Rente mit 70? Söders Mann in Berlin widerspricht Reiche-Vorstoß deutlich
VonKonstantin Ochsenreiter
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Das Thema Rente spaltet nicht nur die schwarz-rote Merz-Regierung. Auch innerhalb der Union gehen die Positionen auseinander.
Berlin – Nach knapp 100 Tagen schwarz-roter Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz, beginnt die Stabilität zu bröckeln. Nach der geplatzten Richterwahl und dem sich immer weiter zuspitzenden Konflikt in Nahost droht der Regierung Merz nun die nächste schwerwiegende Herausforderung: Ein wachsendes Haushaltsloch – welches sich nach Informationen der Tagesschau und des Handelsblatts über die Jahre 2027 bis 2029 auf rund 172 Milliarden Euro bemisst.
Zentraler Streitpunkt hierbei: Die Rente. CDU, CSU und SPD scheinen unterschiedliche Ansätze zu haben. Während die CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche das Renteneintrittsalter erhöhen möchte, pocht die CSU auf mehr Flexibilität. SPD-Ministerin Bärbel Bas ist entschieden gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Das Thema könnte zur neuen Belastungsprobe für die schwarz-rote Regierung werden – auch wegen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Union.
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Merz-Regierung streitet über Rentenreform: CDU und CSU uneins über Lebensarbeitszeit
So stellte sich die CSU am Sonntag entschieden gegen Reiches Vorstoß: CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann, erklärte gegenüber der Bild am Sonntag: „Es macht einen Unterschied, ob ich einem Ingenieur, der viel im Büro gearbeitet hat, die Möglichkeit gebe, freiwillig weiterzuarbeiten. Oder jemanden, der bis kurz vor der Rente auf einer Baustelle schwer körperlich gearbeitet hat.“
„Die Wirtschaftsministerin hat die Aufgabe, die Wirtschaft voranzubringen“, sagte Hoffmann mit Blick auf Reiche. „Deswegen ist ihre Position nachvollziehbar.“ Die Rente mit 70 – den Vorstoß aus der Schwesterpartei – lehnte Hoffmann dennoch klar ab. Die CSU setze hingegen auf Freiwilligkeit. „Das ist für uns das sehr viel wirksamere Instrument, weil wir als CSU auch die Menschen im Blick haben, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben.“ Für die bayrische Schwesterpartei sei die Aktivrente der richtige Schlüssel für das Problem. Das Modell sieht vor, dass Rentner steuerfrei bis zu 2000 Euro pro Monat dazuverdienen können.
Merz-Regierung streitet über Rentenreform – diverse offene Baustellen
Die Bundesregierung einigte sich erst in dieser Woche auf ein Gesetz zur Stabilisierung des Rentenniveaus. Der Entwurf sieht vor, dass das Rentenniveau bis 2031 nicht weiter sinkt und Millionen Mütter mehr bekommen. Das Gesetz ist der erste, mehrerer geplanter Reformschritte. „Gerade in unsicheren Zeiten sendet das Rentenpaket 2025 eine klare Botschaft an alle Generationen: Die Rente bleibt stabil und gerecht“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur, Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD).
Die SPD und Grünen wiesen Grimms Vorschlag hingegen entschieden zurück: Der sozialdemokratische Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese bezeichnete den Vorstoß als „neoliberal“. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch erklärte gegenüber den Funke-Zeitungen, er befürchte, weitere Rentenkürzungen könnten mehrere Frauen – besonders in Ostdeutschland – in die Armut stürzen. Audretsch erinnerte auch daran, dass viele Zuwanderer noch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hätten.
Flexibilität vs. Stabilität: Rentenstreit in Merz-Regierung spitzt sich zu
CDU-Wirtschaftsministerin Reiche hatte Ende Juli gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit ins Gespräch gebracht. Auf diese Weise möchte sie dem demografischen Wandel und der höheren Lebenserwartung entgegentreten.
Die Koalition erleichtere es jenen Menschen bereits, welche im Alter weiterhin beruflich tätig sein wollen. „Es ist ja nicht verboten, länger zu arbeiten“, konstatierte Bas.
Unzufriedenheit an Merz-Regierung wächst: Bundeskanzler unter Druck
Die Luft wird auch im Rest Deutschlands dünner: In der aktuellen Insa-Umfrage für Bild am Sonntag gaben 60 Prozent gaben an, mit der Regierung unzufrieden zu sein. Demnach sind nur 27 Prozent aktuell zufrieden mit der Arbeit von Union und SPD. 13 Prozent machten keine Angabe. Anfang Juni, nach rund einem Monat Regierungszeit waren noch 37 Prozent zufrieden und nur 44 Prozent unzufrieden. Die parlamentarische Sommerpause bleibt damit spannend, und könnte für die Zukunft von Schwarz-Rot entscheidend sein. (kox)