Bezalel Smotrich

Netanjahus Finanzminister will zerbombten Gazastreifen mit Israelis wiederbesiedeln

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Israels rechts-religiöser Finanzminister fordert, die „freiwillige Auswanderung“ von Palästinenserinnen und Palästinensern aus dem Gazastreifen.

Tel-Aviv/Gaza – Israels Finanzminister Bezalel Smotrich fordert eine Wiederansiedlung von Israelis im Gazastreifen nach Ende des Krieges zwischen Israel und der Hamas. Israel solle die Wiederbelebung von zivilen Siedlungen im Gazastreifen als Teil seiner Pläne für die Enklave diskutieren, sobald die Hamas-Herrschaft gestürzt ist, sagte er am Samstagabend dem israelischen Sender Channel 12 News.

„Ich bin dafür, die Realität im Gazastreifen komplett zu ändern und eine Diskussion über die Siedlungen dort zu führen“, zitiert die Times of Israel Smotrich. Israel forderte er auf, die „freiwillige Auswanderung“ der Palästinenserinnen und Palästinenser aus dem Gebiet zu fördern.

Smotrich, Vorsitzender der rechtsgerichteten Partei des religiösen Zionismus (HaTzionut HaDatit), behauptete außerdem, die im Gazastreifen lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser wollten das Gebiet ohnehin auf eigenen Wunsch verlassen. 

Smotrich betont internationale Rückendeckung Israels

Israels rechts-religiöser Finanzminister wiederholte außerdem ein Zitat, das er bereits 2015 in einem Interview geäußert hatte, und dem er noch immer zustimme: „Im Spiel der Delegitimierung ist die Palästinensische Autonomiebehörde eine Last und die Hamas ein Zugewinn“.

Hierfür wurde Smotrich von mehreren Seiten stark kritisiert. Das Zitat so auszulegen, als meine er damit, die Hamas sei positiv für Israel, wäre aber einer absichtlichen Fehlinterpretation seitens seiner Kritiker geschuldet. Der Ausschnitt des Interviews, das am 7. Oktober 2015 geführt wurde, kursiert seit dem Ausbruch des Krieges immer wieder in den sozialen Medien, so auch auf der Plattform X (ehemals Twitter).

„Ich bekenne mich zu jedem Wort“, sagte Smotrich und betonte, Israel habe aktuell die internationale Rückendeckung, die es braucht, um gegen die Hamas vorzugehen. Und dies „erst recht infolge der Gräueltaten vom 7. Oktober“, fügte er an. Das gelte auch weiterhin, selbst wenn die Regierung Biden immer noch darauf drängen sollte, Geld an Palästina zu überweisen.

Israels Finanzminister fürchtet, Geld an Palästina könnte der Hamas zugutekommen

Smotrich selbst dagegen bekräftigte im Interview seine Weigerung, Steuerzahlungen an die Palästinensische Autonomiebehörde zu überweisen. Als Grund dafür nannte er die Befürchtung, das Geld könne nach Gaza fließen und dort der Hamas im Krieg gegen Israel nutzen.

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„Nicht ein einziger Schekel wird nach Gaza überwiesen werden“, sagte er. Außerdem sei er von Beginn an gegen die Einfuhr von Treibstoff nach Palästina gewesen. Der Treibstoff sei Energie für den Terrorismus und die Tunnelsysteme der Hamas. „Es geschieht, und es ist schlimm – aber ich allein bin nicht für diese Regierung verantwortlich“, fügte Smotrich hinzu.

Ägypten und Jordanien lehnen die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Gazastreifen nach wie vor ab. Grund ist die Sorge vor einer Massenflucht von Palästinenserinnen und Palästinensern aus dem Gebiet. Es hat abr auch mit der Befürchtung zu tun, dass daraus am Ende eine dauerhafte Vertreibung werden könnte.

Ausmaß der Zerstörung nach wochenlangem Kriegsgeschehen im Gazastreifen enorm

Smotrich verfolgt die Idee eines „Großisraels“, etwa durch eine potenzielle Annexion des Westjordanlands. Die USA sind klar gegen eine Wiederbesetzung des Gazastreifens durch Israel. Auch eine Zwangsvertreibung der etwa 2,2 Millionen dort lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser lehnen sie vehement ab.

Nach fast drei Monaten des Krieges ist das Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen enorm: Fast 70 Prozent der 439.000 Häuser und Wohnungen seien beschädigt oder ganz zerstört. Auch eine Industriezone im Norden des Gebiets sei inzwischen fast vollständig zerstört, hieß es unter Berufung auf eine Analyse der Weltbank.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Allein bis Mitte Dezember habe das israelische Militär 29.000 Bomben auf den Gazastreifen abgeworfen, wie das Wall Street Journal am Samstag berichtete – dabei berief es sich auf Daten der US-Geheimdienstbehörde, dem US Office of the Director of National Intelligence (ODNI). (Fabian Hartmann)

Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo

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