Vorgehen im Ukraine-Krieg „widerwärtig“: Nach Kiew-Angriff konfrontiert Trump Putin
VonBabett Gumbrecht
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Ungeachtet der US-Frist führt Russland weitere Angriffe auf Kiew durch. Zuletzt beklagte die Ukraine viele Opfer. Helfen Trumps Sanktionsdrohungen?
Kiew/Moskau/Washington D.C. – Nach dem massiven russischen Angriff auf Kiew in der Nacht zum Donnerstag (31. Juli) stieg laut Angaben des Zivilschutzes die Zahl der Toten auf insgesamt 28 Menschen. Unter den Toten sind demnach zwei Kinder im Alter von jeweils zwei und sechs Jahren sowie ein Jugendlicher im Alter von 17 Jahren. Verletzt wurden nach offiziellen Angaben rund 160 Menschen.
Trump verkürzt Ultimatum: Putin bleiben „noch zehn Tage“ für Beendigung des Ukraine-Kriegs
Hintergrund: Erst am Dienstag (29. Juli) hatte Trump Moskau eine Frist von zehn Tagen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gesetzt und andernfalls mit Sanktionen gedroht. Russland habe „ab heute noch zehn Tage“ Zeit, sagte Trump am Dienstag auf dem Rückflug von Schottland nach Washington im Präsidentenflieger Air Force One zu Journalisten. Dann würden die USA Strafzölle gegen Russlands Verbündete verhängen.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Trump hatte Ländern wie China, Indien und Brasilien mit Zöllen von „etwa 100 Prozent“ gedroht, wenn sie weiterhin billiges Öl und Gas von Russland kaufen. Nun ließ er allerdings Zweifel an der Wirksamkeit dieser sogenannten Sekundärsanktionen erkennen. „Ich weiß nicht, ob sich das auf Russland auswirkt“, sagte Trump. Offenbar wolle Putin den Krieg fortsetzen.
Indes soll der US-Sondergesandte Steve Witkoff nach Angaben von Trump nach seinem Besuch in Israel weiter nach Russland reisen. „Ich denke, es ist widerlich, was sie tun“, sagte Trump im Weißen Haus über Russlands Kriegsführung gegen die Ukraine. Viele Russen und Ukrainer würden getötet.
Kreml zeigt sich unbeeindruckt von Trumps Drohungen: „Die Spezialoperation dauert an“
Der Kreml hatte sich unbeeindruckt von den US-Drohungen gezeigt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, Russland habe Trumps Erklärung „zur Kenntnis genommen. „Die Spezialoperation dauert an“, fügte er hinzu und verwendete dabei den Euphemismus für Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Kriegsbeginn
24. Februar 2022
Hauptakteure
Ukraine vs. Russland
Frontlinie
Weitgehend erstarrt
Militärhilfe
USA, EU, NATO-Länder
Flüchtlinge
4,3 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind in EU-Staaten geflohen (Stand März 2025)
Friedensverhandlungen
Zuletzt Mai/Juni 2025 in Istanbul
Auch die Angriffe setzte Moskau fort. In der Nacht zum Freitag attackierte Russland sein Nachbarland weiter. In der Region Saporischschja wurde nach Angaben des Militärgouverneurs Iwan Fedorow ein 63-jähriger Mann getötet. Sein Haus sei getroffen worden. Außerdem seien vier Menschen in der Region verletzt worden.
Der ukrainischen Luftwaffe zufolge attackierte Russland sein Nachbarland in der Nacht mit 72 Drohnen – darunter neben Kampfdrohnen auch solche ohne oder mit wenig Sprengstoff, die als Köder eingesetzt werden, um die Flugabwehr zu überlasten. 44 Drohnen seien abgewehrt worden. Registriert wurden 28 Einschläge an neun Orten. Angegriffen wurden demnach die Frontgebiete Charkiw, Donezk, Dnipropetrowsk und Kiew.
Angesichts zunehmender Luftangriffe: Selenskyj fordert Technik-Embargo gegen Russland
Angesichts der zunehmenden Zahl an Luftangriffen forderte der ukrainische Präsident Selenskyj, das Technik-Embargo gegen Russland konsequenter durchzusetzen. Selenskyj berichtete, er habe in Kiew mit den Botschaftern der EU-Staaten gesprochen. Ihnen seien Teile gefundener russischer Kampfdrohnen und Raketen gezeigt worden.
US-Präsident Donald Trump verkürzt sein Ultimatum an Russland – die ukrainische Regierung lobt eine „Botschaft des Friedens durch Stärke“. (Symbolbild)
„Keine dieser Raketen, keine dieser Shahed-Drohnen fliegt ohne Bauteile aus anderen Ländern, die auf verschiedenen Wegen nach Russland geliefert werden“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. „Jeder dieser Wege muss blockiert werden, und das hängt von unseren Partnern ab.“
Gerade in den zu Hunderten eingesetzten russischen Kampfdrohnen, deren Bauart ursprünglich iranisch ist, haben ukrainische Spezialisten zuletzt viele Elektronikteile aus China gefunden. Peking beteiligt sich nicht an den Technologie-Sanktionen gegen seinen Verbündeten Moskau. Doch in den russischen Waffen finden sich auch immer wieder Bauteile aus europäischen Ländern oder den USA, obwohl deren Ausfuhr nach Russland verboten ist. (bg/dpa)