VonPeter Siebenschließen
Die AfD biedert sich an die MAGA-Bewegung an, kopiert Strategien. Die Trump-Anhänger versprechen sich davon auch einiges, so ein Politikexperte.
Berlin – Vier Buchstaben als Vorbild: MAGA ist das große neue Ding bei der AfD. Die in Teilen rechtsextreme Partei schaut sich bei der „Make America Great Again“-Bewegung in den USA einiges ab. Das konnte man schon vor ein paar Monaten in Düsseldorf gut beobachten, wo die nordrhein-westfälische AfD vor dem Landtag zur „Prove me wrong“-Aktion geladen hatte – ein Abklatsch der Aktionen des erschossenen US-Rechtspopulisten Charlie Kirk.
Derweil reisen AfD-Bundestagsabgeordnete regelmäßig in die USA, suchen die Nähe zum Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Im September etwa war die AfD-Politikern Beatrix von Storch mit dem einstigen Ludwigshafener Oberbürgermeister-Kandidaten ihrer Partei, der wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue nicht zur Wahl zugelassen worden war, in die USA geflogen. Die beiden trafen sich dort mit Mitarbeitern von US-Vizepräsident JD Vance, verbreiteten das Narrativ, in Deutschland gebe es keine echte Meinungsfreiheit mehr.
Zuletzt waren Trump-Treue auch zu Gast in Berlin – und am Mittwochabend kam Trump-Berater Alex Buesewitz in die Hauptstadt, auf Einladung von AfD-Politikerin von Storch. Der 28-Jährige gilt als Social-Media-Experte, kümmert sich um Trumps Auftritte auf Plattformen wie Tiktok oder X – und wetterte bei der AfD nun gemeinsam mit von Storch gegen „Woke“ und „Linke“.
AfD biedert sich bei MAGA an: „Trump soll zum Deal Maker werden“
Sowohl für MAGA-Mann Buesewitz als auch für die AfD war es ein gelungener Abend. Für beide Fraktionen ist die Zusammenarbeit wichtig – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, wie Politologe Johannes Hillje erklärt. „AfD und MAGA-Bewegung kooperieren aus jeweils unterschiedlichen Interessen miteinander“, so Hillje im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Für die Trump-Regierung sei die AfD ein Werkzeug, um in Europa gegen die Regulierung von US-Techkonzernen vorzugehen. „Digitalplattformen sind für Trump nicht nur ein innenpolitisches, sondern auch außenpolitisches Instrument. Die Destabilisierung demokratischer Öffentlichkeiten, das Untergraben von Vertrauen durch Plattformen und Influencer aus den USA, folgt der Logik hybrider Angriffe“, so Hillje.
Auf der anderen Seite hoffe die AfD, dass die Trump-Administration als ihre Schutzmacht auftrete. „Trump soll in Verhandlungen mit der Bundesregierung Druck ausüben, um Maßnahmen wie ein Parteiverbotsverfahren oder andere Instrumente der wehrhaften Demokratie zu verhindern, so der Berliner Politikexperte. „Trump soll zum Deal Maker der AfD werden. Auch als Botschafter gegen die Brandmauer soll die MAGA-Bewegung der AfD dienen.“
MAGA und AfD ähneln sich in ihren Zielen und Strategien. Beide versuchen den Kulturkampf auf die Spitze zu treiben, Politik auf die beiden Pole ganz rechts und ganz links zu reduzieren. Diesem Projekt ist in einem Strategiepapier der Partei ein ganzes Kapitel mit der Überschrift „Brandmauer stürzen: lagerübergreifende Koalitionen verhindern“ gewidmet. In die Tat umgesetzt hat die AfD das im Sommer: rechtsextreme Medien und zahlreiche AfD-Funktionäre wetterten gegen Frauke Brosius-Gersdorf, die zur Wahl als Verfassungsrichterin stand. Die Juristin sei eine „Abtreibungsfanatikerin“, hieß es in den Behauptungen, die zwar nicht haltbar waren, aber dennoch nun einmal in der Welt. Viele Unions-Abgeordnete stimmten später gegen Brosius-Gersdorf, was die schwarz-rote Koalition ziemlich ins Taumeln brachte – und die AfD feixte. (Quellen: Eigene Recherchen, Gespräch mit Politikexperte Johannes Hillje, dpa)
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