2023 so wenige Schmetterlinge wie nie – was das zu bedeuten hat
VonInes Alms
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Nie zuvor wurden bei einer Zählaktion des Naturschutzbunds Deutschland so wenige Schmetterlinge gesichtet. Nach den Ursachen wird jetzt geforscht.
Auch wenn es viele Regentage gab, wurden beim Insektensommer 2023, einer Zählaktion des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) und seinem Bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz), zahlreiche Insekten gesichtet. An mangelnder Teilnahme lag es also nicht, dass dabei so wenige Schmetterlinge gezählt wurden. Diese Tiere sind für das Ökosystem jedoch sehr wichtig, daher gibt es jetzt Handlungsbedarf.
Klima und Nahrungsangebot ungeeignet für Tagfalter
Ausgerechnet das Landkärtchen (Araschnia levana), Insekt des Jahres 2023, zählt zu den Schmetterlingen, deren Zahl stark zurückgegangen ist. NABU-Insektenexpertin Dr. Laura Breitkreuz erklärt: „2023 ist wirklich gar kein Schmetterlingsjahr. Noch nie wurden uns so wenige Falter gemeldet. Hier spielt sicher die Klimakrise, die extremes Wetter mit sich bringt, sowie der immer kleiner werdende Lebensraum und ein schlechteres Nahrungsangebot eine Rolle. Vielen Tagfalterarten, wie dem Kleinen Fuchs, dem Landkärtchen oder dem Schornsteinfeger, wird es offenbar zu warm und trocken. Sie ziehen sich vermutlich in kältere Regionen zurück.“
Die genauen Ursachen für die geringen Schmetterlingszahlen sind aber nicht bekannt, daher sieht der Naturschutzbund dringenden Forschungsbedarf, um den Schwund aufzuhalten. Denn Schmetterlinge sind nicht nur schön anzusehen, wie Breitkreuz betont: „Sie sind vor allem wichtige Bestäuber. Zudem brauchen Vögel und Fledermäuse sie als unverzichtbare Nahrung.“
Hilfsmaßnahmen für Falter und Gewinner des Klimawechsels
Zumindest beim Erhalt der Lebensräume für Schmetterlinge kann jeder Balkon- und Gartenbesitzer etwas tun: mit insektenfreundlichen Stauden, duftenden Kräutern oder einer Hecke mit Wildsträuchern. Wer Vielfalt mag, kann auch einen Teil seines Gartens in eine bunte Wildblumenwiese umwandeln. So oder so ist es wichtig, heimische Blumen zu pflanzen und diese so auszuwählen, dass von Frühjahr bis Herbst immer etwas blüht. Auch Raupen benötigen ein Futterangebot. Wenn der Winter naht, freuen sich vor allem die Puppen mancher Falter über Laub- und Reisighaufen.
Einen Gewinner gab es zumindest bei der Insektenzählung: Die Erdhummel wurde wie im Jahr 2022 am häufigsten gesichtet. Auch die Blaue Holzbiene konnte im Vergleich zum Vorjahr zulegen und hat sich offenbar weiter in ganz Deutschland ausgebreitet. Sie findet im Gegensatz zu den Tagfaltern dank der wärmeren Sommer bessere Lebensbedingungen.