Agrarminister schaltet sich ein

Grüne machen Jagd auf Problemwölfe: Özdemir will leichteren Abschuss billigen

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Seitdem der Wolf zurück in Deutschland ist, tobt eine hitzige Debatte. Bundesagrarminister Cem Özdemir unterstützt Bestrebungen, Wölfe leichter zum Abschuss freizugeben.

Berlin – Der Wolf ist zurück in Deutschland – und das gefällt nicht allen. Jetzt will auch Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) es leichter machen, Wölfe zu erlegen. Konkret geht es dabei um auffällige Raubtiere, die bereits Schutzmaßnahmen für Weidetiere überwunden hätten: „Es muss künftig leichter möglich sein, einzelne Wölfe und auch ganze Rudel zu entnehmen, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden und Tiere töten“, sagte der Grünen-Politiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Wolfs-Attacken auf Weidetiere nahmen in den letzten Jahren stark zu – jetzt will auch der Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) den Abschuss der Vierbeiner erleichtern. (Symbolfoto)

Steffi Lemke und Cem Özdemir beim Thema Wolf einig: Landwirte brauchen „mehr Sicherheit“

Damit ist Özdemir nach Bundesumweltministerin Steffi Lemke bereits der zweite hochrangige Grünen-Politiker, der sich für eine Lockerung der besonderen Schutzmaßnahmen von Wölfen ausspricht. Lemke hatte am Montagmorgen gegenüber der Welt unterstrichen, dass Weidetierhalter im Kampf gegen die Beutegreifer „mehr Unterstützung und Sicherheit“ bräuchten. Cem Özdemir unterstrich mit seinen Aussagen am Montag den gleichen Aspekt:

Ich will, dass Schafe, Ziegen und Rinder auch weiterhin möglichst sicher auf unseren Weiden stehen können.

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne)

Wölfe bereiten Tierhaltern in manchen Regionen immer größere Probleme. „Wir können die Landwirte damit nicht alleine lassen, sie verdienen unsere Solidarität und unsere Unterstützung“, so Özdemir.

Wölfe in Deutschland in den letzten Jahren stark vermehrt – hitzige Debatte für Pro und Contra

Viele Landwirte und Zuchthalter hatten solche Maßnahmen schon seit längerer Zeit vehement gefordert. Vor allem in Niedersachsen war die Wolfs-Population in den letzten Jahren enorm angestiegen. Immer wieder kam es zu Übergriffen auf Weidetiere – wie zuletzt bei einem blutigen Angriff mit 55 toten Schafen im Norden von Niedersachsen. Solche Angriffe führten zu enormer Verunsicherung und großen Herausforderungen für Landwirte im Umgang mit dem Wolf.

18 Tiere seien bei dem Angriff sofort getötet worden, 37 mussten eingeschläfert werden, so die Jägerschaft.

Auf der anderen Seite setzen sich Tierschützer für einen entspannteren Umgang mit Tier und Thema ein, nachdem der Wolf vor allem in sozialen Medien teils hochemotional diskutiert wird. Die Naturfreunde betonen den festen Platz, den der Beutegreifer im deutschen Ökosystem hat und die positiven Auswirkungen auf Flora und Fauna der hiesigen Wälder.

Bundesminister planen den Kompromiss: Weiter keine Jagd auf Wölfe – aber einfacherer Abschuss

In Berlin plant man jetzt wohl einen klassischen Kompromiss: Steffi Lemke will Ende September konkrete Vorschläge vorlegen, um Landwirten den Schutz ihrer Tiere zu erleichtern – ohne aber die große Jagd auf den Wolf einzuläuten. Laut ihrem Ministerium sind Abschüsse von Wölfen, die mehrfach zumutbare Schutzmaßnahmen für Herden wie Zäune überwunden haben, allerdings auch jetzt schon möglich. Die Genehmigung und der Weg dorthin seien aber zu bürokratisch, sagte ein Sprecher am Montag. Das solle jetzt geändert werden. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/Bernd von Jutrczenka/dpa/Montage

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