Kämpfe in Südostasien

Zusätzliche Front bei Kämpfen zwischen Thailand und Kambodscha

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Thailand und Kambodscha befinden sich seit drei Tagen im Konflikt an ihrer Grenze. Die Kampfhandlungen haben sich auf eine weitere Front ausgedehnt.

Bangkok/Phnom Penh – An der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha sind erneut Kämpfe entbrannt. Nach Angaben der Zeitung „Khaosod“ soll es eine dritte Front in der südlich gelegenen Provinz Trat geben. Beide Staaten beschuldigen einander, das Feuer eröffnet zu haben.

„Die Königlich-Thailändische Marine startete daraufhin die Operation ‚Trat Pikhat Pairee 1‘, um die kambodschanischen Streitkräfte zurückzudrängen, die an drei Punkten entlang der thailändischen Grenze eingedrungen waren“, schreibt die thailändische Zeitung The Nation. Der thailändischen Marine sei es jedoch gelungen, die kambodschanischen Streitkräfte zurückzudrängen.

Kambodschanische Arbeitsmigranten wollen Thailand verlassen

Die schweren Kämpfe führen zu einer Flucht von kambodschanischen Arbeitsmigranten zurück in ihre Heimat. Nach Angaben des Senders Thai PBS sollen sich vermutlich zehntausende von ihnen beantragt, die Grenze in Ban Laem in der Provinz Chanthaburi überqueren zu dürfen. In sozialen Netzwerken spricht man inzwischen von einem „Massenexodus“. Wie die kambodschanische Regierung mitteilt, lebten und arbeiteten 2024 mehr als 1,2 Millionen Kambodschaner in dem Nachbarland. Inden sozialen Medien sind Bilder zu sehen, auf denen Menschen mit ihren Habseligkeiten bepackt an dem Grenzübergang eintrafen.

Beide südostasiatische Länder werden von einer rund 800 Kilometer langen Grenzen geteilt. Bei den Kämpfen sind auf beiden Seiten Opfer zu beklagen. Nach Angaben der Phnom Penh Post unter Berufung auf das Verteidigungsministerium seien bislang 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter acht Zivilisten. Mehr als 70 Menschen weitere wurden verletzt, davon 50 Zivilisten. Die thailändische Regierung beziffert 14 Tote, darunter 13 Zivilisten und 60 teils schwer Verletzte. 130.000 Menschen sollen sich wegen der Kämpfe auf der Flucht befinden.

Die blutige Eskalation an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha bereitet auch international immer mehr Sorge.

Kambodscha und Thailand fordern sofortigen Waffenstillstand

Kambodscha fürchtet eine Eskalation und fordert ein sofortiges Ende der Feuergefechte. Der kambodschanische UN-Botschafter Chhea Keo sagte nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York: „Kambodscha forderte eine sofortige, bedingungslose Waffenruhe, und wir fordern auch eine friedliche Lösung des Konflikts.“ Thailand könne Kambodscha nicht glaubwürdig vorwerfen, das Land angegriffen zu haben, da dessen Armee nur ein Drittel so groß sei wie die Thailands. Umgekehrt forderte der thailändische UN-Botschafter Cherdchai Chaivaivid bei der UN-Sitzung ein umgehendes Ende der Feindseligkeiten durch Kambodscha, um einen Dialog zu starten. Er sprach von einem „rechtswidrigen und willkürlichen Akt der Aggression“. Die beiden Länder seien aber enge Nachbarn - die Gewalt müsse ein Ende finden.

Seit Jahren gibt es zwischen beiden Staaten einen schwelenden Konflikt. Nach Schusswechseln an der Grenze am Donnerstag hatte das thailändische Militär eigenen Angaben zufolge Kampfjets gegen kambodschanische Stellungen eingesetzt. Kambodscha reagierte mit Artilleriefeuer, auch auf Wohngebiete. Wer das Feuer eröffnete, bleibt weiter unklar. Seit Freitag herrscht in acht thailändischen Bezirken in den Provinzen Trat und Chanthaburi das Kriegsrecht. Mit dem Kriegsrecht ist es für das Militär einfacher, alle notwendigen Operationen durchzuführen, um Frieden und Ordnung zu bewahren, teilte das Außenministerium mit.

Darum geht es Thailand und Kambodscha

Der Verlauf der rund 800 Kilometer lange gemeinsamen Grenze wurde noch in der Kolonialzeit festgelegt. Beide Länder interpretieren diese Grenzziehung jedoch unterschiedlich. Vor allem aber gibt es Streit um den Tempel Prasat Preah Vihear, der zwischen dem 10. bis 12. Jahrhundert stammen soll. Und seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Beide Staaten beanspruchen den Tempel für sich. (erpe/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © dpa/Heng Sinith

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