VonFabian Müllerschließen
Walter Rosenkranz tritt bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich im Oktober für die FPÖ an. Dabei fällt er mit markigen Forderungen auf. Hat er damit Erfolg?
Wien – Walter Rosenkranz dürfte in Deutschland nur wirklichen Kennern der österreichischen Politik ein Begriff sein. Rosenkranz ist Kandidat der rechtspopulistischen Oppositionspartei FPÖ bei der Österreich-Wahl. Sein Ziel ist das Amt des Bundespräsidenten, also das höchste politische Amt des Landes. Damit ist er direkter Konkurrent von Amtsinhaber Alexander van der Bellen.
| Name | Walter Rosenkranz |
|---|---|
| Geboren | 29. Juli 1962 in Krems an der Donau |
| Beruf | Jurist |
| Partei | FPÖ |
Der gebürtig aus Krems an der Donau stammende Rosenkranz ist studierter Jurist, von 2008 bis 2019 saß er für die FPÖ im Nationalrat, von 2017 bis 2019 war er dort sogar Klubobmann, also Fraktionschef, seiner Partei. 2019 dann wurde er von Bundespräsident Van der Bellen als Volksanwalt angelobt. Die Volksanwaltschaft ist in Österreich zur Kontrolle der öffentlichen Verwaltung eingerichtet.
Walter Rosenkranz: Mit 18.500 Unterstützungserklärungen zum FPÖ-Kandidaten bei der Österreich-Wahl
Für die Zulassung als Bundespräsidentschafts-Kandidat sind 6000 Unterstützungserklärungen nötig. Rosenkranz reichte Ende August gar 18.500 Unterstützungserklärungen bei der Wahlbehörde ein - sein Antritt bei der Bundespräsidentenwahl war damit gesichert.
„Es ist ein sehr eindrucksvolles Zeichen, dass die Menschen in Österreich mich unterstützen“, sagte Rosenkranz bei der Übergabe der Erklärungen. Sein Ziel sei es, Amtsinhaber Van der Bellen in eine Stichwahl zu zwingen. Anfang September lag Rosenkranz gleichwohl laut einer Umfrage des Magazins Profil und des Senders ATV nur bei 13 Prozent Wählerzuspruch.
FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz zwischen markigen Forderungen und Familienfreizeit mit „Hund Hecki“
Betont präsidentiell gab sich Rosenkranz in seiner Unterstützungskampagne nicht. „Holen wir uns unser Österreich zurück!“, lautete die zugehörige Überschrift auf seiner Homepage. „Nach 2015 rollt derzeit die nächste Welle von illegalen Einwanderern in unser Österreich“, war zudem dort zu lesen. Auch „selbstzerstörerische Russland-Sanktionen“ rügt der FPÖ-Politiker. Österreich habe sich im Ukraine-Krieg „der Kriegstreiberei der EU“ angeschlossen. Rosenkranz will außerdem die Regierung absetzen, sollte sie ihn nicht von ihren Vorhaben überzeugen können.
Rosenkranz wirbt aber auch mit einer gewissen Bodenständigkeit: Er lebt nach eigenen Angaben mit „Ehefrau und drei Kindern“ in der Heimatstadt Krems. Die Freizeit verbringe er „gerne mit der Familie und unserem Hund ‚Hecki‘ in der Natur“.
Bundespräsidentenwahl in Österreich: Rosenkranz, Van der Bellen und fünf weitere Kandidaten
Walter Rosenkranz bekommt bei der Österreich-Wahl jedoch viel Konkurrenz. Insgesamt bewerben sich sieben Kandidaten um das Amt des Staatsoberhaupts. Am 2. September lief die Frist ab, zu der die Bewerber ihre Unterstützerlisten. Die Zahl der Kandidaten ist damit so groß wie noch nie. Im rechten Spektrum treten neben Rosenkranz der ehemalige Parlamentarier Gerald Grosz und der Anwalt Tassilo Wallentin an. Wallentin verfügt als Kolumnist des Massenblattes Kronen Zeitung über eine große Plattform. Außerdem bewirbt sich Michael Brunner, der Chef der Partei Menschen Freiheit Grundrechte (MFG), die sich dem Kampf gegen Corona-Maßnahmen verschrieben hat.
Neben Amtsinhaber Alexander Van der Bellen treten desweiteren im eher linken Spektrum ein Vertreter der Bierpartei, Dominik Wlazny, und Schuh-Unternehmer Heinrich Staudinger an. Als verhältnismäßig aussichtsreichster Herausforderer des 78-jährigen Van der Bellen gilt aber dennoch der 60 Jahre alte Rosenkranz.
Die Vielzahl der Kandidaten könnte nach Angaben von Demoskopen zum Problem für Van der Bellen werden. So viele Kandidaten könnten als Unzufriedenheit mit dem politischen Establishment gedeutet werden, sagen Beobachter der österreichischen Politik. Sollte der amtierende Bundespräsident in die Stichwahl müssen, wäre das als politische Blamage zu werten. Jüngste Entwicklungen deuteten darauf hin, dass der 78-Jährige im ersten Wahlgang unter die entscheidende 50-Prozent-Marke fallen könnte.
FPÖ macht Bundespräsidenten-Wahlkampf mit Walter Rosenkranz
Bei der Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober sind rund 6,4 Millionen Österreicher ab 16 Jahren wahlberechtigt. Erreicht kein Kandidat mehr als 50 Prozent, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Van der Bellen, ehemals an der Spitze der österreichischen Grünen, erhielt 2016 in einer Stichwahl gegen den FPÖ-Herausforderer Norbert Hofer 53,8 Prozent der Stimmen. Die Wahl 2016 musste wegen Unregelmäßigkeiten auf Anordnung des Verfassungsgerichtshofes wiederholt werden. (fmü mit dpa)
