Migration

Diskriminierung und Bürokratie: Darum wandern Millionen Menschen aus

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Rund eine Million Menschen kehrt pro Jahr Deutschland den Rücken – teils wegen negativer Erfahrungen, zeigt eine Befragung der Ebert-Stiftung.

Berlin – In den vergangenen Jahren gab es nicht nur Zuwanderung nach Deutschland, sondern auch viel Abwanderung: Rund eine Million Menschen pro Jahr haben im Schnitt der Bundesrepublik den Rücken gekehrt. Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass viele von ihnen bereit wären, zurückzukehren.

„Ihre Rückgewinnung könnte eine Strategie sein, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, schreiben die Autorinnen Franziska Loschert, Marlene Leisenheimer und Doritt Komitowski in der Expertise mit dem Titel „Willkommen zurück?“, die sie am Mittwoch in einer Online-Veranstaltung vorstellten.

Knapp 8 Millionen Menschen sind seit 2025 aus Deutschland ausgewandert

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind zwischen 2015 und 2023 insgesamt rund 13,7 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft nach Deutschland zugewandert, während zugleich gut 7,9 Millionen Menschen wieder abwanderten. Die Wissenschaftlerinnen haben die Gründe für die Abwanderung aus Deutschland abgefragt, aber auch das Potenzial für eine Rückkehr.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

„40 Prozent der Befragten ziehen eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht, dieses Potenzial bleibt jedoch bislang ungenutzt“, schreiben sie. „Negative Erfahrungen mit Diskriminierung, Bürokratie und mangelnder Unterstützung hemmen konkrete Rückkehrpläne. Wer sich nicht willkommen fühlte, hat auch selten den Wunsch, zurückzukehren.“

„Willkommenskultur ist keine Nebensache“ – und Deutschland braucht Fachkräfte

Sabine Fandrych, Geschäftsführerin der Friedrich-Ebert-Stiftung, folgert daraus: „Willkommenskultur ist keine Nebensache.“ Migrationsdebatten dürften nicht nur unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten geführt werden, mahnte sie an. Denn der demografische Wandel erfordere Zuwanderung aus sozialen wie ökonomischen Gründen. Die Befragung zeige, dass die stärksten Motive für den Wegzug psychosozialer Natur waren.

Weit mehr als ein Drittel hatte sich „nicht zu Hause oder nicht wohlgefühlt“ in Deutschland, ein knappes Drittel war unzufrieden mit dem Sozialleben, ein gutes Viertel verspürte das „Gefühl, nicht willkommen zu sein“. Darüber hinaus gab fast jede vierte Person Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus als Motiv an.

Wer ist hier willkommen?

Studie zeigt, dass viele Migrant:innen sich nicht willkommen fühlen in Deutschland

Daneben spielten finanzielle Gründe eine Rolle, darunter die hohen Lebenshaltungskosten und Steuern in Deutschland sowie die Unzufriedenheit mit der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen. Die Motive liegen aber teilweise auch im Ausland bei Jobangeboten und familiären Gründen. „Verringern Sie die Menge an Bürokratie (fühlt sich an wie in den 90er Jahren)“, empfahl eine befragte Person aus Polen. Zudem sollten Menschen in Ämtern nach ihrer Ansicht „Englisch sprechen oder Übersetzer an ihrer Seite haben“, „hilfsbereit und nicht nachtragend oder rassistisch sein.“

An der Onlinebefragung im zweiten Halbjahr 2024 hatten sich insgesamt 416 Personen beteiligt, mehr als 90 Prozent davon zwischen 20 und 60 Jahren alt. Die größte Gruppe kam mit rund 20 Prozent Anteil aus der Türkei. Die Studie ist nicht repräsentativ, kann aber Hinweise auf die Gründe für die Entscheidungen von Migrant:innen geben. Ein Großteil der Befragten, gut 70 Prozent, waren angestellt, weitere acht Prozent hatten sich selbstständig gemacht. Rund 20 Prozent hatten während ihrer Zeit in Deutschland nicht gearbeitet.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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