VonMaximilian Gangschließen
Der Aufenthalt der Wagner-Gruppe in Belarus bereitet den Nachbarstaaten Polen und Litauen Sorgen. Doch offenbar mangelt es den Söldnern an wichtigem Equipment.
Tsel – Seitdem die berüchtigte Wagner-Gruppe nach dem gescheiterten Aufstand gegen Moskau nach Belarus umgesiedelt wurde, befinden sich mehrere Nachbarstaaten in Alarmbereitschaft. So zeigten sich beispielsweise Litauen und Polen angesichts der Truppenbewegungen der Privatarmee besorgt. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes füllt sich nun das neue Lager der Wagner-Gruppe in dem zentralen belarussischen Dorf Tsel zunehmend mit Soldaten. Doch ihnen soll es an wichtigem Equipment fehlen.
Nach Aufstand gegen Moskau: Mussten Wagner-Söldner ihre Kriegsfahrzeuge zurückgeben?
Rund 300 Zelte, 200 Fahrzeuge und „mindestens mehrere tausend Soldaten“ sollen seit Mitte Juli in dem Lager in Tsel, rund 90 Kilometer südöstlich von Minsk, angekommen sein. Das teilte das britische Verteidigungsministerium (MoD) unter Berufung auf Satellitenbilder mit. Zuvor sei das Lager noch weitgehend leer gewesen sein. Auffällig: Bei den meisten Fahrzeugen, die in dem Lager sichtbar gewesen seien, handele es sich um Trucks und Minibusse. Nur wenige Kriegsfahrzeuge seien darunter gewesen.
„Es ist unklar, was mit der schweren Ausrüstung passiert ist, die Wagner in der Ukraine genutzt hat“, so das Verteidigungsministerium. Es sei eine „realistische Möglichkeit“, dass die Söldner-Gruppe gezwungen wurde, ihre Kriegsausrüstung an das russische Militär zurückzugeben. Sollte das der Fall sein, könnte das massive Auswirkungen haben, wie das MoD schreibt. Demnach sei die Möglichkeit der Wagner-Gruppe, auf schwere Ausrüstung und beispielsweise Lufttransporte zurückzugreifen, einer der Schlüsselfaktoren für den weiteren Kampf der Söldner.
Latest Defence Intelligence update on the situation in Ukraine - 30 July 2023.
— Ministry of Defence 🇬🇧 (@DefenceHQ) July 30, 2023
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Truppenbewegungen der Wagner-Gruppe: Situation an polnischer Grenze „noch bedrohlicher“
Söldner der Wagner-Gruppe halten sich bereits seit Wochen in Belarus auf, um dort die Armee auszubilden und Militärcamps aufzubauen. Zuletzt sollen „mehr als hundert“ Söldner der Wagner-Gruppe in Richtung der Suwalki-Lücke, unweit der Stadt Grudno, vorgerückt sein, wie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki der Nachrichtenagentur PAP am Samstag (29. Juli) sagte. Grudno liegt im Westen von Belarus, nur rund 15 Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitgliedsstaat Polen entfernt. Damit werde die Situation an der Grenze „noch bedrohlicher“, sagte der nationalkonservative Staatschef.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Wagner-Gruppe rückt näher an Grenze heran: Polen und Litauen rechnen mit Aktionen der Söldner
Auf einem Militärgelände bei Brest – unweit der polnisch-belarussischen Grenze – fand im Juli zudem eine Übung statt, bei der Kämpfer der Wagner-Gruppe belarussische Spezialeinheiten ausbilden sollten. Bereits nach dem gescheiterten Aufstand der Söldner am 24. Juni kündigte der belarussische Staatschef Lukaschenko an, dass seine Armee von den im Ukraine-Krieg gesammelten Kampferfahrungen der Wagner-Gruppe profitieren wird. Die polnische Regierung verlegte als Reaktion auf die Truppenbewegungen mehr Soldaten nach Osten.
„Gemeinsame Übungen der belarussischen Armee und der Wagner-Gruppe sind zweifellos eine Provokation“, sagte Zbigniew Hoffmann, Sekretär des Sicherheitskomitees der polnischen Regierung. Demnach müsse man mit russisch-belarussischen Aktionen rechnen. Auch Litauens Präsident Gitanas Nauseda äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur BNS ähnlich. Demnach sei es „wirklich zu verlockend“, die Anwesenheit der Wagner-Gruppe nahe der litauischen Grenze nicht für verschiedene Provokationen zu nutzen. Ihm zufolge könnten diese gegen Polen, Litauen, aber auch gegen Lettland organisiert werden.
„Ausflug nach Warschau und Rzeszów“: Lukaschenko scherzt über Wagner-Invasion in Polen
Doch warum rücken die Söldner offenbar weiter in Richtung Polen vor? Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko scherzte bei einem Treffen mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin am 23. Juli darüber, dass die Söldner der Wagner-Gruppe auf einen „Ausflug nach Warschau und Rzeszów“ drängen. Aber er werde die Wagner-Söldner „natürlich im Zentrum von Belarus behalten“. Der Militärnachrichtendienst der Ukraine (HUR) weist die Möglichkeit eines Angriffs der russischen Privatarmee auf Polen zurück.
Stattdessen könnten die Kämpfer der russischen Privatarmee für „informative und psychologische Spezialoperationen“ genutzt werden, wie der HUR-Vertreter Andrii Yusov der ukrainischen Wochenzeitung Kyiv Post sagte. Ein mögliches Ziel, laut Yusov: Die Ukraine sowie die Mitgliedsstaaten der EU und der Nato zu zermürben. Eine Invasion Polens gilt auch deshalb als unwahrscheinlich, weil dadurch ein Artikel-5-Szenario der Nato ausgelöst würde. Demnach wird ein Angriff auf ein Nato-Mitgliedstaat als Angriff auf alle Mitgliedstaaten gewertet. (mg, mit dpa)
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