Linken-Parteitag in Chemnitz

Linken-Parteitag: „Die AfD organisiert den Hass, wir die Hoffnung“

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Die Linke ist gut gelaunt: Jan van Aken, Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Bodo Ramelow (von links nach rechts) stehen zum Auftakt des Bundesparteitages der Partei Die Linke in Chemnitz zusammen.
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In Chemnitz geht der Parteitag der Linken weiter. Die Partei debattiert nach ihrem Wahlerfolg über ihre politische Ausrichtung und würdigt Margot Friedländer.

Chemitz „Die AfD organisiert den Hass. Aber wir als Linke, wir organisieren die Hoffnung“, diese Worte von Heidi Reichinnek, Fraktionschefin der Linken, sollen richtungsweisend sein für die Partei, die sich seit Freitag (9. Mai) zum Bundesparteitag in Chemnitz trifft. Thema war zunächst der Wahlerfolg bei der Bundestagswahl, wo die Linke unerwartet 8,8 Prozent der Wähler:innen auf sich vereinigen konnte. Doch dabei soll es nicht bleiben, entsprechend wird über die künftige Ausrichtung debattiert.

Zurück sei man, rief Reichinnek den Anwesenden zu, und weiter: „Wir haben das geschafft, woran fast niemand geglaubt hat.“ Es sei „so ein verdammt gutes Gefühl, endlich mal wieder gewonnen zu haben“. Ko-Parteichef Jan van Aken sprach denn auch von einer „unfassbaren Stimmung“ im Wahlkampf und Ko-Vorsitzende Ines Schwerdtner verwies darauf, „unendlich viel gewonnen“ zu haben - vor allem Vertrauen und Schlagkraft. Tatsächlich kann die Linke 112.000 Mitglieder verzeichnen, wobei 55.000 seit Anfang 2025 eingetreten sind.

Linken-Parteitag in Chemnitz würdigt Margot Friedländer

Am Samstagvormittag wurde der Bundesparteitag fortgesetzt und zunächst der verstorbenen Margot Friedländer gedacht. Die Holocaust-Überlebende habe die Schrecken des Nationalsozialismus und des faschistischen Mordens in ihrer eigenen Familie erlebt, sagte der Berliner Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser. Friedländer habe „bis zum letzten Atemzug dafür gekämpft, dass das, was sie erlebt hat, nicht vergessen wird“.

Der Linken-Parteitag würdigte Margot Friedländer mit einem Schweigemoment.

Das Vermächtnis von Margot Friedländer werden wir ehren und den Auftrag, den sie sich gegeben hat, weiter pflegen, und das Erlebte, die Schrecken der Nazi-Barbarei, auch den weiteren, den kommenden Generationen nahebringen, um dafür zu sorgen, dass das nie wieder geschieht“, sagte Meiser. Die mehr als 500 Delegierten erhoben sich zu einem Schweigemoment.

Linke mit Motto in Chemnitz: „Wir sind die Hoffnung“

Im Laufe des Samstags stehen Reden von van Aken und dem Ko-Fraktionschef Sören Pellmann auf dem Programm. Bereits am Freitagabend konnte der Leitantrag des Parteivorstands mit wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen verabschiedet werden, der auf die politische Richtung verweist. Laut Antrag mit dem Titel „Wir sind die Hoffnung“ soll die Linke „die wirksame soziale Opposition“ sein, die sich gegen zunehmende Armut und Ungleichheit, Kürzungen im Sozialbereich, Aufrüstung sowie einen Rechtsruck richtet.

Partei­vorsitzendeInes Schwerdtner, Jan van Aken
Gründung16. Juni 2007
Gründungs­ortBerlin
Parteinahe StiftungRosa-Luxemburg-Stiftung
Mitgliederzahl (9. Mai 2025)112.000
Frauenanteil (11. Februar 2025)42 Prozent

Wie das wirtschaftlich umgesetzt werden soll, erklärte Heidi Reichinnek: „Ja, wir wollen ein Wirtschaftssystem abschaffen, in dem die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer.“ „Wir müssen diese Form der Wirtschaft attackieren, angreifen und letztlich überwinden“, pflichtete Bodo Ramelow bei. Der ehemalige Ministerpräsident Thüringens gewann für die Linke bei der Bundestagswahl eines von sechs Direktmandaten und ist seitdem Vizepräsident des Parlaments.

OB Schulz (SPD) mit Grußwort bei Linken-Parteitag

Zunächst hielt der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) ein Grußwort und dankte der Partei für die Wahl der diesjährigen Kulturhauptstadt als Austragungsort des Treffens. Die Stadt habe eine „lange industrielle Tradition“ und die Linke würdige mit der Wahl von Chemnitz auch Menschen, „die sich durch ehrliche und harte Arbeit auszeichnen“, sagte Schulze. Damit zeige sich auch, „dass der Osten nicht braun ist und nicht rechts ist“. Er schloss mit den Worten: „Der Feind steht nicht im linken Lager. Der Feind steht woanders.“ (mit afp)

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