Trendwende?

Experte hat Vermutung, warum es in Deutschland weniger Scheidungen gibt

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Seit 2012 sinkt die Zahl der Paare, die sich scheiden lassen. Warum ist das so? BuzzFeed News fragt bei einem Familienökonom nach.

Dass die Zahl der Scheidungen in Deutschland 2022 trotz mehr Eheschließungen erneut zurückgegangen ist, liegt laut Wido Geis-Thöne an mehreren Faktoren. Ein bedeutender davon seien die Nachwirkungen der Corona-Pandemie. „So wurden im Jahr 2022 viele bereits für die Vorjahre geplante Ehen nachgeholt. Gleichzeitig haben die Lockdowns im Jahr 2021 auch eine Trennung erschwert“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.

Geis-Thöne ist Ökonom für Familienpolitik und Migrationsfragen beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Viele Ehepaare, die ansonsten auseinandergegangen wären, hätten auch im Jahr 2021 noch lieber abgewartet und sich nicht getrennt, vermutet er. Weil eine Scheidung einen gewissen Vorlauf brauche, wirke sich dies auf die Scheidungsstatistik 2022 aus, vermutet er.

Doch die Corona-Pandemie sei nicht der einzige Grund, warum Scheidungsanwält:innen (die wissen, warum Beziehungen scheitern) weniger und Hochzeitsplaner:innen mehr zu tun haben, so der Experte und verweist im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland auf zwei weitere Faktoren.

In Deutschland sind die Scheidungen seit einigen Jahren rückläufig. Ist das eine Trendwende? (Symbolbild)

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Weniger Scheidungen: Experte sieht „Trendwende beim Heiraten“

Rund 137.400 Ehen wurden 2022 durch einen richterlichen Beschluss getrennt. Das sind 3,8 Prozent weniger als 2021, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch, 28. Juni 2023, in Wiesbaden mitteilt. Damit sei die Zahl der Scheidungen mit Ausnahme des Jahres 2019 seit 2012 kontinuierlich gesunken. Zugleich stieg den Angaben zufolge die Zahl der Eheschließung im vergangenen Jahr deutlich um 9,2 Prozent auf rund 391.000 – nachdem sie im Jahr 2021 coronabedingt auf einen Tiefststand gefallen war.

Geis-Thöne sieht jedoch auch eine „allgemeinere Entwicklung zurück zur Ehe“. In einem Text zu diesem Thema spricht er gar von einer „Trendwende beim Heiraten“. Während die Ehe vor ein paar Jahren noch für die unter 30-Jährigen die geringste Bedeutung hatte, seien es heute die 40- bis 49-Jährigen. Heiraten liegt also wieder im Trend, egal ob als Elopement-Hochzeit oder ganz normal.

Aber warum ist das so? Darauf gebe es keine eindeutige Antwort, so Geis-Thöne. Viel mehr seien es viele Faktoren, die zu einer Rückbesinnung auf die Ehe führten. Einer davon sei der größere Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, aber auch das „stärkere Austesten von Partnerschaften vor der Eheschließung“.

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(Mit Material der dpa)

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