Putins neue Taktik im Ukraine-Krieg?

Vor Trump-Putin-Gipfel: Sätze aus dem Kreml entlarven die wahren Absichten Russlands

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Trumps Putin-Treffen in Alaska sorgt für Unruhe: Russlands Annäherung könnte ein taktischer Schachzug im Ukraine-Krieg sein, warnt Selenskyj.

Moskau – Die Vorzeichen für ein Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin könnten günstiger kaum wirken. Historisch verbindet beide Staaten mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Der heutige US-Bundesstaat Alaska gehörte bis 1867 zum russischen Kaiserreich. Auch politisch zeigt sich der Kreml derzeit auffällig zugewandt. Kreml-Berater Juri Uschakow sprach jüngst sogar von den USA und Russland als „engen Nachbarn“.

Trump selbst bezeichnete das Treffen als „feel-out meeting“ – ein loses Sondierungsgespräch ohne feste Agenda. Doch Beobachter warnen: Die neue Wärme aus Moskau könnte weniger ein diplomatischer Durchbruch sein, als vielmehr ein kalkulierter Schachzug des Kremls, um eigene Interessen geschickt zu platzieren.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

„Ein bisschen gestört“: Trump kritisiert Selenskyjs Haltung im Ukraine-Krieg

Seit Donald Trump das „mit Spannung erwartete Treffen“ mit Wladimir Putin verkündete, wächst in Europa vor allem eine Sorge: Der US-Präsident könne zum Spielball des Kremls werden – und über den Kopf der Ukraine hinweg Gebietsabtretungen an Russland versprechen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte solche Forderungen zuletzt ausgeschlossen.

Der kategorische Ausschluss des ukrainischen Präsidenten wurde von Trump am Montag scharf kritisiert. Die Ablehnung habe ihn „ein bisschen gestört“, der 79-Jährige fügt hinzu: „Denn es wird irgendeinen Gebietstausch geben.“ Mehrere europäische Staats- und Regierungschefs befürchten nun, dass sich Trump und Putin bei dem Alaska-Treffen auf Gebietsübertragungen einigen könnten, die Kiew strikt ablehnt.

Um ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen, will CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz heute um 14 Uhr im Lagezentrum des Kanzleramts enge Ukraine-Verbündete zu einer Vorbesprechung zusammenschalten. Geplant ist die Teilnahme der Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland sowie von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa, Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Selenskyj.

Putins Strategie: Merz und Europa als Saboteure des Ukraine-Kriegs

Für Moskau dürfte diese Konferenz kaum eine Abschreckung sein. Nach Berichten der Welt, wertet der Duma-Abgeordnete der Krim, Michail Scheremet, Russland als einziger „Garant der Souveränität und Entwicklung“. Putins Vertrauter Kirill Dmitriew sprach sogar von „titanischen Bemühungen“ Europas, die Verhandlungen zu sabotieren. Weiter, warf er Kiew und seinen Verbündeten vor, eine „Fortsetzung des Konflikts“ anzustreben.

Für Russland zeichnet sich eine klare Taktik ab: Die transatlantischen Beziehungen sollen weiter untergraben und Europa als Saboteure des Friedens inszeniert werden. Brisant ist dieses Vorgehen besonders vor dem Hintergrund, dass Selenskyj zuletzt vor neuen russischen Offensiven an drei Frontabschnitten des Ukraine-Kriegs warnte.

„Persönlicher Sieg“: Selenskyj mit scharfer Kritik am Putin-Trump Treffen in Alaska

Wie der ukrainische Präsident gegenüber Journalisten berichtete, zielten die russischen Offensiven auf Saporischschja, Pokrowsk und Nowpawliwka. Indes schloss Selenskyj aus, Truppen aus der Donbass-Region zurückzuziehen. Ein Rückzug würde „den Russen eindeutig einen Brückenkopf bieten“, „um eine Offensive vorzubereiten“.

Die Donbass-Region war zuletzt Teil von Gesprächen zwischen dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Wladimir Putin. Wie das Wall Street Journal und die New York Times berichteten, soll Putin bei einem Treffen mit Witkoff eine Einstellung der Kämpfe angeboten haben. Jedoch unter der Bedingung, dass Russland unter anderem die Kontrolle über die gesamte Donbass-Region erhält. Putin würde dadurch ein für die Ukraine industriell wichtiges Gebiet erhalten.

Laut der Nachrichtenagentur afp nannte der ukrainische Präsident das bevorstehende Alaska-Treffen einen „persönlichen Sieg“ für Putin. Einerseits befreie das Treffen den russischen Staatschef aus der internationalen Isolation, da es auf US-Territorium stattfinde. Anderseits, wurden somit weitere Sanktionen gegen Russland hinausgezögert. Donald Trump stellte Putin ein Ultimatum, dessen Ablauf nun mit dem Gipfeltreffen zusammenfällt. Der 79-jährige US-Präsident forderte die russische Regierung auf, die Angriffe auf die Ukraine bis dahin zu beenden. Andernfalls würden die USA Strafzölle gegen Länder verhängen, die mit Russland Handel betreiben.

Donald Trump (s.F. links) äußerte seinen Unmut über Wolodymyr Selenskyjs (s.F. mitte) Ablehnung von Gebietsabsprachen. In Europa weckt die Befürchtung, Trump könnte Wladimir Putin (s.F. rechts) Zugeständnisse machen, tiefe Besorgnis.(Montage)

Letzter Trump-Putin Gipfel mündete im Desaster – Alaska im Fokus

Der letzte Gipfel mit Wladimir Putin endete für Donald Trump in einem politischen Desaster: Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erinnert, stellte Trump im Juli 2018 nach dem Helsinki-Treffen, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Erkenntnisse der eigenen Geheimdienste infrage. Diese hatten Russland für eine Einmischung in die US-Präsidentenwahl verantwortlich gemacht, aus der Trump überraschend als Sieger hervorgegangen war.

Die Auftritte in Helsinki brachten ihm eine Welle von Häme und Kritik ein. RND zitiert den damaligen republikanischen Kongressabgeordneten und früheren CIA-Mitarbeiter Will Hurd: „Ich habe in meiner beruflichen Karriere viele Menschen gesehen, die vom russischen Geheimdienst manipuliert wurden, und ich hätte nie gedacht, dass der US-Präsident einer derjenigen sein werde, die von routinierten KGB-lern über den Tisch gezogen wurden.“ Sieben Jahre später steht nun die Befürchtung im Raum, dass Trump sich beim Gipfel am Freitag in Alaska erneut übervorteilen lässt. Ob er aus dem Helsinki-Fiasko gelernt hat, dürfte sich dort zeigen. (kox)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/imago/Presidential Office of Ukraine/Montage

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