VonLukas Rogallaschließen
Die Ampel-Koalition lenkt in der Debatte um den Wolf ein. Umweltministerin Lemke will deren Abschuss erleichtern – und bald konkrete Pläne vorlegen.
Berlin – Das Thema Wolf hat in Deutschland in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Etwa seit der Jahrtausendwende breitet sich das Tier hierzulande wieder aus. Manchen Landwirten und Jägern ist der Bestand deutlich zu groß. Ihre Forderungen, gegen Wölfe vorzugehen, werden immer lauter.
Nun lenken Bund und Länder offenbar ein. Umweltministerin Steffi Lemke will Abschüsse von Wölfen, die Nutztiere angegriffen haben, nämlich erleichtern. „Wenn Dutzende Schafe gerissen werden und verendet auf der Weide liegen, dann ist das eine Tragödie für jeden Weidetierhalter und eine ganz große Belastung für die Betroffenen“, sagte Lemke der Welt. Ende September wolle sie konkrete Vorschläge vorlegen, teilte die Grüne mit. „Mein Ziel ist klar: Abschüsse von Wölfen nach Rissen müssen schneller und unbürokratischer möglich sein.“ Die betroffenen Weidetierhalter bräuchten zudem „mehr Unterstützung und Sicherheit“.
Ampel will Tötung problematischer Wölfe erleichtern: „Der Wolf muss kapieren“
Auch aus der FDP kommt ein entsprechender Vorstoß, wie die Welt weiter berichtet. Die agrar- und forstpolitischen Sprecher der Liberalen hätten in Bund und Ländern am Wochenende einen Zehn-Punkte-Katalog „für einen zeitgemäßen Umgang mit dem Wolf“ vorgelegt. Darin heißt es demnach, es müssten „die Spielräume der europäischen Gesetzgebung beim Monitoring und Management der Wolfsbestände vollständig genutzt werden, um den Wolfsbestand in Deutschland auf ein ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliches Maß zu reduzieren“.
In einem Positionspapier, das der Welt vorliegt, heißt es, dass das Bundesnaturschutzgesetz so umgestaltet werden müsse, „dass Genehmigungen zur Entnahme schnellstmöglich rechtssicher erteilt werden“ könnten. Gesetzesänderungen sollten auch die Grundlage dafür schaffen, dass in Deutschland ein „europarechtskonformes regional differenziertes Bestandsmanagement“ möglich wird.
Auch Susanne Mittag, Sprecherin der SPD im Bundestag für Ernährung und Landwirtschaft, spricht sich für einen strikteren Umgang mit dem Wolf aus. „Ziel eines effizienteren Wolfsmanagements muss es sein, auffällige Wölfe schneller und zugleich rechtssicher entnehmen zu können“, zitiert die Welt. „Der Wolf muss kapieren: Weidetier? Höchst gefährlich.“ Bereits nach dem ersten Angriff auf Nutztiere, sollten Wölfe also zum Abschuss freigegeben werden, fordert sie. Entsprechend schnell sollen die DNA-Nachweise erfolgen. Auch die CDU-Bundestagsfraktion drängt auf Maßnahmen.
Weil (SPD) zum Streitthema Wolf: EU-Regeln „blockieren“ Lösungen
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will sich auf EU-Ebene für Erleichterungen bei der Jagd nach Wölfen einsetzen. Er sprach sich für die Ermöglichung schneller Intervention bei „deutlichen Nutzungskonflikten“ aus. „Unser Ziel ist es, in Brüssel darauf hinzuweisen, dass die europäischen Regeln nicht so starr sein dürfen, dass sie die dringend notwendigen regionalen Lösungen blockieren“, sagte er der Welt. In Regionen „mit übermäßigen Wolfspopulationen muss es möglich sein, lokal sehr zielgerichtet und sehr schnell zu intervenieren“. Die Ampel-Koalition müsse „ein effektives Wolfsmanagement zeitnah ohne allzu große Hürden“ möglich machen.
Der Wolf in Deutschland
In ganz Deutschland lebten nach aktuellen Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW, Stand 25.11.2022) im Monitoringjahr 2021/2022 insgesamt 161 bestätigte Rudel, 43 Paare und 21 territoriale Einzeltiere. Um wie viele der geschützten Tiere es sich genau handelt, ist nicht klar. Die meisten Wölfe leben jedoch in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Totfunde angestiegen. Im Monitoringjahr 2020/2021 waren es noch 138 tote Tiere, so sind nun 148 Totfunde gemeldet worden, davon 102 nach Verkehrsunfällen, aber auch durch illegale Tötungen.
Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV)
Weils Bundesland gilt als Wolfsland. Erst vor wenigen Tagen waren auf einer Weide in Niedersachsen 55 tote Schafe gefunden worden. Ein oder mehrere Wölfe sollen für den Angriff verantwortlich sein. Und im Juli tötete ein Wolf zehn Schafe im Landkreis Uelzen. (lrg/afp/epd)
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