Bekanntgabe der neuen Bundesminister

„Wüst ist klarer Verlierer“: Reaktionen aus NRW – Merz-Kabinett löst Staunen aus

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Friedrich Merz‘ neue Bundesregierung stößt auf Irritationen in NRW. Ministerpräsident Wüst bleibt ohne Berücksichtigung und erntet Kritik.

Update, 1. Mai, 12.28 Uhr: Armin Laschet, Ina Scharrenbach, Karl-Josef Laumann waren Kandidaten für ein CDU-Ministeramt aus Nordrhein-Westfalen, sie alle gingen leer aus. Der CDU-Landesverband NRW sieht sich dadurch in der neuen Regierung geschwächt, Ministerpräsident Wüst wird als Verlierer angesehen.

Immerhin gibt es zwei künftige CDU-Minister mit Verbindungen nach NRW:

  • Katherina Reiche wird Wirtschaftsministerin und ist seit fünf Jahren Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Westenergie, einer Eon-Tochter mit Sitz in Essen in Nordrhein-Westfalen.
  • Karsten Wildberger wird CDU-Digitalminister und promovierte an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Er war ebenfalls fünf Jahre lang Eon-Vorstand, bevor er zu Ceconomy AG (MediaMarkt/Saturn) wechselte.

Mit Jens Spahn kommt außerdem auch der wohl neue Fraktionschef der CDU/CSU-Fraktion aus NRW. Und: Der neue Kanzler in spe, Friedrich Merz, stammt ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen, konkret aus Brilon.

Die Merz-Nominierungen lassen die CDU in NRW zögern. Ministerpräsident Wüst (links) wird von der Opposition als politischer Verlierer dargestellt.

„Wüst ist klarer Verlierer“: Merz-Regierung sorgt für Verblüffung in NRW

Erstmeldung: Berlin/Düsseldorf – Die Bekanntgabe des Kabinetts des designierten Kanzlers Friedrich Merz (CDU) hat in Nordrhein-Westfalen für Irritationen gesorgt. Kein einziger Minister aus der NRW-Landesregierung oder dem Bundestag wurde in die erste Reihe der Bundesregierung berufen – eine Entscheidung, die vor allem Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als „klaren Verlierer“ dastehen lässt, wie die Opposition betont.

NRW-Politiker gingen im Merz-Kabinett leer aus

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, gingen mit Ina Scharrenbach (Bauministerin), Karl-Josef Laumann (Gesundheitsminister) und Ex-Ministerpräsident Armin Laschet gleich drei hochrangige NRW-Politiker leer aus. Scharrenbach, die als „Top-Favoritin“ galt, hatte sogar ihre Termine abgesagt, um – wie ihr Umfeld annahm – als künftige Bundesministerin in Berlin zu agieren. Doch Merz entschied anders: „Ina ist ziemlich detailversessen und hat ihren eigenen Kopf“, zitiert die Zeitung eine Weggefährtin, die mutmaßt, dass Scharrenbach Merz vielleicht „zu selbstbewusst gewesen“ sein könnte.

Auch Laumann, langjähriger CDA-Chef, wurde trotz Fachkompetenz übergangen. Ein CDU-Bezirkschef vermutet: „Friedrich will offenbar, dass seine Leute keine entscheidende Machtbasis mitbringen.“ Laschet scheiterte laut Rheinischer Post nicht nur an seiner Vergangenheit als Merkel-Verbündeter und Merz-Rivale, sondern auch an seiner „Blitzer-Affäre“, in der er eine „Verfolgungsjagd“ als Begründung für Raserei nannte.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Opposition über Merz‘ Minister-Nominierungen: „Politisches Desaster für Wüst“

Die Opposition wertet die Personalien als Niederlage für Wüst. Moritz Körner (FDP) spricht von einem „politischen Desaster“ und erklärt laut Kölner Stadt-Anzeiger: „Wüst war bereits bei den Koalitionsverhandlungen außen vor, nun wird seine Landespartei auch personell komplett übergangen.“

SPD-Fraktionschef Jochen Ott stellt indes fest: „Das ist ziemlich wenig Wüst im Kabinett Merz. Für einen Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Landes ist das kein Ruhmesblatt.“ Der SPD-Landesvorsitzende Achim Post ergänzt: „Hendrik Wüst, Chef des größten CDU-Landesverbands, ist klarer Verlierer.“

CDU über neues Merz-Kabinett: NRW dennoch „stark vertreten“

Die NRW-CDU verweist hingegen auf andere Einflussbereiche. Generalsekretär Paul Ziemiak betont laut Rheinische Post: „Noch nie war die CDU Nordrhein-Westfalen in den Spitzenämtern der Bundespolitik so stark vertreten.“

So übernimmt Jens Spahn (MdB aus NRW) den Fraktionsvorsitz, und fünf Staatssekretärsposten gingen an NRW-Politiker, darunter Serap Güler (Außenministerium) und Thomas Jarzombek (Digitalministerium). Zudem stammen Merz selbst sowie designierte Minister wie Karsten Wildberger (Digitales) mit NRW-Bezug aus dem Land.

Vermutung: Merz setzt auf Gefolgschaft statt Macht-Konkurrenz

Kommentatoren deuten die Entscheidung als strategischen Schachzug. Gerhard Voogt schreibt im Kölner Stadt-Anzeiger: „Scharrenbach und Laumann haben ihren eigenen Kopf, könnten Merz Paroli bieten. Der legt aber keinen Wert auf Diskussionen, besetzt die Posten lieber mit Gefolgsleuten, die ihm zu Dank verpflichtet sind.“ Scharrenbach und Laumann, beide „politische Schwergewichte mit eigenen Truppen“, hätten Merz‘ Autorität untergraben können. Laschet wiederum symbolisiere die Ära Merkel, die Merz bewusst hinter sich lassen wolle.

Während die CDU betont, NRW sei durch Spahn, Linnemann und Merz selbst präsent, bleibt der feste Eindruck, dass Wüsts Führungsanspruch in Berlin geschwächt wurde. Die Opposition nutzt dies bereits als Angriffsfläche – und macht deutlich: In Düsseldorf wird die Kabinettsliste nicht als Erfolg, sondern als Machtverschiebung gegen den Landeschef gewertet.

Rubriklistenbild: © Foto links: IMAGO / Frank Ossenbrink | Foto rechts: IMAGO / Future Image

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