Bundeswehr

Neues Wehrpflichtmodell: Erste Details zu Pistorius-Plan bekannt

SPD-Verteidigungsminister Pistorius legt die Karten auf den Tisch: Sein Vorschlag formuliert die ersten Schritte hin zu einer neuen Wehrpflicht.

Update vom 12. Juni, 12.45 Uhr: Christian Lindner, Bundesfinanzminister und FDP-Chef, hat positiv auf die Pläne von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zur Wehrpflicht reagiert.  „Statt eines neuen Pflichtdiensts sollten wir mehr Menschen für den Dienst in der Bundeswehr interessieren und die Reserve stärken. Darüber werden wir jetzt sprechen“, schreibt Lindner auf X. Der Vorstoß des von Pistorius gehe „in die richtige Richtung“.

Erstmeldung: Berlin – Verteidigungsminister Boris Pistorius will für ein neues Wehrpflichtmodell die vor 13 Jahren ausgesetzte Erfassung von Wehrfähigen wieder aufbauen. Zudem will der SPD-Politiker nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) junge Männer verpflichten, in einem Fragebogen Auskunft über ihre Bereitschaft und Fähigkeit zum Dienst zu geben und sich bei Auswahl einer Musterung zu stellen.

Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, steht vor einem Leopard 2 Panzer aus der Ukraine. Er stellt nun Pläne zur Wiedereinführung der Wehrpflicht vor.

Laut Experten gehe man davon aus, dass etwa ein Viertel der Personen, die den entsprechenden Fragebogen ausfüllen, Interesse an einem Wehrdienst bekunden könnten. Es brauche sei jedoch notwendig, dass pro Jahr 400.000 Menschen an der Umfrage teilnehmen, heißt es weiter. Um den Plan in die Tat umzusetzen, sei außerdem eine Erweiterung des Wehrpflichtgesetzes für junge Männer notwendig. Es sei vorgesehen, 40.000 Kandidaten zur Musterung zu bestellen – die aktuellen Kapazitäten für die Ausbildung würden sich jedoch auf 5000 bis 7000 begrenzen. Hier wolle man ausbauen.

SPD-Spitze gegen Wehrpflicht – Klingbeil setzt auf Freiwilligkeit

„Ich finde, wir sollten es freiwillig probieren, indem wir die Bundeswehr noch attraktiver machen“, zitiert die dpa den SPD-Chef Lars Klingbeil. Er spreche sich gegen eine allgemeine Wehrpflicht aus und wolle auf Freiwilligkeit setzen. In der Ampel-Koalition erhält er dafür Rückenwind. Omid Nouripour, Vorsitzender der Grünen, sagte Ende vergangenen Jahres, dass er nicht glaube, dass Deutschland eine Wehrpflicht benötige.

Ein Einblick in die Mission der Bundeswehr in Afghanistan

Gefährliche Herausforderungen: In den Jahren 2008, 2009 und 2010 stellten Schwarzenbörner Soldaten eine schnelle Eingreiftruppe für den Norden Afghanistans.
Gefährliche Herausforderungen: In den Jahren 2008, 2009 und 2010 stellten Schwarzenbörner Soldaten eine schnelle Eingreiftruppe für den Norden Afghanistans. © Bundeswehr
Da im Einsatz, wo es besonders brenzlig war.
Da im Einsatz, wo es besonders brenzlig war. © Bundeswehr
Erst in der ISAF-, dann in der Resolute Support-Mission der Nato: Zunächst als Panzergrenadierbataillon, dann als Jägerregiment und später als Jägerbataillon war die Einheit aus der Knüll-Kaserne über 16 Jahre regelmäßig im Norden Afghanistans im Einsatz gewesen.
Erst in der ISAF-, dann in der Resolute Support-Mission der Nato: Zunächst als Panzergrenadierbataillon, dann als Jägerregiment und später als Jägerbataillon war die Einheit aus der Knüll-Kaserne über 16 Jahre regelmäßig im Norden Afghanistans im Einsatz gewesen. © Bundeswehr
Die Schwarzenbörner Soldaten waren unter anderem im Camp Marmal bei Mazar-I-Scharif, OP North bei Baghlan und im Feldlager Kundus stationiert.
Die Schwarzenbörner Soldaten waren unter anderem im Camp Marmal bei Mazar-I-Scharif, OP North bei Baghlan und im Feldlager Kundus stationiert. © Bundeswehr
Einfaches Lagerleben: Zwischen vier und sieben Monate dauerten die Einsätze für die Soldaten.
Einfaches Lagerleben: Zwischen vier und sieben Monate dauerten die Einsätze für die Soldaten. © Bundeswehr

Unterstützung erhält Pistorius dagegen aus den Reihen der Opposition. Die CDU unter Parteichef Friedrich Merz hatte zuletzt zur schrittweisen Rückkehr zur Wehrpflicht gestimmt. Mit einer klaren Mehrheit sprachen sich die Delegierten auf dem Bundesparteitag im Mai für einen entsprechenden Plan aus – auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg. „Wir werden die Aussetzung der Wehrpflicht schrittweise zurücknehmen und die Wehrpflicht in ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr überführen“, heißt es dazu in einem Beschluss.

Personalmangel bei der Bundeswehr – Pistorius will Kriegstüchtigkeit „bis 2029“

Einem Bericht des Spiegels zufolge sei der Personalmangel bei der Bundeswehr größer als bislang angenommen. In einem vertraulichen Papier, das der Nachrichtenseite vorliegt, werde ein Bedarf von 75.000 Soldaten genannt. Womöglich will Pistorius diese Lücke mit dem neuen Vorstoß bei der Wehrpflicht füllen. Schließlich wolle er mit der Bundeswehr „bis 2029 kriegstüchtig sein“, wie er Anfang Juni im Bundestag erklärte. (dpa)

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