Krieg „in 24 Stunden beenden“

„Kein einziger Cent“: Orbán äußert sich zu Trumps Plänen für den Ukraine-Krieg

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Donald Trump könnte erneut Präsident der USA werden. Würde er im November wiedergewählt, will er den Ukraine-Krieg in 24 Stunden beenden – könnte aber alles noch schlimmer machen.

Update vom 11. März, 7.25 Uhr: Donald Trump habe eine „sehr klare Vision“ davon, wie er den Ukraine-Krieg beenden könnte – das behauptet zumindest sein Freund im Geiste, Viktor Orbán. Im Fernsehsender M1 nannte der ungarische Regierungschef auch Details: Trump werde „keinen einzigen Cent“ für Ukraine-Hilfen geben, und infolgedessen werde der Krieg von selbst enden.

„Wenn die Amerikaner kein Geld geben, werden die Europäer diesen Krieg nicht allein finanzieren können“, zitierte ihn die Zeitung Magyar Nemzet. Trump und Orban halten regelmäßig öffentliche Lobreden übereinander. Die beiden Rechtspopulisten haben politisch viel gemeinsam. Trumps ehemaliger Chefberater Bannon bezeichnete den Ungarn einmal als „Trump vor Trump“.  Orban pflegt auch gute Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Viktor Orban (l.) und Donald Trump bei einem Treffen am 8. März 2024 in Palm Beach (Florida)

Donald Trumps Plan für den Ukraine-Krieg: Ein Frieden im Sinne Putins?

Erstmeldung vom 10. März: Palm Beach – Gut ein Jahr ist es her, dass Donald Trump, Ex-Präsident der USA, meinte, er könne den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden beenden, sollte er bei den US-Wahlen kommenden November wiedergewählt werden. Mehr noch: Wäre er zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs im Amt gewesen, hätte es den Krieg sowieso nicht gegeben. Die alles entscheidende Frage, wie er das anstellen will, bleibt der Republikaner aber weiterhin schuldig.

Zumindest eine grundlegende Idee teilte Trump mit. Er will sich mit den Präsidenten der Kriegsländer, Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin zusammensetzen. Und dann? Gegenüber der Bild sagte Ian Bremmer, Experte für Außenpolitik, das sei nichts, als „Trumps übliches, bedeutungsloses Bravado“. Statt mit seinen Aussagen Hoffnung zu verbreiten, sorgt die Aussicht auf einen US-Präsidenten namens Trump aber eher für Unruhe in der Ukraine.

Trump überschätzt sein diplomatisches Geschick für Verhandlungen im Ukraine-Krieg

Trump hält sich selbst für einen begnadeten Diplomaten, was er auch mit seinem Buch „The Art of the Deal“ (Die Kunst des Verhandelns) gerne zum Ausdruck bringt. Der Ghostwriter des Bestsellers hat sich mittlerweile von dem Buch distanziert und bereut seine Arbeit an dem Werk. Wie wirkungslos Trumps Verhandlungskünste wirklich sind, lässt sich aber am besten an dem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zeigen.

Denn nicht nur sei die Korrespondenz zwischen den beiden eher ein Austausch von „Zärtlichkeiten, wie Teenager sie austauschen könnten“, so der Journalist Bob Woodward, der einen Briefaustausch zwischen den beiden Staatsmännern einsehen konnte, gegenüber dem US-Sender MSNBC. Bei den Verhandlungen vom Juni 2018 könnte Kim Jong-un Trump auch getäuscht haben. So könne Nordkorea einen Teil seiner atomaren Produktion weiterhin vor den USA geheimgehalten haben. Bei den Verhandlungen ging es um eine drohende nukleare Auseinandersetzung zwischen den USA und Nordkorea. Zudem ist seit der massiven Unterstützung Russlands durch Nordkorea klar, auf wessen Seite Kim wirklich steht.

Mit „Musk-Plan“ könnte Trump im Ukraine-Krieg für einen falschen Frieden sorgen

Welchen Plan der ehemalige US-Präsident nun verfolgt, um Frieden zwischen Russland und der Ukraine herzustellen, könne mit Informationen aus konservativen Kreisen nachvollzogen werden, berichtete die Bild. Dort würden Eckpunkte kursieren, wie sie auch der Tesla-Chef und Tech-Milliardär Elon Musk einmal formulierte. Um Frieden zu schaffen, solle Russland die Kontrolle über die annektierte Krim-Halbinsel und weitere besetzte Gebiete behalten. Außerdem dürfe die Ukraine nicht der Nato beitreten.

Wer sich nun an die Forderungen des russischen Präsidenten Putin erinnert fühlt, der liegt gar nicht so falsch. In einem kürzlich veröffentlichten Friedensangebot Russlands an die Ukraine, wurden neben der Beschneidung des ukrainischen Militärs, auch die beiden von Musk formulierten Forderungen für einen Waffenstillstand genannt.

Trump hat sich zwar bisher noch nicht eindeutig zu seiner Haltung im Ukraine-Krieg geäußert, sein Umfeld vertrete aber weitestgehend die Meinung, dass Kiew den Krieg gegen Russland nicht gewinnen könne. Außerdem blockieren republikanische Abgeordnete im Senat weitere Kriegshilfen für die Ukraine.

Schwächt Trump als Präsident die Nato? Selenskyj sieht Gefahr für Ukraine-Krieg

Selenskyj hält von Trumps Ideen wenig. Gerade wegen der Blockade sehe er Trumps Äußerungen als „gefährlich“, so die Bild. Vielleicht wollte er den möglichen nächsten US-Präsidenten auch deshalb auf der Münchner Sicherheitskonferenz an die Front einladen. Bei dem internationalen Treffen sagte Selenskyj, Trump könne sich so ein Bild davon machen, was ein echter Krieg ist, „nicht Instagram“.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Doch nicht nur in der Ukraine sorgen Trumps radikale Äußerungen für Unbehagen. Weil er auch ankündigte, dass die USA unter seiner Präsidentschaft nur noch solche Nato-Länder unterstütze, die ihr Militär mit mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts finanzieren, ist die Sorge innerhalb des Staatenbundes groß. Komme ein Land der Zahlung nicht nach, würde Trump Putin sogar „dazu ermutigen, zu tun, was auch immer zur Hölle sie wollen“, berichtete das US-Nachrichtenportal Bloomberg. (nhi)

Rubriklistenbild: © Zoltan Fischer/Press Office of the Hungarian Prime Minister/AFP

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