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Afrika nach Prigoschin: Eine echte Chance für den Westen

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Ein Mann präsentiert auf dem Dach seines Hauses in Bamako, der Hauptstadt Malis, stolz die russische und die äthiopische Flagge. (Archivfoto)
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Trotz Moskaus bester Versuche, das Geschehen zu kontrollieren, besteht in der Region ein Machtvakuum - und die Notwendigkeit, Allianzen zu überdenken.

Die dramatische Eskalation zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem Leiter der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, im Juni hat deutlich gemacht, wie problematisch es ist, sich zu sehr auf ein unberechenbares Unternehmen zu verlassen. Über Nacht schienen Wagners Partnerländer in Afrika einem rätselhaften Machtspiel innerhalb des Kremls ausgeliefert zu sein.

Die Aktivitäten von Wagner in Afrika zeichnen ein beunruhigendes Bild. Seit 2017 hat die Gruppe ihren afrikanischen Fußabdruck vergrößert. Das Ausmaß der Wagner-Präsenz auf dem Kontinent ist zwar unklar und undurchsichtig, aber es wird geschätzt, dass es in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) rund 2000 offizielle „Ausbilder“ gibt, in Libyen bis zu 1200 und in Mali 1000 - obwohl Experten weithin darin übereinstimmen, dass diese Zahlen untertrieben sind. In Ländern wie der ZAR, dem Sudan, Libyen und Mali bietet Wagner politische Unterstützung und Sicherheitsgarantien im Austausch für lukrative Bergbaukonzessionen und einen geopolitischen Puffer für Russland.

Während die afrikanischen Staats- und Regierungschefs darauf warten, die neuen Fakten ihrer Partnerschaft mit Russland nach dem Putschversuch zu erfahren, bleiben Einfluss und Profit von Wagner in Afrika für den Kreml strategisch von unschätzbarem Wert. Sowohl Sergej Lawrow, der russische Außenminister, als auch Prigoschin haben den afrikanischen Führern öffentlich versichert, dass Russland dort bleiben wird. Doch trotz Moskaus bester Versuche, das Geschehen zu kontrollieren, besteht in der Region ein Machtvakuum.

Sorge vor Instabilität: Risiken für afrikanische Länder

Den Ländern, die erwägen, das russische Militär, Wagner oder eine ähnliche paramilitärische Gruppe in ihr Land einzuladen, sollten die jüngsten Ereignisse als rechtzeitige Warnung dienen. Die Instabilität innerhalb Russlands und die unklare Zukunft von Wagner zeigen die Gefahren eines übermäßigen Vertrauens in einen unberechenbaren und nicht rechenschaftspflichtigen Partner auf. Dies ist eine einmalige Gelegenheit für afrikanische Führer, ihre globalen Partnerschaften zu diversifizieren - und für westliche Regierungen, sich zu engagieren.

Putin hat eine kritische Entscheidung über die Zukunft von Wagner getroffen, indem er sich dafür entschied, das Unternehmen nicht umzubenennen, sondern es in die staatliche Infrastruktur zu integrieren, um es besser kontrollieren und vorhersehen zu können. Wagner hat jedoch deutlich gemacht, dass es weiterhin aktiv bleiben will, sodass der Kreml keine andere Wahl hat, als die Gruppe genau im Auge zu behalten und ihr vielleicht weniger Autonomie zu gewähren, aber dennoch eine reibungslose Fortsetzung der Operationen in Afrika zu ermöglichen.

Gleichzeitig wirft die Integration von Wagner in den Staatsapparat Fragen zum militärischen Zusammenhalt und zu den Auswirkungen der ausländischen Militärpräsenz in Afrika auf. Die malische Regierung hat beispielsweise erklärt, dass sie keine ausländische Militärpräsenz auf ihrem Boden hat.

Wenn die Verträge des russischen Militärs nicht mit den günstigen Bedingungen Wagners übereinstimmen, besteht außerdem die Gefahr, dass sich die Söldner anderen privaten Unternehmen anschließen, was zu kleineren konkurrierenden Gruppen führen könnte, die ohne wirksame Kontrolle durch Moskau um die Kontrolle in Afrika ringen.

Es besteht auch die Gefahr, dass die Nachfrage nach anderen Söldnergruppen in der Region steigt, wie z. B. Academi (ehemals Blackwater) aus den USA, die Dyck Advisory Group (DAG) aus Südafrika oder eine Ausweitung halbautonomer Söldnergruppen, die mit Peking in Verbindung stehen und mit dem Ausbau der Neuen Seidenstraße immer präsenter werden.

Die afrikanischen Länder sollten mit Vorsicht vorgehen, denn kurzfristige Abkommen mit instabilen Gruppen wie Wagner können zu längerfristigen Folgen wie dem Rückfall in die Demokratie und der Aufrechterhaltung einer ausgrenzenden Wirtschaftstätigkeit führen, die kein nachhaltiges, diversifiziertes und integratives Wirtschaftswachstum hervorbringt. Beides kann Vorläufer für eine größere Instabilität sein.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Afrika und der Westen: Grundlegend neue Verhältnisse

Das Überdenken von Partnerschaften mit risikobehafteten Organisationen allein reicht jedoch nicht aus, um das Sicherheitsvakuum in vielen dieser Länder zu schließen. Die Alternativen können begrenzt sein, und wo sie zur Verfügung stehen, bieten westliche Regierungen weder ein ermächtigendes noch ein besonders reaktionsfreudiges Modell an, das die komplexen politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Region auf den Punkt bringt. Eine entscheidende fehlende Komponente ist eine glaubwürdige Strategie zur Bekämpfung der gewalttätigen extremistischen Akteure, die verheerende Bewegungen gegen afrikanische Gesellschaften und Staaten anführen.

Wenn die westliche Forderung darin besteht, dass die afrikanischen Staaten über die Verlockung vorübergehender Lösungen hinausblicken und Partnerschaften eingehen, die Stabilität, Wirtschaftswachstum und die Stärkung ihrer Völker in den Vordergrund stellen, muss eine mutige und pragmatische Alternative von einer Koalition von Partnern angeboten werden. Dazu gehören notwendigerweise die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, die Europäische Union und sogar aufstrebende geopolitische Akteure wie Japan und Indien. Ein solches Angebot wird auch berücksichtigen müssen, dass einige Regierungen, wie die in Mali, sich als Gegenspieler der Kolonialmächte darstellen und diskrete Diplomatie erfordern, um sie zu umgehen.

Mit dem Entstehen einer multipolaren Weltordnung bietet sich den afrikanischen Staats- und Regierungschefs eine neue Gelegenheit, ihre Partnerschaften zu diversifizieren. Die Zeiten der Sicherheitsgaranten sind vorbei, und die Exklusivität, die westliche Führer einst beim Schmieden von Sicherheitsallianzen und in der Diplomatie erwarteten, muss möglicherweise neu gestaltet werden, um den wachsenden Interessen der afrikanischen Nationen am besten gerecht zu werden.

Afrika nach Prigoschin: Es ergeben sich Chancen für den Westen

Während afrikanische Staaten wie Mali und die Zentralafrikanische Republik weiterhin besorgt sind, sind andere Länder wie Burkina Faso und in gewissem Maße auch der Sudan offen für eine erneute Zusammenarbeit mit dem Westen. Obwohl in letzter Zeit keine diplomatischen Besuche oder bilateralen Gespräche bekannt geworden sind, sind in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou weiterhin mehrere westliche Botschaften geöffnet, was auf die Möglichkeit des Aufbaus von Partnerschaften zum gegenseitigen Nutzen hindeutet.

Die Grundlage eines neuen Partnerschaftsmodells muss zunächst auf gegenseitigem Nutzen und einer Politik der Nichteinmischung beruhen. Dem muss ein diplomatisches Engagement vorausgehen, das engere Beziehungen fördert und sowohl die Bedürfnisse als auch die Bestrebungen der afrikanischen Nationen berücksichtigt. Ein bilateraler Dialog und erweiterte diplomatische Kanäle können dazu beitragen, die erste Herausforderung zu meistern, indem sie den Regierungen eine Ausstiegsstrategie aus der Abhängigkeit von Russland oder anderen privaten Militäreinrichtungen bieten.

Zweitens sollten die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Investitionen in Schlüsselsektoren von gemeinsamem Interesse gefördert werden, wobei der Schwerpunkt auf Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft, Technologie und vor allem auf der menschlichen Entwicklung liegen sollte. Das Angebot attraktiver Handels- und Investitionsanreize, die Bereitstellung von technischem Fachwissen und die Erleichterung von Geschäftspartnerschaften können dazu beitragen, nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen zu schaffen.

Dabei ist es entscheidend, die komparativen Vorteile des Westens zu nutzen. Dazu gehört, dass man ein Tor zum Handel mit lukrativen Märkten in den USA und der EU bietet. Darüber hinaus sollten die westlichen Partner überlegen, wie sie die afrikanischen Länder bei der Entwicklung von Produktionskapazitäten für natürliche Ressourcen unterstützen können, indem sie in Prozesse wie die Aufbereitung investieren, die es ihnen ermöglichen, in der Wertschöpfungskette aufzusteigen.

Ein dritter Bereich sind gezielte Programme zum Aufbau von Kapazitäten. Das Wagner-Modell bietet politischen Führern, die sich von demokratischen Idealen entfernen - wie Khalifa Haftar in Libyen und Oberst Assimi Goïta in Mali - politisches Fachwissen zur Aufrechterhaltung des Regimes, doch in Wirklichkeit ist dauerhafte Stabilität das Ergebnis fähiger und reaktionsfähiger Institutionen.

Hier kann der Westen Programme zum Aufbau von Kapazitäten anbieten, um den afrikanischen Ländern zu helfen, die wichtigsten Herausforderungen unabhängig zu bewältigen. Dies kann die Unterstützung von Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung, institutionelle Entwicklung und nachhaltige Entwicklung umfassen, die auf die Prioritäten der afrikanischen Länder abgestimmt sind.

Der Westen genießt immer noch Wohlwollen der Menschen in Afrika

Schließlich muss ein neues Partnerschaftsmodell darauf abzielen, das Wohlwollen der afrikanischen Gesellschaften gegenüber dem Westen zu nutzen. Das Afrobarometer, eine landesweit repräsentative Meinungsumfrage, ergab, dass in Burkina Faso mehr als 70 Prozent der Befragten den Einfluss der Vereinigten Staaten als positiv ansehen, während 55 Prozent dasselbe über Russland sagen. Selbst in Mali wurde der Einfluss der USA vor dem jüngsten Staatsstreich von 60 Prozent der Befragten als positiv eingeschätzt.

Um das Erbe der russischen Soft Power zu bekämpfen, das unweigerlich über die Präsenz des Landes in afrikanischen Ländern hinaus bestehen bleiben wird, muss in die öffentliche Diplomatie und den Austausch zwischen den Menschen investiert werden. Dazu können Stipendien, kulturelle Veranstaltungen, Medien (einschließlich vertrauenswürdiger Nachrichtenquellen, die Desinformation bekämpfen können, wie der BBC World Service) und Plattformen für lokale Bildung gehören, die sowohl digital als auch persönlich zugänglich sind.

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Die ZAR bietet ein fortschrittliches Beispiel für die Herausforderung der russischen Soft Power, wo der Erfolg auf dem Schlachtfeld das Narrativ genährt hat, dass russische Waffen die Hauptstadt und ihre Bevölkerung schützen. Mitte 2021 wurde ein russischer Kriegsfilm, Tourist, der Wagner als Retter der ZAR verherrlicht, in einem ausverkauften Stadion in Bangui gezeigt. Im November 2021 wurde vor der Universität von Bangui ein russisches Denkmal errichtet, das zwei Soldaten der nationalen Armee zeigt, die neben Truppen der russischen Streitkräfte stehen und die Zivilbevölkerung im Kampf gegen die militanten Rebellen der Koalition der Patrioten für den Wandel schützen.

Dieser pro-russische Diskurs füllt nicht nur das Vakuum des schwindenden französischen Einflusses im Land aus, sondern erobert auch den Verbrauchermarkt, indem eine russische Wodka-Marke das französische Mocaf-Bier als Verbraucherliebling ablöst. Auch wenn die Anwesenheit von Wagner und seinen Ausbildern nur vorübergehend zu sein scheint, kann das Erbe der Soft Power nur durch beharrliche öffentliche Diplomatie rückgängig gemacht werden.

Präsenz in Afrika: Die Wagner-Gruppe muss bekämpft werden

Die People-to-People-Politik sollte auch der Stärkung lokaler Initiativen zur Friedenskonsolidierung Vorrang einräumen, die die Vorbereitung der Gemeinschaften auf das Leben nach dem Konflikt fördern. Obwohl der NUSAF (Northern Uganda Social Action Fund), der von der Weltbank, Großbritannien und Japan unterstützt wird, für seine langsamen Fortschritte kritisiert wird, bietet er einen nützlichen Rahmen. Der NUSAF zielt darauf ab, die Bedürfnisse der Gemeinden zu erfüllen, die von der verheerenden Kampagne der Lord‘s Resistance Army betroffen sind, indem er von den Gemeinden geleitete Entwicklungsprojekte unterstützt und bereits bestehende Friedensinitiativen und lokale Institutionen stärkt.

Indem das NUSAF dem Engagement und der Eigenverantwortung der Gemeinschaften Vorrang einräumt und sich dabei von einer Politik des Dialogs zwischen den Menschen leiten lässt, legt es den Grundstein für die Vorbereitung auf die Zeit nach dem Konflikt und für eine erweiterte Einbeziehung - ein Eckpfeiler der nachhaltigen Entwicklung.

Natürlich müssen in Ländern, in denen Wagner stark vertreten ist, erhebliche Sicherheitsbedrohungen, einschließlich derer, die von gewalttätigen Extremisten ausgehen, bekämpft werden. Die Unterstützung der Widerstandsfähigkeit und des Zusammenhalts von Gemeinschaften ist bei der Bewältigung dieser Herausforderungen von entscheidender Bedeutung. Der Blickwinkel der Friedenskonsolidierung und der Übergangsjustiz kann einen wertvollen Rahmen für diese Bemühungen bieten, insbesondere wenn es darum geht, die wirtschaftliche Ungerechtigkeit zu bekämpfen, die so oft die Ursache für die extremistische Bedrohung in Afrika ist.

Jetzt ist ein günstiger Moment für den Westen, eine verlässlichere, stabilere und für beide Seiten vorteilhafte Alternative zu Bündnissen mit Russland zu präsentieren. Gleichzeitig müssen die afrikanischen Staats- und Regierungschefs diese Chance erkennen, denn in ihren Entscheidungen liegt das Potenzial, einen positiven Kurs für eine nachhaltige Entwicklung einzuschlagen.

Zum Autor

Jaynisha Patel arbeitet in der geopolitischen Abteilung des Tony Blair Instituts. Ihr Schwerpunkt liegt auf Frieden, Sicherheit und Außenpolitik in Afrika. Twitter (X): @jayni_sha

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Dieser Artikel war zuerst am 23. August 2023 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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