Freiwilliger Wehrdienst oder Wehrpflicht?

Koalitionskrach um Wehrdienst-Los: Wie geht es mit dem Pistorius-Gesetz jetzt weiter?

Union und SPD streiten sich beim Wehrdienst. Erst sollte es ein Losverfahren geben, dann platzte die Lösung doch. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Debatte.

Berlin – Die Regierungskoalition aus SPD und Union streitet sich über das Wehrdienst-Modell. CDU/CSU wollen eine Wehrpflicht ins Gesetz schreiben, die SPD setzt auf Freiwilligkeit. Dann stand als Kompromiss ein Losverfahren im Raum, die Idee platzte aber am Dienstag (14. Oktober). Am Donnerstag (16. Oktober) soll im Bundestag jetzt trotzdem über den Gesetzentwurf von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) debattiert werden.

Boris Pistorius will ein neues Wehrdienst-Gesetz

Worum geht es bei dem Streit zum Wehrdienstgesetz?

Die Union und die SPD streiten sich im Kern darum, ob es beim Wehrdienst eine Pflicht geben soll, oder ob der Wehrdienst freiwillig sein soll. CDU und CSU haben die Sorge, dass die Bundeswehr ohne eine Pflicht nicht auf genügend Soldatinnen und Soldaten kommt. Die Fraktion will genaue Zielzahlen im Gesetzentwurf verankern, ab wann der freiwillige Wehrdienst nicht mehr reicht und es zu einer Wehrpflicht kommt.

Die SPD wehrt sich gegen verpflichtende Elemente. Verteidigungsminister Boris Pistorius ist der Meinung, dass ein freiwilliger Wehrdienst erst einmal reiche. Es „spricht im Augenblick jetzt gerade gar nichts dafür, dass wir im nächsten Jahr schon in Not geraten – ganz im Gegenteil“, sagte er Ende August bei den Tagesthemen: In diesem Jahr gebe es ein Kontingent für 15.000 Wehrdienstleistende, und schon im August hätten sich 13.000 gemeldet. Er gehe davon aus, dass man sogar 20.000 Freiwillige gewinnen könnte.

Nach einem Kabinettsbeschluss der Ministerinnen und Minister Ende August sollte Pistorius’ Gesetz am 9. Oktober im Bundestag besprochen werden. Das wurde dann aber auf Wunsch der Union gekippt und um eine Woche verschoben. In der Zwischenzeit sollte beraten werden. Am Dienstag platzte dann der Kompromissvorschlag. Die SPD lehnte das Losverfahren beim Wehrdienst ab.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Was bedeutet das Losverfahren beim Wehrdienst?

Die Unterhändler haben laut Tagesschau ein dreistufiges Modell vorgeschlagen, das sich am Wehrdienst in Dänemark anlehnt. So soll das Losverfahren funktionieren:

  1. Alle 18-jährigen Männer müssen einen Fragebogen ausfüllen. Hier müssen sie angeben, ob sie sich freiwillig zum Wehrdienst melden.
  2. Sollten sich nicht genug Freiwillige melden, wird aus allen Männern des Jahrgangs gelost. Die Ausgelosten sollen zunächst überzeugt werden, bei der Bundeswehr zu dienen.
  3. Sollte das nicht funktionieren, werden die Fehlenden zwangsweise eingezogen. Das geht nur durch einen Beschluss des Bundestags.

Außerdem soll Pistorius klar benennen, ab welchem Zeitpunkt er wie viele Wehrpflichtige benötigt. Die Opposition kritisiert den Vorschlag. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte, das Verfahren sei „absolut willkürlich“. Selbst beim alten Wehrdienst habe niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden können, stattdessen habe es den Ersatzdienst gegeben.

Warum gibt es jetzt doch kein Losverfahren beim Wehrdienst?

Nach übereinstimmenden Medienberichten gab es in der SPD zu viel Widerstand gegen den Kompromissentwurf. Die Union warf Pistorius daraufhin vor, die Kompromisslösung zu torpedieren. Dieser wies das von sich und sagte: „Ich habe nur gewisse Schwierigkeiten damit, dass zwei elementare Stellen meines Gesetzentwurfs geändert werden, bevor dieser überhaupt offiziell in den Bundestag eingebracht worden ist.“

Der Kompromiss enthalte außerdem Lücken. Die Bundeswehr brauche flächendeckende Musterungen ab 2027, die im Kompromiss aber nicht enthalten seien. „Wir verlieren zudem viel Zeit, wenn die Truppe bei allen zur Musterung ausgelosten jungen Männern noch einmal aktiv für sich werben soll“, so Pistorius. Diese Bedenken habe er „nicht erst heute geltend gemacht“.

Los oder kein Los: Was sind die nächsten Schritte beim Wehrdienstgesetz?

Am Donnerstag, 16. Oktober, soll wie geplant die erste Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag stattfinden. Die Koalitionspartner haben sich darauf geeinigt, die weiteren Streitpunkte während des Gesetzgebungsverfahrens zu klären. In der Regel wird ein Gesetz in drei Lesungen beschlossen:

  • In der ersten Lesung kann eine Debatte stattfinden. Außerdem wird ein oder mehrere Ausschüsse bestimmt, die sich mit dem Gesetzentwurf auseinandersetzen und ihn für die zweite Lesung vorbereiten.
  • Auch die Fraktionen bilden Arbeitskreise, um ihre Positionen auszuarbeiten.
  • In der zweiten Lesung wird dann der eventuell geänderte Gesetzesentwurf diskutiert. Dann kann entweder direkt über das Gesetz abgestimmt werden, oder Änderungsanträge gestellt werden. Dann muss ein neuer Gesetzentwurf geschrieben werden und dieser in die 3. Lesung gegeben werden.
  • Die dritte Lesung verläuft wie die 2. Lesung. Sie kann auch direkt nach der 2. Lesung stattfinden. Normalerweise wird hier dann endgültig über ein Gesetz abgestimmt.
  • Danach muss der Bundesrat dem Gesetz zustimmen.

Am 10. November soll im Rahmen einer Experten-Anhörung im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens geprüft werden, ob ein Losverfahren beim Wehrdienst rechtlich möglich ist.

Am 1. Januar 2026 soll das Gesetz dann in Kraft treten. Boris Pistorius hält an diesem Ziel weiter fest. Er betonte laut dpa bei einer Sitzung des Verteidigungsausschusses, man habe lediglich eine Woche Zeit verloren und werde jetzt ganz normal das Gesetz beraten. 

Warum braucht Deutschland einen Wehrdienst?

Die Bundesregierung hält einen Wehrdienst für nötig, um der wachsenden Bedrohungslage wirksam entgegentreten zu können. „Die internationale Sicherheitslage, vor allem das aggressive Auftreten Russlands, erfordert dies“, schreibt Boris Pistorius zu dem Erklärungstext des Außenministeriums zum neuen Wehrdienst. Bereits in Friedenszeiten müsse die Truppe wachsen, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Seitdem die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde, wurden die dafür nötigen Strukturen zurückgebaut. Auch generell ist die Bundeswehr nicht mehr so gut aufgestellt wie zu ihren Hochzeiten. Es fehlt an Kasernen, Lagerstätten für Waffensysteme, Waffen, Fahrzeugen und mehr. Dem sollen einerseits Investitionen entgegenwirken, zum Beispiel durch das Sondervermögen Bundeswehr, das dieses Jahr beschlossen wurde. Andererseits braucht die Bundeswehr auch mehr Personal. Die NATO fordert von Deutschland:

NATO-ZielBundeswehr aktuellDifferenz
260.000 aktive Soldatinnen und Soldatenetwa 180.000etwa 80.000
200.000 Reservistinnen und Reservistenetwa 100.000etwa 100.000

Boris Pistorius will diese Zahlen bis 2035 erreichen, also in zehn Jahren. Dabei ist es vergleichsweise einfacher, die Zahl an Reservistinnen und Reservisten zu erhöhen. Reservistin oder Reservist wird man nämlich automatisch nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr, also auch nach einem (freiwilligen oder verpflichtendem) Wehrdienst. Aktiver Soldat oder Soldatin wird man nur, wenn man sich bei der Bundeswehr verpflichtet.

Was sagt die Bundeswehr zu den Wehrdienst-Plänen der Regierung?

Carsten Breuer, der Generalinspekteur der Bundeswehr, wünscht sich, dass es jetzt schnell geht. Letzte Woche am Montag sagte er dem Morgenmagazin beim Ersten, „Wichtig ist mir, dass es eben schnell geht, dass wir nicht jetzt erst nochmal lange diskutieren, sondern dass wir so schnell in eine Umsetzung mit hinein gehen, dass wir ab Januar des nächsten Jahres die Fragebögen verschicken können, und dass wir idealerweise ab dem 01.05. dann auch junge Soldatinnen und Soldaten in die Bundeswehr integrieren können.“

Gefragt, ob eine Freiwilligkeit ausreiche, meinte er: „Nun, lassen sie es uns doch erstmal ausprobieren.“ Er sieht eine positive Tendenz bei den Freiwilligen und verwies darauf, dass Pistorius’ Gesetzvorschlag es vorsehe, dass man im Notfall zur Pflicht greifen könne. Zum Schluss des Interviews warnte Breuer vor Verzögerungen. Ab 2029 sei Russland wieder in der Lage, einen Krieg gegen einen NATO-Staat zu beginnen. Quellen: Tagesschau, Bundeswehr, Verteidigungsministerium, dpa, eigene Recherche (cdz)

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