VonKarsten-Dirk Hinzmannschließen
Hohe Zölle und Drohungen gegenüber Verbündeten: Trump riskiert die Kampfkraft seiner Luftstreitkräfte und scheint China am Himmel vorbeiziehen zu lassen.
Washington D.C. – „Einige potenziell lebenswichtige Güter werden entweder deutlich teurer sein als bisher oder schlichtweg nicht verfügbar sein“, sagte Bill Greenwalt gegenüber Politico. Der ehemalige Einkäufer des US-Verteidigungsministeriums keilt im Magazin aus gegen den 47. Präsidenten der USA, der gegen die halbe Welt mit Zöllen ins Feld zieht. Greenwalt gegen davon aus, dass Donald Trump seine Handelspolitik militärisch auf die Füße fallen wird – derweil schickt sich China an, der US-Luftwaffe die Rücklichter zu zeigen: Deren Kampfjets der sechsten Generation sind scheinbar bereits in der Luft.
Kürzlich hatte Donald Trump die Boeing F-47 als künftiges Arbeitspferd der US-Luftwaffe vorgestellt – angeblich liefen bereits seit langem die Tests. Den Triumph schmälert allerdings, dass China möglicherweise fast zeitgleich schon zwei Flieger der darauf folgenden Generation in der Luft hat. Jedenfalls existieren von den Flugzeugen in sozialen Medien bereits Bilder. Gegenüber der J-36 und der vermeintlich als J-50 betitelten Maschinen sehen die aktuellen Flieger der fünften Generation geradezu altbacken aus, weil die neuen Jets optisch in Richtung des US-amerikanischen B-2-Bombers gehen werden.
Neuer Kampfjet? „Möglicher Erstflug von Chinas Flugzeug der sechsten Generation“
Als „möglichen Erstflug von Chinas Flugzeug der sechsten Generation“ hat daher auch das Fachmagazin The Aviationist die Bilder betitelt. Offenbar haben die chinesischen Rüstungsschmieden Chengdu und Shenyang fast parallel Entwürfe in die Luft gebracht. Laut dem Magazin Forbes seien das womöglich die „modernsten bemannten Kampfflugzeuge aller Zeiten“. Wie viel europäische Technik im F-47 Kampfjet stecken wird, ist unbekannt. Bekannt ist allerdings, dass die F-35 ohne europäische Teile kaum das wäre, was sie ist; und wenn Donald Trump jetzt seine europäischen Partner vergrätzt, wird sie möglicherweise nie werden, was sie sein sollte – das vermutet jedenfalls Aaron Spray.
„Derzeit sind die USA für den Großteil ihrer Technologien fast vollständig auf im Ausland produzierte Elektronik angewiesen, sowohl im Verteidigungs- als auch im Konsumgütersektor.“
Der Autor des Magazins Simple Flying zitiert das Unternehmen Gordian Logistics Experts damit, dass sich die USA ihnen gegenüber in Abhängigkeit begeben hätte: „Das US-Verteidigungsministerium hat die Niederlande im Jahr 2019 mit der Lagerung, dem Versand und der Verwaltung von Ersatzteilen für über 500 F-35-Flugzeuge beauftragt“, so der niederländische Logistiker. Ohnehin ist die F-35 ein US-amerikanisch-europäisches Gemeinschaftsprojekt – wie der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall vor zwei Jahren verkündet hat, soll in diesem Jahr in einem neu gebauten Werk in Nordrhein-Westfalen die Produktion von F-35-Rümpfen begonnen werden.
„In dem neuen Werk sollen mindestens 400 F-35A-Rumpfmittelteile für die Luftwaffe und andere befreundete Nationen produziert werden“, so das Unternehmen. Die Kill-Switch-Diskussion, um die US-amerikanische Kontrolle der F-35 hatte schon Nato-Partner verprellt. Beispielsweise will Portugal jetzt erneut über den Kauf der Waffe nachdenken. Die US-Zollpolitik wird vermutlich ebenfalls Auswirkungen auf das Kaufverhalten von potenziellen Kunden haben, wie das Magazin Defense News Anfang des Jahres bereits vorhergesehen hatte – gerade im Flugzeug-, aber auch im Schiffbau.
Trumps Kriegserklärung wirkt zurück: Wichtige Rohstoffe für Flugzeug-Industrie fehlen
Für die Flugzeug-Industrie sind Stahl, Eisen, Aluminium und Kupfer notwendig, besonders wichtig sei jedoch das relativ leichte Aluminium. Aluminium werde im Flugzeugbau wegen seines hohen Festigkeits-Gewichts-Verhältnisses geschätzt und häufig für Flugzeugoberflächen, Tragflächen und Innenstrukturen verwendet, so Defense News-Autor Stephen Losey. Teurere Importe von Rohstoffen würden den Endpreis der Maschinen erhöhen. Sollten die Preise bereits vertraglich geregelt sein, hätte Trump seinen Flugzeugbauern mit seiner Außen- und Handelspolitik also die Bilanz verhagelt.
Darüber hinaus könnte sich die europäische Rüstungsindustrie gezwungen sehen, sich auf ihre eigenen Kräfte besinnen: „Die europäische Industriekapazität hat sich deutlich verbessert, und wir wollen Sicherheit bieten, nicht nur konsumieren“, zitiert Politico einen EU-Offiziellen. Demzufolge werde wahrscheinlich stärker in die eigene Fertigung investiert, um sich von der US-amerikanischen Dominanz freizuschwimmen. Möglicherweise sind China zeitgleich große Fortschritte im Flugzeugbau gelungen. Von der seit Ende Dezember durch die Medien fliegenden Maschine J-50 sind aktuell Bilder aufgetaucht; möglicherweise sogar neue. Die Maschine wird ohne klassisches Heck gebaut und verfügt offenbar über ausgefeilte Tarnkappen-Fähigkeiten – das Magazin The War Zone (TMZ) berichtete wiederholt.
Während Donald Trump gerade seine eingespielten Lieferketten und Produktionspartner verzockt, scheint China mit Stringenz vorwärtszukommen. TWZ-Autor Tyler Rogoway erinnert daran, dass die USA und China in ihren Entwicklungen offenbar unterschiedliche Wege gehen. Während die USA mit der F-47 auf Vorderflügel setzen, versucht sich China an einer Lambda-Form der Flugzeug-Tragflächen mit beweglichen Spitzen. Der deutlichste Unterschied: China hat seinen Kampfjet offenbar schon erfolgreich in der Luft, obwohl TWZ zweifelt, inwieweit die Bilder aktuell seien oder noch vom Flug Ende vergangenen Jahres stammen; laut Autor Rogoway sei von der chinesischen Kampfjet-Revolution in den vergangenen drei Monaten keine Spur mehr am Himmel zu sehen gewesen.
F-35 macht Probleme: Lockheed Martin hängt offenbar hinterher mit der Modernisierung der Maschinen
Breaking Defense hat kürzlich berichtet, dass die Luftfahrt-Industrie in Trump-Land ohnehin schwer angeschlagen ist und Boeing offenbar im F-47-Auftrag seinen Rettungsanker findet. Wie Valerie Insinna und Michael Murrow berichten, hoffen die Boeing-Manager mit dem Bau des neuen Kampfjets den Sinkflug des Unternehmens zu stoppen und hätten dafür Milliarden in den Bau neuer Produktionsanlagen am Produktionsstandort St. Louis gesteckt. Da die F-35 zwar von Konkurrent Lockheed Martin gebaut wird, allerdings ein multinationales Projekt ist, mit starker Beteiligung vor allem von Großbritannien, könnte der Zuschlag für Boeing auch politisch motiviert sein.
SAC J-50(?) 6th Gen Fighter Jet Testing Flight pic.twitter.com/JwSv6G2Zmo
— David Wang (@Nickatgreat1220) April 4, 2025
Breaking Defense hatte bereits im vergangenen Jahr berichtet, dass in der F-35 ohnehin mittlerweile der Wurm stecke. Lockheed Martin hängt offenbar hinterher mit der Modernisierung der Maschinen auf den Stand „Block 4“. Dazu gehören Hard- und Software-Updates, die der Hersteller offenbar bisher aus verschiedenen Gründen schuldig blieb – ein Kommentator aus dem US-Verteidigungsministerium sprach gegenüber dem Magazin von fehlender „Hardware-Designreife“ einiger Modernisierungen. Offenbar werde versucht, die fehlende Kompatibilität der Hardware mit geringer wertiger Software zu kompensieren. Autor Michael Marrow spricht von Vermutungen, dass die F-35 erst in den 2030er-Jahren auf dem Stand ihrer vollen Leistungsfähigkeit angelangt sein könnte.
Erzfeind baut für US-Militär: Teile für US-Kampfjets kommen auch aus China
Die Qualitätsmängel zumindest an zivilen Boeing-Maschinen und die scheinbaren Schwierigkeiten von Lockheed-Martin im Bau von Kampfjets scheinen einen Schatten zu werfen auf die realen Kapazitäten der US-amerikanischen Rüstungsindustrie – und ihre Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern. Im Jahr 2022 hatte das Magazin The Diplomat veröffentlicht, dass im Vorzeige-Flieger F-35 sogar Teile des Erzfeindes verbaut sind: dass nämlich „Magnete für die von Honeywell gelieferten Turbomaschinenpumpen aus China stammten“, wie das Magazin schrieb.
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„Das Pentagon hatte bereits zuvor eine Ausnahmegenehmigung für deren Einsatz in der Frühphase des Kampfflugzeugprogramms erteilt, da dies andernfalls zu inakzeptablen Verzögerungen der bereits um mehrere Jahre verzögerten Entwicklung geführt hätte. Und das, obwohl China – das inzwischen als einziges anderes Land eigene Kampfflugzeuge der fünften Generation im Einsatz hat – weithin als Hauptziel künftiger F-35-Einsätze gilt“, so Autor AB Abrams.
Offenbar ist kein Land in der Lage, allein aus nationalen Teilen ein modernes Rüstungsgut zu produzieren, geschweige denn in der Lage, Hochtechnologie ohne Teile aus Asien herzustellen. Was möglicherweise besonders für die USA gilt, wie Diplomat-Autor Abrams betont mit einem Hinweis auf den Verteidigungsjournalisten Brett Tingley, der als eine von vielen Stimmen 2021 kommentiert hat: „Derzeit sind die USA für den Großteil ihrer Technologien fast vollständig auf im Ausland produzierte Elektronik angewiesen, sowohl im Verteidigungs- als auch im Konsumgütersektor.“
