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Rund eine Million Menschen kehrt pro Jahr Deutschland den Rücken – teils wegen negativer Erfahrungen, zeigt eine Befragung der Ebert-Stiftung.
Berlin – In den vergangenen Jahren gab es nicht nur Zuwanderung nach Deutschland, sondern auch viel Abwanderung: Rund eine Million Menschen pro Jahr haben im Schnitt der Bundesrepublik den Rücken gekehrt. Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass viele von ihnen bereit wären, zurückzukehren.
„Ihre Rückgewinnung könnte eine Strategie sein, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, schreiben die Autorinnen Franziska Loschert, Marlene Leisenheimer und Doritt Komitowski in der Expertise mit dem Titel „Willkommen zurück?“, die sie am Mittwoch in einer Online-Veranstaltung vorstellten.
Knapp 8 Millionen Menschen sind seit 2025 aus Deutschland ausgewandert
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind zwischen 2015 und 2023 insgesamt rund 13,7 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft nach Deutschland zugewandert, während zugleich gut 7,9 Millionen Menschen wieder abwanderten. Die Wissenschaftlerinnen haben die Gründe für die Abwanderung aus Deutschland abgefragt, aber auch das Potenzial für eine Rückkehr.
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„40 Prozent der Befragten ziehen eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht, dieses Potenzial bleibt jedoch bislang ungenutzt“, schreiben sie. „Negative Erfahrungen mit Diskriminierung, Bürokratie und mangelnder Unterstützung hemmen konkrete Rückkehrpläne. Wer sich nicht willkommen fühlte, hat auch selten den Wunsch, zurückzukehren.“
„Willkommenskultur ist keine Nebensache“ – und Deutschland braucht Fachkräfte
Sabine Fandrych, Geschäftsführerin der Friedrich-Ebert-Stiftung, folgert daraus: „Willkommenskultur ist keine Nebensache.“ Migrationsdebatten dürften nicht nur unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten geführt werden, mahnte sie an. Denn der demografische Wandel erfordere Zuwanderung aus sozialen wie ökonomischen Gründen. Die Befragung zeige, dass die stärksten Motive für den Wegzug psychosozialer Natur waren.
Weit mehr als ein Drittel hatte sich „nicht zu Hause oder nicht wohlgefühlt“ in Deutschland, ein knappes Drittel war unzufrieden mit dem Sozialleben, ein gutes Viertel verspürte das „Gefühl, nicht willkommen zu sein“. Darüber hinaus gab fast jede vierte Person Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus als Motiv an.
Studie zeigt, dass viele Migrant:innen sich nicht willkommen fühlen in Deutschland
Daneben spielten finanzielle Gründe eine Rolle, darunter die hohen Lebenshaltungskosten und Steuern in Deutschland sowie die Unzufriedenheit mit der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen. Die Motive liegen aber teilweise auch im Ausland bei Jobangeboten und familiären Gründen. „Verringern Sie die Menge an Bürokratie (fühlt sich an wie in den 90er Jahren)“, empfahl eine befragte Person aus Polen. Zudem sollten Menschen in Ämtern nach ihrer Ansicht „Englisch sprechen oder Übersetzer an ihrer Seite haben“, „hilfsbereit und nicht nachtragend oder rassistisch sein.“
An der Onlinebefragung im zweiten Halbjahr 2024 hatten sich insgesamt 416 Personen beteiligt, mehr als 90 Prozent davon zwischen 20 und 60 Jahren alt. Die größte Gruppe kam mit rund 20 Prozent Anteil aus der Türkei. Die Studie ist nicht repräsentativ, kann aber Hinweise auf die Gründe für die Entscheidungen von Migrant:innen geben. Ein Großteil der Befragten, gut 70 Prozent, waren angestellt, weitere acht Prozent hatten sich selbstständig gemacht. Rund 20 Prozent hatten während ihrer Zeit in Deutschland nicht gearbeitet.
Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

