Merz vor Trendwende? Union zieht in neuer Umfrage wieder an AfD vorbei
VonFelix Durach
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Zwischenerfolg für Kanzler Merz. Die Union steht in einer neuen Umfrage wieder vor der AfD. Doch der nächste Koalitionsstreit droht bereits.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat in der vergangenen Woche nach lauter werdender Kritik aus den eigenen Reihen den Startschuss für den selbst ausgerufenen „Herbst der Reformen“ gegeben. „Das geht jetzt Schlag auf Schlag“, kündigte der CDU-Politiker in der vergangene Woche im „heute journal“ des ZDF an. „Der Herbst der Reformen hat längst angefangen.“ Neue Umfragen geben Merz weitere Gelegenheit zum Durchatmen – doch der Zweikampf mit der AfD ist längst noch nicht entschieden und der nächste Koalitionsstreit tobt bereits.
In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov erreicht die Union von Bundeskanzler Merz 27 Prozent der Stimmen und schiebt sich damit wieder knapp vor die AfD. Die Rechtspopulisten folgen in der Erhebung mit 26 Prozent knapp hinter CDU und CSU – in Vormonat waren die Werte noch umgekehrt.
Merz darf auf Trendwende hoffen – Union überholt AfD in neuer Umfrage
Die Union hatte in den letzten Monaten gleich bei mehreren Meinungsforschungsinstituten den Platz als stärkste Kraft an die AfD abgeben müssen. Das Ergebnis der jüngsten Umfrage kann somit als kleiner Zwischenerfolg verzeichnet werden. Dieser dürfte mit Blick auf die vergangenen Monate Balsam auf die Seele der Kanzler-Partei sein. Seit dem Amtsantritt kennen die Zustimmungswerte für Schwarz-Rot und Merz selbst eigentlich nur einen Weg – nach unten. Aus einer Insa-Umfrage vom Wochenende ging hervor, dass nach wie vor über 60 Prozent der Bevölkerung unzufrieden mit der Arbeit des Bundeskanzlers sind. Werte, die an die Endphase der Ampel-Regierung erinnern.
Ein möglicher Grund für den kleinen Aufschwung? Union und SPD hatten sich in der vergangenen Woche auf Neuerungen beim Bürgergeld geeinigt. Ein Thema, dass die Union bereits im Wahlkampf zu einem Schwerpunkt gemacht hatte. „Das Bürgergeld ist jetzt Geschichte“, hatte CSU-Chef Markus Söder nach der Einigung stolz verkündet. Weitere Reformen sollen in den kommenden Wochen folgen.
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Union zurück an der Spitze – SPD in neuer Umfrage abgeschlagen
Union und AfD stehen in der Umfrage weiter deutlich vor den restlichen Parteien. Für die SPD würden aktuell gerade einmal 14 Prozent votieren (minus 1 Prozentpunkt im Vergleich zum September), für die Grünen 11 Prozent (unverändert). Die Linke landet demnach bei 10 Prozent (plus 1). Das BSW erreicht in der aktuellen Erhebung 4 Prozent (minus 1), die FDP 3 Prozent (minus 1).
Partei
Ergebnis in Prozent
Union
27 (+1)
AfD
26 (-1)
SPD
14 (-1)
Grüne
11
Linke
10 (+1)
BSW
4 (-1)
FDP
3 (-1)
Andere
5 (+2)
Für die Sonntagsfrage hat YouGov zwischen dem 10. und 13. Oktober in einer repräsentativen Stichprobe 2.256 Wahlberechtigten befragt, 1.880 der Teilnehmer gaben dabei ihre Wahlabsicht an.
Union legt in Umfrage wieder zu – doch Wehrdienst-Streit könnte zur Unzeit kommen
Die Befragung hatten die Meinungsforscher zwischen dem 10. und 13. Oktober durchgeführt. Der am Dienstag neu aufgeflammte Koalitionsstreit um den neuen Wehrdienst für die Bundeswehr wird in der Erhebung also noch nicht widergespiegelt. Vertreter von Union und SPD konnten sich bei den Beratungen nicht auf Änderungen im geplanten Wehrdienst einigen. Die Einführung eines Losverfahrens für Musterungen soll auch auf Einwirken von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gescheitert sein.
Juso-Chef Philipp Türmer sprach am Mittwoch im Spiegel von einer „politischen Bruchlandung“ der Koalition. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann warf der Merz-Regierung ein „total amateurhaftes“ Verhalten vor. Ob die neuen Streitigkeiten sich auch in der Wahrnehmung der Wählerinnen und Wähler widerspiegeln wird, dürften die Umfragen der kommenden Wochen zeigen. (Quelle: YouGov, dpa, Spiegel, ZDF) (fdu)