Sorge vor Infiltration

Neue Pässe für Wagner-Kämpfer: Politiker warnt vor Anschlägen in Europa

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Neue Pässe für Wagner-Söldner in Belarus könnten eine Bedrohung für die EU darstellen. Polen und Litauen sind in Alarmbereitschaft.

Warschau/Minsk – Die Sorge vor den in Belarus stationierten Wagner-Söldnern wächst weiter. Inzwischen sollen die Kämpfer der russischen Privatmiliz sogar neue Reisepässe vom Innenministerium in Minsk ausgestellt bekommen. Dies behauptet der belarussische Oppositionelle Pawel Latuschko. Es handele sich um echte Dokumente mit neuen Vor- und Nachnamen, sagte der frühere Kulturminister der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Mit den neuen Dokumenten könnten die Wagner-Kämpfer beispielsweise in die EU einreisen und hier Terroranschläge verüben, so der Politiker, der inzwischen im Exil lebt. Wie viele Kämpfer bereits neue Pässe bekommen hätten, sagte er nicht. Seiner Quelle zufolge werden die Söldner allerdings schon seit einem Monat mit neuen Papieren ausgestattet.

In Polen nimmt man die potenzielle Gefahr durch die Wagner-Gruppe ernst und ergreift entsprechende Maßnahmen. Unter anderem wurden zuletzt zwei Russen festgenommen, die versucht haben sollen, neue Kämpfer für die Gruppe zu rekrutieren. Darüber hinaus wurden die Grenzen zum Nachbarland Belarus mithilfe einer Anti-Terror-Einheit abgesichert.

Ein Söldner der Wagner-Gruppe auf einer spontanen Gedenkfeier für Jewgeni Prigoschin. Das Foto wurde am 24. August in St. Petersburg aufgenommen.

Wagner-Exil in Belarus: „Können dazu eingesetzt werden, Probleme an der Grenze zu schaffen“

Nach dem gescheiterten Aufstand der Wagner-Armee gegen Moskaus Militärführung im Juni hatten viele Kämpfer auf Einladung des Machthabers Alexander Lukaschenko Quartiere in Belarus bezogen. Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin war nach russischen Behördenangaben bei einem Flugzeugabsturz in der vergangenen Woche ums Leben gekommen. Nach Angaben Latuschkos halten sich trotz dessen nach wie vor Tausende Wagner-Kämpfer in Belarus auf.

Machthaber Lukaschenko wolle die Wagner-Kämpfer zwar gerne im Land behalten, es gebe dafür jedoch keine ausreichenden Mittel. Mehrere hundert Kämpfer hätten aber bereits Verträge mit dem belarussischen Verteidigungsministerium unterzeichnet. „Sie könnten in Spezialeinheiten der belarussischen Armee dazu eingesetzt werden, Probleme an der Grenze zu schaffen und mit illegalen Migranten zusammenzuarbeiten, die jeden Tag die Grenzen von Polen, Litauen und Lettland attackieren“, sagte Latuschko.

Litauen beobachtet Wagner-Bewegungen: „Können bereits Veränderungen sehen“

Auch in Litauen schaut man nach dem Tod von Prigoschin ganz genau nach Belarus. „Wir können bereits die Veränderungen sehen, wir können die Aufspaltung sehen, wir können die Versuche sehen, Belarus in Richtung Russland zu verlassen. Es passieren alle möglichen Arten von Dingen“, sagte Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas am vergangenen Freitag (25. August).

Auf die Frage, was aus der Wagner-Gruppe nach dem mutmaßlichen Tod ihres Chefs werden könnte, antwortete Anusauskas ausweichend. „Ich kann nur sagen, dass jeder Prigoschin durch einen neuen Prigoschin ersetzt wird“, sagte er litauischen Medienberichten zufolge. Dessen Platz könne einfach von anderen Leuten mit Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium eingenommen werden. (nak/dpa)

Rubriklistenbild: © Artem Priakhin/Imago

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