Einsatz von Atomwaffen.
Wann endet der Ukraine-Krieg? Prominente in Deutschland fordern erneut den Waffenstillstand
Militärexperten vom „Institute for the Study of War“ gehen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) davon aus, dass der Ukraine-Krieg nicht vor Oktober 2022 enden wird. In Deutschland forderten Prominente wegen der anhaltenden Kriegsgräuel erneut einen Waffenstillstand in der Ukraine, wie fr.de berichtet. In einem offenen Brief stellten sie demnach Forderungen an die Politik des Westens.
In den vergangenen Wochen ist jedoch deutlich geworden, dass die russischen Kriegsziele keinen Spielraum für politische Kompromisse lassen – was Deutschland immer wieder als Alternative dargestellt hat. Demnach wird Russland die Kämpfe erst einstellen, wenn bestimmte Territorien der Ukraine eingenommen wurden. Nur dann könnte es zu einem Waffenstillstand kommen. Ein erstes positives Zeichen ist jedoch der Rückzug Russlands von der Schlangeninsel am Donnerstag, 30. Juni 2022. Eigenen Angaben zufolge hat das Land die im Februar eroberte Insel im Schwarzen Meer aufgegeben – angeblich als „Geste des guten Willens“.
