Putin zahlt hohen Preis für Ukraine-Krieg: China greift nach riesiger Russland-Region
VonPatrick Mayer
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Wladimir Putin soll im Föderationskreis Ferner Osten an Einfluss verlieren. Dagegen soll China über Grenzen hinweg Einfluss nehmen. Auch Kim Jong-un spielt offenbar eine Rolle.
Wladiwostok - Kreml-Autokrat Wladimir Putin und sein Moskau-Regime sind seit Längerem offenbar intensiv mit Provokationen gegen die Verteidigungsallianz NATO beschäftigt. Und sie führen den Ukraine-Krieg trotz heftiger Verluste für Russland fort. Im Schatten dieser Konflikte büßt Putin offenbar an Einfluss im riesigen russischen Föderationskreis Ferner Osten ein. Das meint zumindest der ukrainische Auslandsgeheimdienst.
Die russische Großstadt Wladiwostok liegt am Japanischen Meer, einem Teil des Pazifiks. Verliert Wladimir Putin hier den Überblick, wie es die Ukrainer meinen?
Laut Defense Express (DE) berichtet dieser ukrainische Auslandsgeheimdienst, dass Moskau allmählich die Kontrolle über seine fernöstlichen Regionen verliere. China und Nordkorea würden dagegen ihre wirtschaftliche Präsenz dort ausweiten und Russlands Peripherie zu einer gemeinsamen Einflusssphäre machen, heißt es in dem Bericht. Und weiter: Moskau mangle es an Kapazitäten, die größte Region des Landes weiter zu entwickeln, weswegen der Kreml faktisch für das Ausland die Tür zur Expansion öffne.
Probleme für Wladimir Putin: China und Nordkorea weiten Einfluss in Russland aus
Namentlich für China, und in Teilen auch für Nordkorea, die im weltpolitischen Ringen mit den USA und der NATO eigentlich beide Verbündete Putins sind. Damit wachsen auch hier die innenpolitischen Probleme für den Kreml-Machthaber. Zuletzt häuften sich Berichte über eine wankende russische Wirtschaft, Armut und Unzufriedenheit mit Putins Politik in Russland. Darüber berichtete das unabhängige oppositionelle russische Nachrichtenportal Meduza.
Putins wichtiger Handelspartner China stärkt wirtschaftliche Position in Russland
China stärkt laut DE im Schatten dieser Geschehnisse seine wirtschaftliche Position im Osten der Russischen Föderation, die aus vielen Teilrepubliken besteht. Bis Ende 2025 könnten chinesische Investitionen in der Region Ferner Osten eine Billion Rubel (rund 1,053 Milliarden Euro) erreichen, schreibt das ukrainische Online-Portal. China gilt seit Jahren im Umfeld von Ukraine-Krieg und politischer Differenzen mit der Europäischen Union (EU) als wichtigster Handelspartner Moskaus.
Einer Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) zufolge gehen etwa 30 Prozent aller russischer Exporte nach China, 35 Prozent der Importe kommen umgekehrt aus der benachbarten sozialistischen Volksrepublik. Ein Beispiel für die engen wirtschaftliche Bande: Viktor Kalashnikov, ein Senator aus der Region Chabarowsk, erklärte laut DE, dass das bilaterale Handelsvolumen zwischen der russischen Oblast und chinesischen Handelspartnern in 2024 um 5,5 Millionen Tonnen Güter gewachsen sei.
Ferner Osten (Föderationskreis)
Der Föderationskreis Ferner Osten bildet den Osten der Russischen Föderation (Russland) und liegt geographisch am Pazifik sowie am Arktischen Ozean. Verwaltungssitz ist die Hafen- und Handelsstadt Wladiwostok. Die Bevölkerungsdichte ist mit geschätzt rund 6,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern auf einer riesigen Fläche von 6.952.555 km² gering. Der Föderationskreis grenzt im Süden an die Volksrepublik China, an Japan und an Nordkorea und im Westen an den Föderationskreis Sibirien.
In der ersten Hälfte des Jahres 2025 sei ferner ein Wachstum um weitere 36 Prozent hinzugekommen. Chabarowsk liegt samt der gleichnamigen Großstadt (rund 610.000 Einwohnerinnen und Einwohner) direkt an der chinesischen Grenze. Auf Initiative des Peking-Regimes hin würden ferner immer mehr Chinesen ins östliche Russland ziehen. So sollen gegenwärtig laut DE rund zwei Millionen chinesische Staatsbürger zwischen Wladiwostok am Japanischen Meer (Pazifikküste) und dem Uralgebirge leben.
Russland unter Wladimir Putin: Kim Jong-un schickt immer mehr nordkoreanische Arbeiter
Auch das sozialistische Pjöngjang-Regime Kim Jong-uns schicke viele Arbeitskräfte in Russlands Fernen Osten, heißt es in dem Bericht weiter. Inoffiziellen Zahlen zufolge sollen laut DE im Föderationskreis mittlerweile bis zu 50.000 nordkoreanische Arbeiter angekommen sein - Tendenz steigend. So sollen russische Unternehmen weitere 153.000 Arbeitsverträge mit Nordkoreanern beantragt haben. Diese Beispiele sollen eine wachsende Abhängigkeit des russischen Regimes von seinen Verbündeten belegen.
Zum teils gravierenden Arbeitskräftemangel in Russland soll indes Putins brutaler Ukraine-Krieg erheblich beitragen. Wie der MDR Anfang 2025 berichtete, klagten zu diesem Zeitpunkt laut dem Moskauer Institut für Unternehmensentwicklung und Wirtschaft 91 Prozent der russischen Unternehmen über Mitarbeitermangel. Damals waren Schätzungen zufolge rund 770.000 russische Männer als Soldaten in der Ukraine gebunden – einige kehrten nicht wieder zurück.
Wladimir Putins Wirtschaft wankt: Viele russische Männer sind in der Ukraine gebunden
Auch aktuell sollen etwa 700.000 russische Männer für die „militärische Spezialoperation“ abgestellt sein, wie der Kreml seinen völkerrechtswidrigen Überfall auf den Nachbarn bezeichnet. Wie der MDR schreibt, würden vergleichsweise geburtenschwache Jahrgänge der 1990er und 2000er Jahre das Problem weiter vergrößern. (Quellen: DE, Meduza, wiiw, MDR) (pm)