MiG-41: Putin prahlt mit neuem Wunder-Kampfjet – hinter Manöver könnte viel mehr stecken
VonPatrick Mayer
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Wladimir Putin lässt wohl einen hochmodernen Kampfjet entwickeln. Bei der Planung in Russland soll es jedoch Probleme geben. Blufft das Moskau-Regime?
Moskau – Kreml-Chef Wladimir Putin ist bekannt dafür, in Russland mit tatsächlichen oder angeblichen Errungenschaften zu prahlen. Dabei fehlen etwa nicht nur dem russischen Autosektor Fachkräfte. Was die Rüstungsindustrie angeht, ist eines von vielen ambitionierten Projekten ein Kampfjet MiG-41. Die Zahlen dazu, die das Moskau-Regime verbreitet, sind gewaltig. Doch: Experten bezweifeln, ob es das Flugzeug jemals geben wird.
Das ukrainische Online-Portal Defense Express (DE) verweist auf Aussagen eines russischen Generalmajors namens Vladimir Popo, wonach die MiG-41 andere Kampfflugzeuge der sechsten Generation „überstrahlen“ werde. Dabei soll sich die Entwicklung des Kampfjets seit Jahren hinziehen und keine Belege für den Wahrheitsgehalt geäußerter Superlative vorliegen.
Kampfjets aus Russland: Kommt Wladimir Putins geplante MiG-41 wirklich?
Wie DE schreibt, gebe es Behauptungen aus Russland, wonach die MiG-41 angeblich eine Geschwindigkeit von angeblich bis zu Mach 4,3 hat. Dies entspricht rund 5300 Kilometer pro Stunde, womit andere Kampfflugzeuge wie die US-amerikanische F-35 tatsächlich übertroffen wären. Zum Vergleich: Die F-35 hat eine offizielle Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,6, also 1975 km/h.
Die MiG-41 soll ferner eine maximale Dienstgipfelhöhe von bis zu 50.000 Meter und eine Reichweite von bis zu 11.000 Kilometer haben. Beide Zahlen wären im Vergleich zu anderen realisierten Kampfflugzeugen ebenfalls überdimensional, wobei in dem Bericht von angeblicher Imagepflege die Rede ist. Beweisvideos, die die angeblichen Superlative belegen, kursieren zumindest keine. Stattdessen gibt es computeranimierte Fotos, wie der Kampfjet aussehen könnte.
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DE kritisiert aus ukrainischer Perspektive „übertriebene Leistungsbehauptungen basierend auf unvollendeten Technologien und Komponenten, die von anderen Projekten entliehen wurden“. So sei etwa das Triebwerk AL-51F1 der Suchoi Su-57 eingeplant, die auf eine Überschallgeschwindigkeit von Mach 1,2 (etwa 1480 km/h) kommt. Die also deutlich geringere Geschwindigkeiten erzielt, als es der geplante Abfangjäger MiG-41 tun würde.
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Die MiG-41 soll eigentlich die MiG-31 ersetzen, die als Abfangjäger bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt wurde und im Ukraine-Krieg zum Beispiel dafür zum Einsatz kam, die gefürchtete Hyperschallrakete Kinschal auf das geschundene Nachbarland abzufeuern. Drei MiG-31 über estnischem Staatsgebiet sollen zuletzt dafür gesorgt haben, dass sich der außenpolitische Konflikt zwischen der NATO und Russland weiter verschärfte.
Zweifel an einer Realisierung des MiG-41-Projekts gibt es indes schon länger. So schrieb The National Interest, eine Fachzeitschrift zum Thema internationale Beziehungen aus den USA, in einer Analyse im Oktober 2024, dass es sein könnte, dass das MiG-41-Kampfflugzeug letztlich nie realisiert wird. Argumentiert wird in dieser Analyse unter anderem mit der völligen Geheimhaltung des russischen Tarnkappenjägerprogramms. Dies sorge unter Experten für erhebliche Zweifel.
Das Fachmagazin The National Security Journal schrieb in einer Analyse im Juli, dass das ganze MiG-41-Projekt gar ein Fehler sei. So sei das Projekt „auf dem Papier ein technologisches Wunderwerk“ und stattdessen „von enormen technologischen Hürden geplagt“. Zum Beispiel von „der Entwicklung von Materialien, die extremer Hitze standhalten“. Auch die westlichen Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine würden eine Rolle spielen.
Während nun auch US-Präsident Donald Trump mit Aufklärungsflugzeugen den Druck auf das Moskau-Regime erhöht. Und die NATO wegen der Luftraum-Verletzungen den Abschuss russischer Kampfjets erwägt. Was die MiG-41 angeht, schreibt The National Security Journal, dass es offenbar erhebliche Verzögerungen bei der Produktion des Tarnkappenjägers der sechsten Generation gebe. Was den geplanten Kampfjet „wahrscheinlich zu einem weiteren ehrgeizigen, aber gescheiterten russischen Militärprojekt“ mache. (Quellen: Defense Express, The National Interest, The National Security Journal) (pm)