- VonLisa Mahnkeschließen
Macrons Vorschlag, Nato-Truppen in die Ukraine zu entsenden, erhält mehr Zuspruch. Auch die USA sucht nach Optionen. Doch Finnland hält dagegen.
Helsinki – Finnland, ein neues Mitglied der Nato, widersetzt sich dem wachsenden Druck innerhalb des Militärbündnisses, Truppen zur Ausbildung ukrainischer Soldaten zu entsenden. Dieser Vorschlag, ursprünglich von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ins Spiel gebracht, gewinnt trotz anfänglicher Schockreaktionen zunehmend an Zustimmung. Auch in den USA gibt es Kritik am aktuellen Ansatz, doch Finnland bleibt standhaft.
Der Vorsitzende der Generalstabschefs der USA, General Charles Brown Jr., äußerte sich gegenüber der New York Times: „Wir werden irgendwann dorthin kommen, mit der Zeit“. Trotz der Bitte der Ukraine um eine Ausbildung näher an der Front, lehnen die USA dies vorerst ab. Die Ukraine hofft, mit einer solchen Ausbildung die Zeit bis zur Ankunft der US-Waffenlieferungen überbrücken zu können. Brown Jr. warnte jedoch, dass dies „eine Menge Nato-Ausbilder gefährden“ könnte, obwohl laut Medienberichten Beamte nach Lösungen suchen.
US-Beamten kritisieren Ausbildung von Soldaten für den Ukraine-Krieg – Länder öffenen sich für Macrons Truppen-Vorschlag
Die Ausbildung ukrainischer Truppen durch die USA fand bisher in Polen, Deutschland oder den USA selbst statt. Beamte kritisierten jedoch die Logistik als zeitaufwendig und das Training als unzureichend. Eine Ausbildung in der Ukraine könnte eine schnellere Anpassung an die Frontbedingungen ermöglichen.
Evelyn Farkas, ehemalige Pentagon-Beamtin für die Ukraine, blickte zurück: „Erinnern Sie: Als Russland 2014 auf der Krim einmarschierte, schickten wir mehr Truppen in die Ukraine, um die ukrainischen Streitkräfte in der Westukraine auszubilden, und wir ließen sie bis 2022 dort, als wir Angst bekamen und sie abzogen“. Es sei daher nicht überraschend, dass nun überlegt werde, „wie sie wieder von hinten helfen können.“
Andere Nato-Länder, wie Litauen, zeigten sich offen für eine Ausbildung in der Ukraine. Auch Estland diskutierte die Entsendung von Truppen, doch die Diskussion verlief laut der Online-Nachrichtenseite Breaking Defense im Sande. Einer der Vorschläge der USA für eine Ausbildung in der Ukraine war die Stadt Lwiw nahe der polnischen Grenze, doch dort wurde bereits kritische Infrastruktur bombardiert.
Finnlands Bevölkerung bleibt standhaft – aufgrund von Geschichte mit Russland
Laut Janne Kuusela, der finnische Generaldirektor für Verteidigungspolitik, zeigte die Bevölkerung wenig „Appetit“ auf einen solchen Schritt. Die Idee „hat hier keine große Begeisterung ausgelöst“, so Kuusela laut Breaking Defense. Er wies darauf hin, dass die Entscheidung möglicherweise nicht so „schwarz-weiß“ sei.
Kuusela schloss jedoch nicht aus, dass sich die Situation ändern könne: „Vieles hängt davon ab, wie sich dieser Konflikt weiterentwickeln wird, ob er innerhalb der Ukraine bleibt oder ob er überschwappt.“ Auch Schweden und Kanada hätten laut Aussagen von Regierungsvertretern vorerst keine Pläne für eigene Truppen in der Ukraine.
Kuusela erinnerte an die schwierige Geschichte Finnlands mit Russland: „Wir haben mehr Kriege mit Russland geführt, als ich zählen kann. Die meisten davon haben wir verloren. Aber wir haben es irgendwie geschafft, eine unabhängige, demokratische Marktwirtschaft zu bleiben, und wir haben die Absicht, das auch weiterhin zu bleiben“. Er fügte hinzu: „Wir waren im 19. Jahrhundert etwa 100 Jahre lang Teil des russischen Reichs. Eine nicht allzu glückliche Erfahrung, die ich niemandem empfehlen kann.“
Nato will mehr Ukraine-Hilfen: Sucht nach Alternativen zu Truppen in der Ukraine
Die Nato sucht derzeit nach Alternativen zum Training in der Ukraine. Der oberste alliierte Befehlshaber für Europa, Christopher G. Cavioli, wurde laut der New York Times um Vorschläge gebeten, wie man der Ukraine mit minimalem Risiko helfen könne. Truppen, die direkt in der Ukraine stationiert wären, könnten die Spannungen erhöhen. „Jede verirrte Rakete aus Russland könnte eine direkte amerikanisch-russische Eskalation auslösen“, warnte Liana Fix vom Rat für Auswärtige Beziehungen bei „Carnegie Europe“.
Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags schätzen, dass ein Angriff auf in der Ukraine stationierte Truppen durch Russland keinen Bündnisfall auslösen würde. Nur der jeweilige Staat, zu dem die Truppen gehören, würde zur Konfliktpartei. Die Situation wäre anders, wenn es sich um eine Nato-Kooperation handelt oder wenn Russland zu einem Gegenschlag außerhalb der Ukraine ansetzen würde. Frankreich erhielt bereits Drohungen für den Fall, dass es Bodentruppen stationieren würde.
Daher suchen andere Nato-Mitgliedsstaaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, nach Möglichkeiten, Waffen näher an der Frontlinie zu bauen und zu reparieren. Einer der deutschen Reparaturshops soll laut der Kyiv Post von Rheinmetall kommen, sodass Deutschland nicht direkt involviert wäre. (lismah)
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