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Robert F. Kennedy Jr. teilt russische Propaganda zum Ukraine-Krieg. Damit wird der Verschwörungsideologe für Russland interessanter – und hat sogar Vorzüge gegenüber Donald Trump.
Moskau/Washington, D.C. – Robert F. Kennedy Junior, Neffe des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, fällt seit einiger Zeit als Verschwörungsideologe auf. In der Corona-Pandemie tat er sich als Impfskeptiker hervor und genoss – trotz seines Status als Demokrat – in rechtsradikalen Kreisen große Beliebtheit. Kennedy könnte nun für seine Behauptungen zum Ukraine-Krieg belohnt werden. Er scheint der bevorzugte Präsidentschaftskandidat russischer Medien zu sein.
Das Interesse der russischen Medien an Robert Kennedy habe zugenommen, berichtet das US-amerikanische Nachrichtenportal Newsweek. Kennedy teile „ziemlich direkt die russische Propaganda“ im Ukraine-Krieg, sagte Kyle Walter, Experte für Desinformation im Netz. Donald Trump, bisheriger Favorit Russlands, dagegen versuche sich in erster Linie, als großer Verhandlungsführer darzustellen und vertrete dabei Positionen, die teilweise nicht mit der russischen Agenda übereinstimmen.
Donald Trump behauptete, er könne den Krieg an einem Tag beenden. Er würde dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagen, er müsse ein Abkommen treffen. Wladimir Putin würde er mit weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine drohen, sollte er nicht verhandlungsbereit sein.
Robert F. Kennedy Jr. ist für Russland noch interessanter als Donald Trump
Kennedy dagegen gibt immer wieder die russischen Narrative im Krieg wider und machte etwa die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Er schlug zudem vor, die Hilfe für die Ukraine zu kürzen. Am 14. Juli twitterte Kennedy etwa: „Hunderttausende ukrainischer Jugendliche sind bereits gestorben, weil Amerikas außenpolitisches Establishment ihr Land in einen Krieg hineinmanipuliert hat, um eine vergebliche geopolitische Fantasie zu erfüllen. Anstatt das Scheitern einzugestehen, bereitet sich die Biden-Administration nun darauf vor, auch amerikanische Leben zu opfern.“ Die russische Botschaft in Südafrika hat den Tweet geteilt.
Im Mai hatte Kennedy laut Newsweek erklärt, dass die Amerikaner:innen hungerten, um „einen Krieg zu finanzieren, der keinen lebenswichtigen US-Interessen dient“ und forderte die USA auf, die Prioritäten neu zu ordnen. Zudem habe er behauptet, der Krieg sei Teil eines großen strategischen Plans der Biden-Regierung, jedes Land wie Russland zu zerstören, das sich der „imperialen Ausbreitung“ der USA widersetze.
Robert F. Kennedy teilt russische Propaganda zum Ukraine-Krieg
Robert F. Kennedy Jr. hat den russischen Einmarsch zwar auch verurteilt. Dennoch: Er vertritt die These, Russland sei provoziert worden. „Sie lügen uns an und fabrizieren eine Zustimmung zum Krieg“, zitiert Newsweek Kennedys Behauptungen. Diese Aussagen sind in verschiedenen russischen Medien aufgegriffen worden, unter anderem auch von „Putins Stimme“ Wladimir Solowj. Das Interesse sei teilweise größer als an Donald Trump.
Für Russland ergibt sich dadurch ein Vorteil: In beiden Parteien in den USA, bei den Republikanern sowieso, aber durch Kennedy Jr. auch bei den Demokraten, gibt es Präsidentschaftskandidaten, welche die US-Außenpolitik zugunsten Moskaus ändern könnten – sofern sie gewählt werden.
Russland kann durch Kennedy Jr. auf gleich zwei US-Präsidentschaftskandidaten hoffen
„Wenn Sie entweder Kennedy oder Trump als Präsident haben, wissen sie, dass die Unterstützung für die Ukraine abnehmen wird“, sagte Kyle Walter gegenüber Newsweek mit Blick auf die Berichterstattung der russischen Staatsmedien in Bezug zur US-Präsidentschaftswahl 2024.
Robert Kennedy Junior hatte im April 2023 angekündigt, für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr antreten zu wollen. Dabei ist ihm bereits die Nähe zu US-Rechtsextremist:innen unterstellt worden. Eine Organisation, die Kennedys Wahlkampf finanzieren soll, stehe der MAGA-Bewegung nahe.
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