Neuer ISW-Bericht

Wagner-Comeback im Ukraine-Krieg – mit Prigoschins Sohn an der Spitze? 

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Kämpfer der Söldnergruppe Wagner beim Putschversuch im Juni 2023 in Rostow am Don. Wie formiert sich die Gruppe nach dem Tod ihres Anführers? (Archivbild)
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Im Krieg in der Ukraine spielte die Gruppe Wagner seit dem Tod ihres Anführers Prigoschin kaum eine Rolle mehr. Nun könnte sich das aber wieder ändern.

Moskau – Nachdem Jewgeni Prigoschin, der Chef der Wagner-Gruppe, am 23. August bei einem Flugzeugabsturz in der russischen Oblast Twer ums Leben gekommen war, war lange unklar, was mit der Söldnertruppe passieren würde. Doch laut einem Bericht der US-Denkfabrik Institute for the Study of War verhandeln Vertreter von Wagner wieder mit der russischen Regierung.

Derzeit sind die Söldner in mehreren Ländern stationiert, darunter in Belarus, Libyen, Mali und der Zentralafrikanischen Republik. Einen neuen Anführer gibt es seit Prigoschins Tod dem Bericht zufolge nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin traf allerdings am 29. September ein wichtiges ehemaliges Wagner-Mitglied, Andrej Troschew, und beauftragte ihn mit der Bildung eines neuen Freiwilligenkorps, das Kampfeinsätze vor allem in der Ukraine durchführen soll.

Strukturiert sich Wagner um? Prigoschins Sohn konnte neuer Anführer werden

Teile der Wagner-Gruppe sollen negativ auf die Meldung reagiert und daraufhin einen alternativen Anführer vorgeschlagen haben. Einer der Telegram-Kanäle in Verbindung mit der Wagner-Gruppe meldete am 1. Oktober, dass der 25-jährige Sohn von Jewgeni Prigoschin, Pawel Prigoschin, das „Kommando“ über die Wagner-Gruppe übernommen habe. Er soll außerdem Verhandlungen mit der russischen Nationalgarde über die Wiederaufnahme von Kampfeinsätzen von Wagner in der Ukraine aufgenommen haben.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Dem ISW-Bericht zufolge soll Pawel Prigoschin allerdings nicht unabhängig agieren, er stehe wohl unter dem Einfluss des Leiters des Wagner-Sicherheitsdienstes Michail Watanin. Es gebe außerdem Berichte darüber, dass Teile von Wagner es in Erwägung ziehen, sich der russischen Nationalgarde als separate Einheit anzuschließen.

Sollte sich Wagner neu formieren und unter der Führung von Prigoschins Sohn oder auch von Troschew der russischen Nationalgarde anschließen, geht laut dem ISW von der Gruppierung wieder eine große Bedrohung für die Ukraine aus. Seit dem Tod Prigoschins betonte das Institut immer wieder, dass von der ehemals starken Söldnergruppe keine Gefahr für Kiew ausgehe. Nun räumte das ISW ein, dass es sein Urteil revidieren müsse, die Wagner-Gruppe wäre im Falle einer Umstrukturierung wieder als „effektive militärische Organisation“ zu bewerten. (fmü)

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