VonJens Kiffmeierschließen
Jekaterina Jaluninaschließen
Am letzten Tag seiner China-Reise wird Kanzler Scholz von Präsident Xi empfangen. Der findet zum Auftakt des Gesprächs warme Worte. Scholz wird konkreter.
Update vom 16. April, 9.40 Uhr: Der für Wirtschaftspolitik zuständige Unionsfraktionsvize Jens Spahn hat Kanzler Olaf Scholz (SPD) vorgeworfen, keine klare Strategie zum Umgang mit China zu haben. „Wir können dieser Ampel und diesem Kanzler die China-Politik nicht guten Gewissens überlassen“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Rande einer fünftägigen China-Reise.
Während Scholz seinen dreitägigen Besuch an diesem Dienstag in Peking beendet, hatte Spahn seinen China-Aufenthalt am Montag begonnen. Er will mit Vertretern von Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft sprechen und neben Peking auch die ostchinesische Küstenstadt Qingdao besuchen.
„Die deutsche Wirtschaftskrise wird in China genau beobachtet. China nimmt uns ernst, weil wir wirtschaftlich stark sind“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Die Stimme eines Kanzlers im Abschwung verliert Gewicht.“ Nie seien die Bedingungen für den Industriestandort Deutschland so schlecht wie aktuell gewesen. Deswegen sei dringend eine Wirtschaftswende nötig. „Souveränität entsteht aus eigener Stärke, nicht aus Abgrenzung und Abkopplung“, kritisierte der CDU-Politiker mit Blick auf Scholz.
Kanzler besucht China: Scholz ruft Xi zu „gerechtem Frieden“ in der Ukraine
Update vom 16. April, 8.45 Uhr: Der chinesische Präsident Xi Jinping hat zu Beginn seines Treffens mit Kanzler Olaf Scholz für eine enge Zusammenarbeit beider Länder geworben. „Gemeinsam können wir der Erde mehr Stabilität und Sicherheit einhauchen“, sagte Xi laut offizieller Übersetzung. „Solange man an den Prinzipien des gegenseitigen Respekts, der Suche nach Gemeinsamkeiten trotz Differenzen und des gegenseitigen Lernens festhält, können die bilateralen Beziehungen sich weiterhin stabil entwickeln.“
Xi sagte, dass eine „neue Epoche der Turbulenzen und der Umbrüche“ begonnen habe, in der die Risiken für die gesamte Menschheit zunehmen würden. „Um diese Fragen zu lösen, ist es unabdingbar, dass zwischen den Großmächten die Kooperation die Oberhand gewinnt.“ In diesem Sinne sei eine stabile Zusammenarbeit der großen Volkswirtschaften Deutschland und China wichtig. Sie werde „nicht nur auf dem gesamten eurasischen Kontinent, aber auch auf die ganze Welt großen Einfluss ausüben“.
Scholz wurde konkreter und sprach in einem Statement zu Beginn des Gesprächs drei Themen an: Ukraine-Krieg, Klimaschutz und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er betonte, dass der Ukraine-Krieg und die Aufrüstung Russlands erhebliche negative Auswirkungen auf die Sicherheit in Europa hätten. „Sie beeinträchtigen unsere Kerninteressen unmittelbar. Mittelbar beschädigen sie die gesamte internationale Ordnung, denn sie verletzen einen Grundsatz der Charta der Vereinten Nationen, den Grundsatz der Unverletzlichkeit von Staatsgrenzen.“
Zudem erinnerte Scholz daran, dass er bei seinem letzten China-Besuch zusammen mit Xi deutlich gemacht habe, dass mit dem Einsatz von Nuklearwaffen nicht einmal gedroht werden dürfe. „Gerne möchte ich mit Ihnen heute darüber diskutieren, wie wir mehr zu einem gerechten Frieden in der Ukraine beitragen können.“
China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt




Scholz besucht China: Kanzler gibt Cannabis-Tipps an Universität
Update vom 15. April, 8.50 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bei seinem Besuch in China die Cannabis-Legalisierung in Deutschland verteidigt. Ziel der seit 1. April geltenden Regelung sei, den Cannabis-Konsum zu verringern statt zu vergrößern, indem man ihn aus einer Grauzone heraushole. So beantwortete Scholz an der Tongji Universität in Shanghai die Frage eines jungen Mannes, der ab September in Berlin studieren will und sich besorgt über den Cannabis-Konsum dort zeigte.
Der Student wollte vom Kanzler wissen, was er in Berlin beachten müsse, „wenn ich Cannabis überhaupt nicht probieren will und meine eigene Gesundheit nicht gefährden will.“ Er habe gelesen, dass Studenten in Deutschland jetzt Cannabis in Wohnungen anbauten. In China sei das nicht legal. „Deshalb habe ich große Sorge.“
Scholz sagte, die Antwort sei ganz einfach: „Nicht rauchen.“ Er selbst sei jetzt fast 66 und habe „noch nie Cannabis geraucht“. Dem Eindruck, dass nun alle in Berlin mit Joints herumliefen, trat Scholz entgegen: „Wenn man in Berlin studiert, kann man die ganze Zeit durch die Gegend rennen und trifft niemanden, der so etwas tut.“
Update vom 14. April, 02.25 Uhr: Zum Auftakt seiner dreitägigen China-Reise ist Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntagmorgen in der Megacity Chongqing gelandet, die mit ihren 32 Millionen Einwohnern als bevölkerungsreichste Stadt der Welt gilt. Dort will der SPD-Politiker eine Produktionsstätte von Wasserstoffantrieben der Firma Bosch besuchen, mit Studierenden über Stadtplanung sprechen und den regionalen Parteisekretär Yuan Jiajun treffen.
Wegen des iranischen Luftangriffs auf Israel war bei der Landung des Kanzlers aber unklar, ob es bei dem Programm bleibt. Die Lage im Nahen Osten könnte die Reise auch in den nächsten Tagen beeinträchtigen. Von Chongqing ist am Montag die Weiterreise in die Wirtschaftsmetropole Shanghai geplant. Am Dienstag will der Kanzler in Peking Präsident Xi Jinping treffen.
Scholz reist nach China: Wirtschafts- und Diplomatietreffen in Shanghai und Peking geplant
Erstmeldung: Berlin – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bricht am Samstag (13. April) zu einem dreitägigen Besuch in die Volksrepublik China auf. Erste Station des Kanzlers ist die 33-Milllionen-Einwohner-Metropole Chongqing. Dort ist unter anderem ein Unternehmensbesuch im Bereich Wasserstoff und ein Gespräch mit Studierenden zum Thema Stadtplanung vorgesehen, berichtet die Agence France-Presse.
Am kommenden Montag wird der Bundeskanzler in der Küstenstadt Shanghai erwartet. Dort wird er sich mit Vertretern der Außenhandelskammer treffen und zudem Diskussionen mit Studierenden einer Universität führen. Die Gespräche mit der chinesischen Führung sind für Dienstag in Peking geplant.
Dort ist ein Treffen mit Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang vorgesehen. Während dieser Treffen wird Bundeskanzler Scholz unter anderem die Möglichkeiten erkunden, wie China seinen Einfluss auf Russland nutzen kann, um dem Ukraine-Krieg von Wladimir Putin ein Ende zu setzen.
Grüne und FDP fordern Scholz dazu auf, Konfliktthemen bei China-Reise anzusprechen
Politiker von Grünen und FDP haben Bundeskanzler aufgefordert, bei seiner China-Reise Konfliktthemen anzusprechen. „China nimmt sein Gegenüber nur ernst, wenn man die eigenen Interessen klar und deutlich formuliert und auch zu den eigenen Werten steht“, sagte der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour dem Nachrichtensender ntv. „Ich gehe davon aus, dass Olaf Scholz die harten und strittigen Themen daher auch ansprechen wird.“ Deutschland wolle trotz vieler kritischer Themen weiter mit China zusammenarbeiten. „Streitthemen auszusparen, hilft der Zusammenarbeit nicht“, unterstrich Nouripour weiter.
China-Reise: Russlands Rüstungsindustrie und Haltung zum Ukraine-Krieg
Auf der China-Reise werden Gespräche über Chinas Haltung zum Konflikt in der Ukraine erwartet. Nouripour äußerte Bedenken: „Es darf nicht sein, dass China direkt oder indirekt über Nordkorea und Iran Russlands Rüstungsindustrie unterstützt. Das betrifft auch unsere Sicherheitsinteressen.“ Er wies darauf hin, dass der Bundeskanzler dies klar und deutlich ablehnen müsse. Die chinesische Regierung verfolge mit Russland eigene langfristige Ziele. Peking habe ein Interesse daran, dass Russland zu einer billigen, relativ exklusiven Tankstelle für Öl und Gas wird, sagte Nouripour.
Der Vizevorsitzende der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe und Mitglied der Grünen Boris Mijatovic rief Bundeskanzler Scholz auf, auch das Thema der selbstverwalteten Insel Taiwan anzusprechen. China betrachtet Taiwan als abtrünniges Gebiet. „Der Status Quo in der Straße von Taiwan beschäftigt die Weltöffentlichkeit“, so Mijatovic.
China-Reise: Appell für internationale Ordnung und Menschenrechte
Der Kanzler müsse die Bedeutung der internationalen, regelbasierten Ordnung thematisieren. „Die globale Erwärmung, aber auch aggressive Politik und die Bedrohungen des Weltfriedens fordern zur Zusammenarbeit“, erklärte Mijatovic. Darüber hinaus sei klar, dass die Menschenrechtsverletzungen durch die kommunistische Partei in Xinjiang und Tibet sowie die Entwicklungen in Hongkong vom Bundeskanzler angesprochen werden müssten.
Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) mahnte derweil zur Vorsicht bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit China. Die Kooperation mit China erfordere wegen des anderen Politik- und Wertsystems gerade bei Schlüsseltechnologien eine hohe Sensibilität, sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Der chinesische Staat nutzt die Erkenntnisse aus der Wissenschaft und neue Technologien wie die Künstliche Intelligenz nicht nur zum Wohle seiner Bevölkerung, sondern auch zur Überwachung, Kontrolle und Beeinflussung“, fuhr Stark-Watzinger fort. „Wir dürfen im Umgang mit China nicht naiv sein.“
Sie forderte zudem, die Zusammenarbeit der Bundesrepublik mit Taiwan selbstbewusst zu vertreten. Taiwan sei ein wichtiger Wertepartner Deutschlands, sagte die FDP-Politikerin. (afp/jek)
Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa


