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Waffenruhe in Gaza: Freudentränen bei Angehörigen von Geiseln

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Nach langem Ringen einigen sich Israel und Hamas auf einen Austausch: Geiseln und palästinensische Gefangene kehren zu ihren Familien zurück.

Tel Aviv – „Ich kann es noch nicht glauben“, sagt Hagar, aber ihre Augen strahlen schon jetzt. Die 25-jährige Studentin, die regelmäßig an den Demonstrationen für die Freilassung der Geiseln in ihrer Heimatstadt Haifa im Norden Israels teilnahm, ist „zittrig und aufgeregt“, wie sie sagt. Die Nachricht, dass es bald so weit sein könnte, hat Hagar kurz nach dem Aufwachen um sieben Uhr erreicht. „Seither kann ich nicht aufhören zu lächeln.“ Dieser Donnerstag, der 733. Tag nach Kriegsbeginn, sei „ein ganz besonderer Tag“.

Der Plan

Israels Armee zieht sich nach Freilassung der Geiseln so weit zurück aus dem Gazastreifen, dass sie nur noch die Hälfte der Enklave besetzt hält. Damit sind Chan Yunis, Deir al-Balah und Gaza-City frei.

Mehrere Hunderttausend Vertriebene aus Gazas Norden sollen wieder zurückkehren können – aber nicht alle dorthin, wo sie vor dem Krieg wohnten.

Sobald eine internationale „Stabilisierungstruppe“ in Gaza den Wiederaufbau absichert, ziehen sich die Israelis weiter zurück.

Auf unbestimmte Zeit hält Israel eine knapp einen Kilometer tiefe Pufferzone innerhalb der internationalen Grenzen des Gazastreifens besetzt, abhängig von der Entwaffnung der Hamas und der Absicherung vor terroristischen Attacken. FR

Auf dem Geiselplatz in Tel Aviv sind die Menschen nach 733 Tagen zum ersten Mal nicht mehr wütend oder verzweifelt.

Der zentrale Ort des Geschehens an diesem besonderen Tag ist der Platz der Geiseln in Tel Aviv. Wie der Platz hieß, bevor der Horror des 7. Oktober alles veränderte und der lange, zähe Kampf um die Rückkehr der Verschleppten begann, weiß heute kaum jemand mehr.

In Tel Aviv wird Donald Trumps Deal gefeiert – Hamas soll „sehr bald“ alle Geiseln übergeben

Aus allen Ecken des Landes strömen die Menschen nach Tel Aviv, um mit den Familien der Geiseln zu feiern. Schon „sehr bald“ werde die Hamas sämtliche Geiseln an Israel übergeben, hatte US-Präsident Donald Trump zuvor angekündigt. Nach intensiven Verhandlungen hätten Israel und die Hamas zugestimmt, die erste Etappe seines Plans für ein Kriegsende in Gaza umzusetzen. Am Nachmittag folgt die Bestätigung, dass die Regierung dieser ersten Etappe nun offiziell zugestimmt hat. Danach die, dass auch die Hamas zugestimmt hat. Das bedeutet: Israels Armee zieht sich auf rund fünfzig Prozent der Fläche des Gazastreifens zurück, die Hamas übergibt alle Geiseln an Israel. Im Gegenzug muss Israel 3700 festgehaltene Palästinenser:innen freilassen – darunter 250 zu lebenslänglicher Haft verurteilte Terroristen. Nur der 66-jährige Palästinenserführer Marwan Barghuti bleibt weiter in Haft.

Wer an diesem Donnerstag nicht in Tel Aviv am Geiselplatz ist, sieht sich Livestreams von dort auf dem Handy an. Überall, im Zug, im Autobus, hinterm Steuer im Stau: Israel feiert, vor Ort oder remote. Auf Instagram gehen kurze Reels von Geiselangehörigen viral. „Matan und Matan sind auf dem Weg nach Hause!“, jubeln Einav Zangauker und Anat Angrest, deren Söhne – beide heißen Matan – am 7. Oktober verschleppt wurden. Die beiden Mütter sind in den vergangenen zwei Jahren zu Leitfiguren des Protests für die Rückkehr der Geiseln geworden. Auf dem kurzen Video, das noch vor Tagesanbruch aufgenommen wurde, sieht man sie zum ersten Mal seit zwei Jahren mit lachenden Gesichtern. Erleichtert fallen sie einander in die Arme.

Im Fernsehstudio wird getanzt: Freude über Trumps Gazadeal in Israel

Alle Fernsehkanäle haben Kamerateams und Reporter zum Geiselplatz geschickt, sie sollen die Stimmung einfangen. Doch die Stimmung fängt die Medienleute ein, und als das TV-Studio zum Geiselplatz schaltet, ist der Journalist schon schwitzender Teil einer Gruppe, die im Kreis tanzt und auf und ab hüpft. „So, jetzt tanzen wir auch“, reagiert die Studiomoderatorin, an deren rundem Tisch sich schon die Studiogäste versammelt haben.

Der Titel der Sondersendung im öffentlichen Fernsehen ist „Habaita“ – „nach Hause“. Immer wieder werden Eltern der noch lebenden Geiseln interviewt. Sie werden gefragt, was sie zu ihren Kindern sagen werden, wenn sie sie umarmen. Was sie ihnen kochen werden, wenn sie nach zwei Jahren Folter zurückkehren. „Ein gutes Asado, so wie es sich gehört“, sagt Yitzik Horn, Vater der argentinisch-israelischen Geisel Eitan Horn. Als das Interview zu Ende ist, sagt die Moderatorin: „Yitzik, wir lieben dich“.

Israel ist ein kleines Land, und es ist ein besonders kleines Land, wo zusammen getrauert oder gefeiert wird. Die Menschen rücken zusammen, Wildfremde umarmen einander, teilen eine Flasche Arak, mitten am Vormittag. Die Risse, die sich durch die Gesellschaft ziehen, werden an diesem Tag verdrängt. Die, die sie nicht verdrängen können, etwa weil sie Familienangehörige in Gaza verloren haben, müssen ihre Worte mit Bedacht wählen: „Es gibt Mütter, die ihre Kinder wieder umarmen werden, mit Tränen in den Augen, und es gibt Mütter mit Tränen in den Augen, die ihre Kinder nie mehr umarmen werden“, schreibt Ahmad Tibi, israelisch-arabischer Knessetabgeordneter, auf X. Tibi hat 13 Angehörige in Gaza verloren.

In Israels Gefängnissen sitzen auch unschuldige Palästinenser

Wer Tibis Tweet liest und ihn kennt, ahnt, dass er mit den Müttern, die ihre Kinder umarmen werden, auch die junger Palästinenser meint, die dann freigelassen werden. Als der Abgeordnete Ayman Odeh dies im Zuge des letzten Geiseldeals jedoch offen aussprach, hätte ihn das um ein Haar seinen Sitz im Parlament gekostet. Es gilt als nicht legitim, im Nachhall des Horrors vom 7. Oktober auch daran zu erinnern, dass in Israels Gefängnissen nicht nur schuldige Palästinenser:innen sitzen.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Wahre Freudenfeiern brachen am frühen Donnerstagmorgen auch im Gazastreifen aus. Die Aussicht auf Waffenruhe, auf die Rückkehr in jene nördlichen Gebiete, aus denen die Familien vertrieben worden waren, ließ viele in Tänze ausbrechen. Muhammad, der in der stark überfüllten Flüchtlingszone von Al-Mawasi ausharrt, kann es kaum erwarten, wieder nach Gaza-Stadt zurückzukehren: „Ich werde einer der Ersten sein, die sich auf den Weg machen“, verspricht er. Zwar laste alles, was in den vergangenen zwei Jahren in Gaza geschehen ist, schwer auf ihm, sagt der Mittfünfziger. „Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, Gaza ist ein riesiger Haufen Schutt.“ Die Aussicht auf ein Ende der Kämpfe sei aber in sich schon „ein riesiger Schritt“.

Ein Schritt, den zumindest ein Israeli nicht mitgehen wird: Der rechtsextreme Minister Bezalel Smotrich verweigerte seine Zustimmung und die seiner Partei zu dem Abkommen. Jetzt zu feiern, sei „kurzsichtig“: Wenn Israels Gefängnisse sich leerten, würde das „Ströme jüdischen Blutes“ nach sich ziehen.

Die Täter des 7. Oktober bleiben weggesperrt – Leichen getöteter Hamas-Führer bleiben in Israel

Binnen 72 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstands sollen die 20 noch lebenden Geiseln übergeben werden, voraussichtlich bis Sonntagabend. Am Montag soll dann die Überstellung der 28 verstorbenen Geiseln beginnen. Die Hamas hat erklärt, nicht über den Aufenthaltsort aller toten Geiseln Bescheid zu wissen. Es könnte also länger dauern, bis die erste Etappe des Deals erfüllt ist. Israel hat zugesagt, für jede überstellte tote israelische Geisel 15 tote Palästinenser:innen zu übergeben, die bis jetzt als Faustpfand festgehalten worden waren.

Laut israelischen Medien finden sich unter den freizulassenden Palästinensern keine Täter des 7. Oktober. Die Leichen der toten Hamas-Führer Yahya Sinwar und Mohammad Sinwar verbleiben in Israel.

Rubriklistenbild: © Jack Guez/AFP

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