Übungen an der Grenze

Warnungen vor Hamas „wurden ignoriert“ – Israels Soldatinnen erheben Sexismus-Vorwürfe

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Hat die israelische Regierung Warnungen vor dem Überfall der Hamas aufgrund von Sexismus ignoriert? Die Soldatinnen sind sicher: Wären sie Männer, „wären die Dinge anders gelaufen.“

Tel Aviv – Mindestens drei Monate vor dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober, hätten Mitglieder des von Frauen geführten Aufklärungstrupps vor kämpferischen Aktivitäten entlang der Grenze nach Gaza berichtet. Die Soldatinnen sind direkt an der israelisch-palästinensischen Grenze stationiert – trotzdem seien sie von hohen Militärs ignoriert worden.

Hamas übte mit Drohnen an Grenze zu Israel – „keine 300 Meter“ von den Soldatinnen entfernt

Die Überwachungssoldatinnen berichteten vor dem Krieg in Israel regelmäßig von Übungen der Hamas-Kämpfer an der Grenze zu Israel. „Sie fingen an, jeden Tag Drohnen zu senden, manchmal mehrmals am Tag, direkt an die Grenze“, sagt eine der Soldatinnen der Haaretz daily. Die Drohnen seien zeitweise nur noch „300 Meter vom Zaun entfernt“ gewesen „und manchmal weniger als das“.

Die Kampfübungen hätten schon eineinhalb Monate vor dem Krieg zwischen Israel und der Hamas begonnen. „Sie hatten ein exaktes Modell eines Beobachtungspostens, wie wir ihn verwenden, errichtet“, berichtet eine Soldatin. Auch Angriffe auf gepanzerte Fahrzeuge, mithilfe einer genauen Nachahmung des israelischen Kampfpanzers Merkava 4, wurden trainiert. Außerdem hätten Hamas-Kämpfer Sprengsätze in Löchern entlang der Grenze platziert, gaben weitere Soldatinnen an.

Israelische Soldatinnen werfen Israels Regierung vor, ihre Warnungen vor Aktivitäten der Hamas wegen Sexismus ignoriert zu haben.

Aufklärungs-Soldatinnen „von Armee im Stich gelassen“

Nicht nur, dass die Warnungen der Frauen ignoriert wurden, sie selbst hatte die israelische Armee am Tag des Angriffs der Hamas nicht informiert. „Es macht wütend! Wir sahen, was passierte, wir haben ihnen davon berichtet und wir waren diejenigen, die ermordet wurden“, sagt Maya Desiatnik im Interview mit dem israelischen Sender Kan.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Einer der Gründe, weshalb die Aufklärungs-Soldatinnen ignoriert wurden, war wohl, dass ihre Berichte nicht „das Narrativ erfüllten, die Hamas habe sich als revolutionäre Bewegung entwickelt und werde institutionalisierter und pragmatischer“, sagt der Abteilungsleiter für palästinensische Angelegenheiten des israelischen Verteidigungsgeheimdiensts, Michael Milshtein. Für die Soldatinnen steht fest: „Wären die Soldaten männlich gewesen, wären die Dinge anders gelaufen.“

Militär hat bei Warnungen vor Hamas „versagt“

Mahlstein wirft Netanjahu nicht nur vor, die Hamas falsch eingeschätzt zu haben, sondern auch Finanzierungen durch Katar erlaubt zu haben. Das Narrativ hält Milshtein für weit in die „oberen Ränge der israelischen Politik“ verbreitet. Auch hochrangige Militärs und Geheimdienstler hätten diese Einstellung unterstützt.

Netanjahu kommentiert das Versagen der Armee nicht. Er will sich zunächst auf den Kampf gegen die Hamas konzentrieren.

Am Ende steht die Frage der Schuld. Israels Militär- und Geheimdienstchefs haben die Vorwürfe, Warnungen vor der Hamas ignoriert zu haben, weitestgehend bestätigt. „Wir haben bei unserer wichtigsten Aufgabe versagt“, sagte der General Aharon Haliva in einem offenen Brief. Im Gegensatz dazu hat sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Gegenüber CNN gab er an, man wolle zunächst „das Land unter einem Ziel einen: den Sieg zu erringen.“

Nur Soldatinnen im Aufklärungstrupp

Der israelische Aufklärungstrupp ist eine rein weibliche Organisation. Sie werden auch als „Augen der Armee“ beschrieben und überwachen die Grenze nach Gaza mithilfe von Kameras und Sensoren. So haben die Soldatinnen eine Strecke von 15 bis 30 Kilometer Land permanent im Blick.

Beim Überfall der Hamas auf Israel wurden 15 Frauen des Aufklärungstrupps in der Nahal Oz-Basis getötet. Sieben weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt – eine der entführten Frauen wurde mittlerweile von der israelischen Armee befreit. (nhi)

Rubriklistenbild: © MENAHEM KAHANA / AFP

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