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Wagner doch nicht so stark? Neue Bilder zeigen Schwachpunkt der Söldner-Gruppe

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Der Aufenthalt der Wagner-Gruppe in Belarus bereitet den Nachbarstaaten Polen und Litauen Sorgen. Doch offenbar mangelt es den Söldnern an wichtigem Equipment.

Tsel – Seitdem die berüchtigte Wagner-Gruppe nach dem gescheiterten Aufstand gegen Moskau nach Belarus umgesiedelt wurde, befinden sich mehrere Nachbarstaaten in Alarmbereitschaft. So zeigten sich beispielsweise Litauen und Polen angesichts der Truppenbewegungen der Privatarmee besorgt. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes füllt sich nun das neue Lager der Wagner-Gruppe in dem zentralen belarussischen Dorf Tsel zunehmend mit Soldaten. Doch ihnen soll es an wichtigem Equipment fehlen.

Nach Aufstand gegen Moskau: Mussten Wagner-Söldner ihre Kriegsfahrzeuge zurückgeben?

Rund 300 Zelte, 200 Fahrzeuge und „mindestens mehrere tausend Soldaten“ sollen seit Mitte Juli in dem Lager in Tsel, rund 90 Kilometer südöstlich von Minsk, angekommen sein. Das teilte das britische Verteidigungsministerium (MoD) unter Berufung auf Satellitenbilder mit. Zuvor sei das Lager noch weitgehend leer gewesen sein. Auffällig: Bei den meisten Fahrzeugen, die in dem Lager sichtbar gewesen seien, handele es sich um Trucks und Minibusse. Nur wenige Kriegsfahrzeuge seien darunter gewesen.

Mittlerweile ist das Armeelager im belarussischen Tsel offenbar bereits gefüllt mit Söldnern der Wagner-Gruppe.

„Es ist unklar, was mit der schweren Ausrüstung passiert ist, die Wagner in der Ukraine genutzt hat“, so das Verteidigungsministerium. Es sei eine „realistische Möglichkeit“, dass die Söldner-Gruppe gezwungen wurde, ihre Kriegsausrüstung an das russische Militär zurückzugeben. Sollte das der Fall sein, könnte das massive Auswirkungen haben, wie das MoD schreibt. Demnach sei die Möglichkeit der Wagner-Gruppe, auf schwere Ausrüstung und beispielsweise Lufttransporte zurückzugreifen, einer der Schlüsselfaktoren für den weiteren Kampf der Söldner.

Truppenbewegungen der Wagner-Gruppe: Situation an polnischer Grenze „noch bedrohlicher“

Söldner der Wagner-Gruppe halten sich bereits seit Wochen in Belarus auf, um dort die Armee auszubilden und Militärcamps aufzubauen. Zuletzt sollen „mehr als hundert“ Söldner der Wagner-Gruppe in Richtung der Suwalki-Lücke, unweit der Stadt Grudno, vorgerückt sein, wie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki der Nachrichtenagentur PAP am Samstag (29. Juli) sagte. Grudno liegt im Westen von Belarus, nur rund 15 Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitgliedsstaat Polen entfernt. Damit werde die Situation an der Grenze „noch bedrohlicher“, sagte der nationalkonservative Staatschef.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Wagner-Gruppe rückt näher an Grenze heran: Polen und Litauen rechnen mit Aktionen der Söldner

Auf einem Militärgelände bei Brest – unweit der polnisch-belarussischen Grenze – fand im Juli zudem eine Übung statt, bei der Kämpfer der Wagner-Gruppe belarussische Spezialeinheiten ausbilden sollten. Bereits nach dem gescheiterten Aufstand der Söldner am 24. Juni kündigte der belarussische Staatschef Lukaschenko an, dass seine Armee von den im Ukraine-Krieg gesammelten Kampferfahrungen der Wagner-Gruppe profitieren wird. Die polnische Regierung verlegte als Reaktion auf die Truppenbewegungen mehr Soldaten nach Osten.

„Gemeinsame Übungen der belarussischen Armee und der Wagner-Gruppe sind zweifellos eine Provokation“, sagte Zbigniew Hoffmann, Sekretär des Sicherheitskomitees der polnischen Regierung. Demnach müsse man mit russisch-belarussischen Aktionen rechnen. Auch Litauens Präsident Gitanas Nauseda äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur BNS ähnlich. Demnach sei es „wirklich zu verlockend“, die Anwesenheit der Wagner-Gruppe nahe der litauischen Grenze nicht für verschiedene Provokationen zu nutzen. Ihm zufolge könnten diese gegen Polen, Litauen, aber auch gegen Lettland organisiert werden.

„Ausflug nach Warschau und Rzeszów“: Lukaschenko scherzt über Wagner-Invasion in Polen

Doch warum rücken die Söldner offenbar weiter in Richtung Polen vor? Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko scherzte bei einem Treffen mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin am 23. Juli darüber, dass die Söldner der Wagner-Gruppe auf einen „Ausflug nach Warschau und Rzeszów“ drängen. Aber er werde die Wagner-Söldner „natürlich im Zentrum von Belarus behalten“. Der Militärnachrichtendienst der Ukraine (HUR) weist die Möglichkeit eines Angriffs der russischen Privatarmee auf Polen zurück.

Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko geben sich bei ihrem Treffen die Hand

Stattdessen könnten die Kämpfer der russischen Privatarmee für „informative und psychologische Spezialoperationen“ genutzt werden, wie der HUR-Vertreter Andrii Yusov der ukrainischen Wochenzeitung Kyiv Post sagte. Ein mögliches Ziel, laut Yusov: Die Ukraine sowie die Mitgliedsstaaten der EU und der Nato zu zermürben. Eine Invasion Polens gilt auch deshalb als unwahrscheinlich, weil dadurch ein Artikel-5-Szenario der Nato ausgelöst würde. Demnach wird ein Angriff auf ein Nato-Mitgliedstaat als Angriff auf alle Mitgliedstaaten gewertet. (mg, mit dpa)

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