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Zwischen Angst und Optimismus: internationale Perspektiven auf die Wahl

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Wohin sich Deutschland bewegt, hat auch international Folgen – überall andere. FR-Korrespondenten berichten, wie ihre Länder die Wahl sehen.

Frankfurt - Der drohende Erfolg der rechten AfD beschäftigt Beobachtende in vielen Teilen der Welt. Während weithin mit Sorge gesehen wird, wenn ausgerechnet in Deutschland Rechtsextreme in Parlamente drängen, freut man sich in Russland darüber. Denn die AfD ist ganz auf Moskaus Linie. Anderswo wird die Wahl dagegen kaum wahrgenommen, weil eigene Probleme sie in der Aufmerksamkeit verdrängen.

Südamerika: Alemania ist weit weg – Warum die Wahl in Lateinamerika kaum Beachtung findet

Die Bundestagswahl wird in diesen Wochen in Lateinamerika höchstens am Rande wahrgenommen. Nur sehr politisch interessierte Menschen wissen, wer da am Sonntag neben Kanzler Olaf Scholz überhaupt zur Wahl steht. Bestenfalls ist Alice Weidel in Lateinamerika noch ein Begriff, weil der Aufstieg der rechtsradikalen AfD in Deutschland in den Ländern der Region mit Verwunderung und bisweilen Erschrecken wahrgenommen wird.

Kennen Sie alle? Diese 41 Parteien wurden formal zur Bundestagswahl 2025 zugelassen

Bundestagswahl
41 Parteien wurden für die Bundestagswahl formal zugelassen, doch nur 29 davon nehmen teil. Zwölf der Mitte Januar vom Bundeswahlausschuss formal anerkannten Parteien werden bei der Abstimmung nicht dabei sein, wie die Bundeswahlleiterin Ende Januar in Wiesbaden mitteilte. Anders als langjährige Bundestags- und Landtagsparteien hatten vor allem kleinere Parteien beispielsweise noch eine erforderliche Anzahl von Unterstützerunterschriften nachweisen müssen. © IMAGO/Sascha Steinach
Bundestagswahl
SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, Freie Wähler, Volt, Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Bündnis Deutschland und das Bündnis Sahra Wagenknecht sind demnach in allen 16 Ländern mit Landeslisten vertreten. Die CDU tritt in allen Bundesländern außer Bayern an, die CSU (Foto) nur in Bayern. Die übrigen Parteien werden nicht in allen Ländern auf den Stimmzetteln stehen. Acht von ihnen treten den Angaben nach jeweils nur in einem Land an. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen.
Wir haben die 41 formal zugelassenen Parteien gesammelt. Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen. © Hendrik Schmidt / dpa
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025.
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025. © Thomas Banneyer / dpa
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck.
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck. © Georg Wendt / dpa
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.  © Moritz Frankenberg / dpa
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin.
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert / dpa
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen. Die Schwesterpartei der Union ist zugelassen für die Bundestagswahl – der Name von Parteichef Markus Söder wird darauf allerdings nicht auftauchen, er bleibt als Ministerpräsident in Bayern und will nicht nach Berlin. © Daniel Vogl / dpa
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © Hendrik Schmidt / dpa
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen.
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen. Seit der Absplitterung von den Linken sitzt das BSW auch bereits im Bundestag. © Hannes P Albert / dpa
Auch das Bündnis Deutschland ist zur Wahl zugelassen
Auch das Bündnis Deutschland – hier ein Foto aus dem Jahr 2022 – ist als Partei, die in einem Landtag vertreten ist, zur Wahl zugelassen. Die rechtskonservative, wirtschaftsliberale Partei ist mit sieben Abgeordneten in der Bremer Bürgerschaft vertreten. © Bernd von Jutrczenka / dpa
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten.
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten. © Daniel Vogl / dpa
Bayern-Partei ist zur Bundestagswahl zugelassen
Zu den 31 weiteren Parteien, die der Bundeswahlausschuss wegen eingehaltener Formalitäten zur Wahl zulässt, gehört auch die Bayernpartei. Sie setzt sich laut eigenen Aussagen für „Selbstbestimmung, Föderalismus und die Eigenstaatlichkeit Bayerns“ ein. Das Foto zeigt ein Plakat aus dem Wahlkampf zur Landtagswahl in Bayern 2023. © IMAGO/Goldmann
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD.
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD. Sie versteht sich als kommunistische deutsche Kleinpartei. © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019.
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019. © Revierfoto via www.imago-images.de
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl.
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl. © IMAGO / Jan Huebner
Auch auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl dabei: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft.
Auch formal zugelassen: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft. © IMAGO / Müller-Stauffenberg
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.  © IMAGO / IPON
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen.
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen. © Jörg Carstensen / dpa
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt.
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt. © IMAGO/Manfred Segerer
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen.
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen. © IMAGO / Karina Hessland
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie. © IMAGO/Sandy Dinkelacker
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament.
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament. © Kay Nietfeld / dpa
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © IMAGO/BODE
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht.
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht. © IMAGO/Revierfoto
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen. © IMAGO/Oliver Kaelke/DeFodi Images
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen.
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen. Das Symbolfoto zeigt eine Tafel mit etwaiger Aufschrift. © IMAGO / Bihlmayerfotografie
Auf dem Wahlzettel – hier ein Beispiel zur Europawahl 2024 – steht auch bei der Bundestagswahl die Partei MERA25.
Zugelassen ist auch die Partei MERA25. Sie steht nach eigener Aussage für „Linke Politik für Frieden, Solidarität und Freiheit“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Bild zeigt ein aktuelles Wahlplakat. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Franz Feiner
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar.
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar. Die Partei ist seit 1955 von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Dementsprechend sitzt mit Stefan Seidler gar ein Mitglied im Bundestag. Auch bei der Bundestagswahl 2025 ist die Partei wählbar. © Axel Heimken / dpa
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.  © IMAGO/Bernd Leitner
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW, bald auch auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025: Die Partei Die LIEBE.
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW: Die Partei Die LIEBE. © IMAGO/Juergen Schwarz
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa.
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa. © IMAGO/Stefan Zeitz
Die WerteUnion galt eigentlich als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat.
Die WerteUnion galt als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat. 2024 strebte Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen dann die Gründung einer eigenen Partei an, der er nun vorsitzt. Zur Bundestagswahl 2025 wurde die WerteUnion nun zugelassen. © Soeren Stache / dpa
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah.
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah. © IMAGO/Guido Schiefer
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen.
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen. Sie setzt sich gegen Kapitalismus und Krieg ein. Das Wahlplakat stammt aus dem Jahr 2023 aus Berlin. © IMAGO/Stefan Zeitz
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung. Sie setzt sich für die schnellere Entwicklung von Verjüngungstherapien ein. Das Plakat hing im Wahlkampf zur Europawahl 2024 in Chemnitz. © IMAGO/Fotostand / Nachtigall
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits.
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits. Beide wurden auch für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die ³ bei der V-Partei steht übrigens für „Veränderung, Vegetarier und Veganer“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Partei DIE SONSTIGE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE SONSTIGEN ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Laut Website steht man als „Friesenpartei“ für „skurrile Minderheiten, Systemwechsel & gegen neurechte Klima-Leugnung“. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Im Wahllokal kann man seinen Stimmzettel auch mit einem Kreuz bei der Dr. Ansay Partei in die Urne werfen.
Auch die Dr. Ansay Partei wurde zugelassen. © Patrick Pleul / dpa
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © bpb
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Plakat stammt aus der Kampagne zur Europawahl 2024. © IMAGO/Fotostand / Nieweler

Aber das Desinteresse an der Wahl in Deutschland liegt vor allem daran, dass eigene, zum Teil existenzbedrohenden Probleme, den Kontinent beschäftigen. Da droht US-Präsident Donald Trump Mexiko damit, die ökonomische Basis des Landes mit hohen Zöllen zu zerstören. In Kolumbien bedroht ein weit angelegter Angriff der Linksguerilla ELN die Stabilität, und steht zudem die Regierung von Linkspräsident Gustavo Petro wegen interner Differenzen vor dem Aus. In Argentinien ist der ultrarechte Präsident Javier Milei in einen Skandal um eine windige Krypto-Währung verstrickt und darüber in eine tiefe Krise gestürzt.

Angela Merkel bleibt bekannt: Olaf Scholz und die AfD nur Randthemen in Südamerika

Die „Dramen, Konflikte und Krisen“ vor Ort ließen „kaum Zeit für andere wichtige Schauplätze“, sagt stellvertretend die Kolumbianerin Elizabeth Yangana im Gespräch mit der FR. „Diese Wahl ist da sehr weit weg.“ Das deutsche Wahlsystem ist dazu so ungewohnt für die politische Kultur hier, dass viele Menschen bei Themen wie Fünfprozenthürde oder Optionen für Koalitionsverhandlungen abschalten. Beides ist in den weitenteils als Präsidialsystem organisierten Demokratien der Region unbekannt.

Javier Milei auf der Konferenz der US-Ultrarechten CPAC, wo er die Kettensäge, die für die Demontage des Staates steht, an Elon Musk übergab.

Angela Merkel ist so noch immer die bekannteste deutsche Politikerin in Lateinamerika. Ihr Nachfolger? Olaf Scholz als Bundeskanzler hat auch hier kaum Spuren hinterlassen. Man hat manchmal den Eindruck, als sei Weidel fast bekannter, was daran liegt, weil auch in den Berichten der Medien, wenn es sie denn gibt, vor allem das Phänomen des Aufstiegs einer ultrarechten, in Grenzen auch faschistischen Partei vorkommt. Die wenigen Artikel und Nachrichtensendungen streifen die Bundestagswahl allerdings nur kurz und dann liegt der Fokus meist auf der AfD und ihrer Führungsfigur. Von Klaus Ehringfeld

Frankreich: Angst vor dem Ausgang – Deutsche Wahl könnte Marine Le Pen in die Hände spielen

Die Lokomotive der Wirtschaft Europas, und dazu ein Hort politischer Stabilität: Das war Deutschland, für die Französinnen und Franzosen einmal, symbolisiert jüngst und nicht zuletzt durch die langen Merkel-Jahre. Vor der Bundestagswahl sind sich die Franzosen aber plötzlich nicht mehr so sicher.

Bestürzt verfolgen sie, dass Volkswagen – „das Auto“, wie die VW-Werbung auch in Frankreich schlicht und erfolgreich lautete – Stellen abbaut und Fabriken schließen könnte. Die wichtigste Pariser Zeitung, „Le Monde“, titelte kürzlich: „Die deutsche Rezession wird auf der bereits angeschlagenen Wirtschaft Frankreichs lasten.“ Konkret rechnet man in Paris damit, dass die Talfahrt der deutschen Wirtschaft die französische Konjunktur 0,1 Prozent Wachstum kostet.

Paris sorgt sich vor der Bundestagswahl.

In Paris, wo die von Präsident Emmanuel Macron eingesetzte Minderheitsregierung seit Monaten an einem seidenen Faden hängt, staunt man aber auch darüber, dass die einst beneidete deutsche Kompromisskultur spätestens mit dem Bruch der Ampelkoalition endete. Auf Friedrich Merz wartet man an der Seine mit gemischten Gefühlen.

CDU oder SPD? Paris setzt auf Stabilität und hofft auf eine proeuropäische Regierung

Der frühere Europa- und aktuelle Handelsminister Laurent Saint-Marin betont den „proeuropäischen Charakter“ des „frankophilen“ CDU-Kandidaten und meint, seine Wahlaussichten böten „gute Gründe, optimistisch zu sein“. Das Wochenmagazin „L’Express“ findet dagegen, ein Kanzler Merz wäre „keine gute Neuigkeit für Frankreich“. So wenig man in Paris Scholz vermissen werde, so sehr bestehe die Gefahr, dass sein Nachfolger auf die Schuldenbremse treten werde, wenn Macron eine gesamteuropäische Kreditaufnahme für Infrastruktur und Verteidigung vorschlagen sollte. Differenzen zwischen Berlin und Paris seien bei einem CDU-Wahlsieg programmiert.

Sorgen macht man sich in Paris aber vor allem wegen eines möglichen Erfolges der AfD. Die deutschen Rechten treten radikaler an als das Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen; und wenn sich der AfD-Vormarsch fortsetzen solle, hieße das, dass Le Pen mit ihrer im Vergleich moderateren Rhetorik bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 noch mehr Stimmen erhalten könnte. Zumal die Brandmauer hier genauso sehr bröckelt wie in Deutschland.

Ohne „Schadenfreude“ – das Wort wird in Frankreich in seiner deutschen Form verwendet – schaut das Land auf die Probleme des großen Partners jenseits des Rheins. Eher mit Beunruhigung. Ob CDU oder SPD gewinnt, dürfte für viele Französ:innen sekundär sein. In erster Linie hoffen sie auf eine Vernunftwahl, die aufs eigene Land abfärbt. Von Stefan Brändle

Russland: Moskau glaubt, mit seinem Gas die Wahl zu diktieren – und an einer Niederlage von Scholz

Ganz hervorragend läuft der Bundestagswahlkampf für Russland. Auf der Zielgerade erinnert Alice Weidel, die Kandidatin der rechten AfD, die Wähler:innen, die europäische Öffentlichkeit und nicht zuletzt das russische Fernsehvolk noch einmal eindringlich, Deutschland habe „drei Jahre verbal, finanziell, auch mit Waffen gegen Russland aufmunitioniert“. Ein Satz wie aus einer der neuen russischen Propagandaschulpassagen über die angebliche kriegerische Aggression der EU via Ukraine gegen Putins Friedensstaat.

Entzückt von der AfD sind so die kremlnahen Kommentatoren und bedauern nur, dass Weidels Partei nach diesem Urnengang wohl noch keine Chancen auf eine Mehrheit oder Regierungsbeteiligung hat, anders als der Kandidat des Kremls in Washington am Beginn dieses Winters. Aber über 20, wenn nicht 25 Prozent der Stimmen werde die AfD holen, freut sich das linientreue Portal „Argumenty i Fakty“.

Die Partei habe ja auch die Unterstützung der Trump-Administration, der ein möglicher Wahlsieg von Friedrich Merz nicht passe, weil dann eine neue Eskalation in der Ukraine drohe. Und die Staatsagentur RIA Novosti lässt den AfD-Bundestagsabgeordneten Kai Gottschalk zu Wort kommen: Donald Trump helfe ganz Europa, endlich wieder normal zu werden und Russlands Interessen in Europa anzuerkennen, sagt der, ebenfalls getreu der Linie des Kremls.

Putins Propaganda in Deutschland: Wie russische Medien Wähler beeinflussen wollen

Dass Mainstream-Medien in Russland jetzt so viel AfD zitieren, hat bei geschätzt bis zu fünf Millionen russischsprachigen Bundesbürger:innen auch banale wahltaktische Ziele. Man will möglichst viele Wähler:innen, die Moskaus Internet-TV verfolgen, für Putins deutschen Fanklub mobilisieren. Aber Moskaus Blick auf die Bundestagswahlen wird auch von seiner Aufregung über einen historischen Deal mit Trumps Amerika diktiert. Man wähnt sich auf der Siegesstraße und die Welt aus den Fugen, auch Deutschland.

Moskau sieht sich durch das Erstarken der AfD im Aufwind.

Dass Olaf Scholz diese Wahlen verlieren werde, liegt laut dem nationalistischen TV-Kanal Zargrad an den billigen Energieträgern Russlands, die er verschmäht habe. „Das russische Gas diktiert die deutschen Wahlergebnisse.“ Dagegen erklärt eine Moderatorin des oppositionellen Exilsenders TV Doschd dem heimischen Publikum, der mögliche Wahlsieger Merz habe gemeinsame Sache mit der AfD gemacht, er gehöre zu den Rechtspopulisten, die drauf und dran seien, die Demokratie in Europa zu beseitigen.

Die Rechten seien im Osten so erfolgreich, weil die DDR im Gegensatz zur BRD nationale Traditionen wie „Blut und Boden“ konserviert habe, erklärt indessen Maxim Schewschtschenko ein anderer Moskauer „Deutschlandexperte“. Von Stefan Scholl

Rubriklistenbild: © IMAGO/ZUMA Press Wire

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