Kämpfer der Söldnergruppe Wagner beim Putschversuch im Juni 2023 in Rostow am Don. Wie formiert sich die Gruppe nach dem Tod ihres Anführers? (Archivbild)
Im Krieg in der Ukraine spielte die Gruppe Wagner seit dem Tod ihres Anführers Prigoschin kaum eine Rolle mehr. Nun könnte sich das aber wieder ändern.
Derzeit sind die Söldner in mehreren Ländern stationiert, darunter in Belarus, Libyen, Mali und der Zentralafrikanischen Republik. Einen neuen Anführer gibt es seit Prigoschins Tod dem Bericht zufolge nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin traf allerdings am 29. September ein wichtiges ehemaliges Wagner-Mitglied, Andrej Troschew, und beauftragte ihn mit der Bildung eines neuen Freiwilligenkorps, das Kampfeinsätze vor allem in der Ukraine durchführen soll.
Strukturiert sich Wagner um? Prigoschins Sohn konnte neuer Anführer werden
Teile der Wagner-Gruppe sollen negativ auf die Meldung reagiert und daraufhin einen alternativen Anführer vorgeschlagen haben. Einer der Telegram-Kanäle in Verbindung mit der Wagner-Gruppe meldete am 1. Oktober, dass der 25-jährige Sohn von Jewgeni Prigoschin, Pawel Prigoschin, das „Kommando“ über die Wagner-Gruppe übernommen habe. Er soll außerdem Verhandlungen mit der russischen Nationalgarde über die Wiederaufnahme von Kampfeinsätzen von Wagner in der Ukraine aufgenommen haben.
Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort
Dem ISW-Bericht zufolge soll Pawel Prigoschin allerdings nicht unabhängig agieren, er stehe wohl unter dem Einfluss des Leiters des Wagner-Sicherheitsdienstes Michail Watanin. Es gebe außerdem Berichte darüber, dass Teile von Wagner es in Erwägung ziehen, sich der russischen Nationalgarde als separate Einheit anzuschließen.
Sollte sich Wagner neu formieren und unter der Führung von Prigoschins Sohn oder auch von Troschew der russischen Nationalgarde anschließen, geht laut dem ISW von der Gruppierung wieder eine große Bedrohung für die Ukraine aus. Seit dem Tod Prigoschins betonte das Institut immer wieder, dass von der ehemals starken Söldnergruppe keine Gefahr für Kiew ausgehe. Nun räumte das ISW ein, dass es sein Urteil revidieren müsse, die Wagner-Gruppe wäre im Falle einer Umstrukturierung wieder als „effektive militärische Organisation“ zu bewerten. (fmü)