Nach dem Sturz von Baschar al-Assad planen die Rebellen harte Maßnahmen gegen die Diener des ehemaligen Regimes in Syrien. Die Folterknechte sollen verfolgt werden.
Damaskus – Die Lage in Syrien nach dem politischen Sturz des Machthabers Baschar al-Assad bleibt weiter angespannt. In der Nacht zum Dienstag wurden in der syrischen Hauptstadt Damaskus zahlreiche Explosionen gemeldet. Zuvor hatten die Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gemeldet, dass Israel seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad rund 250 Luftangriffe auf Syrien geflogen habe. Demnach hat die israelische Armee „die wichtigsten militärischen Anlagen in Syrien zerstört“. Während zahlreiche Menschen zum berüchtigten Gefängnis Saidnaja strömen, um weiter nach Angehörigen zu suchen, hat der Anführer der islamistischen Kämpfer angekündigt, eine Liste mit an Folter beteiligten Ex-Beamten zu veröffentlichen.
Nach Assad-Sturz in Syrien: Folterknechte sollen zur Rechenschaft gezogen werden
Die von den künftigen syrischen Behörden zu veröffentlichende Liste werde „die Namen der ranghöchsten Beamten enthalten, die in die Folterung des syrischen Volkes verwickelt sind“, schrieb Abu Mohammed al-Dscholani, der Chef der islamistischen Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS), am Dienstag im Onlinedienst Telegram. „Wir werden Belohnungen für jeden anbieten, der Informationen über hochrangige Armee- und Sicherheitsoffiziere liefert, die in Kriegsverbrechen verwickelt sind“, fuhr al-Dscholani fort.
Zugleich machte er nach dem Sturz von Assad deutlich: „Wir werden Kriegsverbrecher verfolgen und verlangen, dass sie von den Ländern, in die sie geflohen sind, überstellt werden, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten können.“ Der HTS-Chef erklärte weiter, dass sich seine Gruppe verpflichtet habe, „gegenüber denjenigen tolerant zu sein, an deren Händen nicht das Blut des syrischen Volkes klebt“. Zudem sollen diejenigen verschont werden, die zu ihrem Pflichtdienst verpflichtet gezwungen wurden.
Verfolgung in Syrien: Assad-Regime folterte und tötete auch im „Schlachthaus“ Saidnaja
Die Lage in Syrien hatte sich in den vergangenen Tagen massiv zugespitzt: Die vermeintliche Ruhe in dem Bürgerkriegsland, die jahrelang hielt, endete plötzlich. Kämpfer unter Führung der HTS hatten am Wochenende Damaskus erobert und den langjährigen Machthaber Assad gestürzt. Der Einnahme der syrischen Hauptstadt war ein rasanter Vormarsch der Milizen durch das Land vorangegangen. Gleichzeitig hatte die Türkei ihre Angriffe auf kurdisch kontrollierte Gebiete wieder aufgenommen.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels
Das Assad-Regime war in den vergangenen Jahren massiv gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen. Unter anderem in dem berüchtigten Militärgefängnis Saidnaja soll es zu Massentötungen und Folterungen gekommen sein. Nach dem Umsturz in Syrien hatten Aktivisten den riesigen Komplex nach geheimen Zellen und verborgenen Kellerräumen durchkämmt. Laut dem Leiter des Syrischen Zivilschutzes (Weißhelme), Raid Al Saleh, sollen insgesamt rund 150.000 Menschen in dem Gefängnis inhaftiert gewesen sein, das unter Syrern wegen des brutalen Vorgehens der Wärter und berüchtigter Foltermethoden als „Schlachthaus“ bekannt ist. Unter den Inhaftierten waren laut der Organisation Tausende unschuldige Zivilisten, „die vom früheren Assad-Regime eingekerkert wurden“.
Nach Assad-Sturz: USA klagen syrische Ex-Geheimdienstmitarbeiter an
Doch nicht nur die Rebellen gehen gegen die Schergen des Assad-Regimes vor. Auch die USA haben angekündigt, zwei ehemalige syrische Geheimdienstmitarbeiter wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen anzuklagen. Ihnen wird Grausamkeit und Unmenschlichkeit gegenüber zivilen Häftlingen vorgeworfen. Unter den Opfern sollen auch US-Bürger sein. Das teilte das US-Justizministerium mit. Es seien Haftbefehle erlassen worden, heißt es weiter. (fbu/dpa/afp)