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Den Wolf zum Abschuss freigeben? CDU und CSU üben Kritik an „Hinhaltetaktik der Bundesregierung“. Deren Untätigkeit grenze an „unterlassene Hilfeleistung“.
Berlin – Im Deutschen Bundestag wird am morgigen Freitag (22. September) ein Antrag der CDU/CSU mit dem Titel „Menschen und Weidetiere schützen – Raubtiere bejagen“ debattiert. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) ist nach Bundesumweltministerin Steffi Lemke bereits der zweite hochrangige Grünen-Politiker, der sich für eine Lockerung der Schutzmaßnahmen für Wölfe ausspricht. Vor allem Weidetierhalter bräuchten im Kampf gegen die Beutegreifer „mehr Unterstützung und Sicherheit“, so Özdemir.
Der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, schickt der Debatte deutliche Worte voraus. Er erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Zäune allein helfen nicht gegen Wölfe. Das müssten die Ampel-Parteien mittlerweile verstanden haben“. Die Weidetierhalter und Menschen in ländlichen Regionen erwarteten von der Bundesregierung ein „praktikables Konzept, um die Wolfsbestände zu regulieren“, so Stegemann weiter.
Wolf in Deutschland: Druck auf Bundesregierung steigt – „ideologisch motivierte Hinhaltetaktik“
Dazu gehöre zwingend auch eine kontrollierte Bejagung des Wolfes. „Der Schutz von Mensch und Tier muss denselben Rang haben wie der Artenschutz“, fügte er hinzu. Auch der CDU-Politiker und zuständige Berichterstatter Hans-Jürgen Thies unterstreicht gegenüber der dpa diese Forderungen. Er kritisierte die Ampel-Koalition außerdem scharf für ein bisheriges Ausbleiben einer Abschussfreigabe: „Die ideologisch motivierte Hinhaltetaktik der Bundesregierung ist nicht mehr tolerierbar“, so Thies.
Sie ignoriere damit „die Bedürfnisse der Weidetierhalter komplett“. Das Argument von Bundesministerin Lemke, dass der „günstige Erhaltungszustand“ des Wolfes noch nicht erreicht sei, sei „nicht nur vorgeschoben, sondern schlichtweg falsch“, so Thies weiter. Die „Untätigkeit der Bundesregierung“ in diesem Bereich grenze an „unterlassene Hilfeleistung für die ländliche Bevölkerung“.
Verdruss in Deutschland: „Schluss mit der Romantisierung des Wolfs“
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Bilger, betonte: „Der Verdruss der Menschen im ländlichen Raum über eine Bundesregierung, die beim Thema Wolf viel redet, aber wenig handelt, ist enorm“. Vor allem Weidetierhalter fühlten sich durch Wolfsschäden zunehmend in ihrer beruflichen Existenz bedroht. Die grünen Bundesminister Lemke und Özdemir würden zudem nur eine „härtere Gangart“ vortäuschen. Die Bundesregierung wolle jedoch erst dann handeln, wenn der Wolf Weidetiere gerissen habe. „Wir hingegen wollen verhindern, dass es überhaupt zu Wolfsübergriffen kommt“, so Bilger.
Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU, Anja Weisgerber, forderte zudem: „Es muss endlich Schluss sein mit der Romantisierung des Wolfs. Die Population von Wölfen wächst ungebremst.“ Der günstige Erhaltungszustand sei in Deutschland längst erreicht. Es sei daher nötig, dass nicht nur sogenannte Problemwölfe bejagt werden, erklärte Weisgerber gegenüber der dpa: „Generell müssen die Wolfsbestände kontrolliert und klein gehalten werden“.
Deutschland und der böse Wolf? „Der Wolf gehört hier hin“
Weisgerber richtete zudem direkte Kritik an Bundesumweltministerin Lemke. Die dürfe sich nicht länger „hinter EU-Recht verstecken“. Ein aktives Management zur Begrenzung der Bestände sei schon heute rechtlich möglich. „Steffi Lemke muss das Problem endlich an der Wurzel packen. Unsere Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch“, so Weisgerber.
Wolfsexpertin Dr. Antje Oldenburg vom Nabu Heidekreis sieht das hingegen anders. Die gesamte Debatte verlaufe aus Sicht der Naturschützerin eher unbefriedigend: „Das findet alles auf seiner sehr emotionalen Pro-Contra-Schiene statt.“ Sie stellt dabei regelmäßig fest: „Es ist relativ wenig Basiswissen zum Wolf vorhanden.“ Fakt sei: „Der Wolf gehört hier hin, gehört hier ins Ökosystem rein.“ Dass er sich nach 150 Jahren der Abwesenheit wieder in deutschen Wäldern angesiedelt hat, sei daher positiv zu bewerten. (na/dpa)
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