Neue Behandlungsmöglichkeiten

Neuer Wirkstoff macht Hoffnung für therapieresistenten Prostata- und Blasenkrebs

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Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern. Forscher haben jetzt einen Wirkstoff entdeckt, der künftig auch therapieresistente Formen bekämpfen könnte.

Prostatakrebs betrifft viele Menschen: alleine in Deutschland erkrankten laut Robert Koch-Institut (RKI) 2020 etwa 66.000 Männer. Etwa 12.000 von ihnen entwickelten eine behandlungsresistente Form, für die es keine Heilung gibt. Ein Forscherteam der Universität Freiburg hat nun einen Wirkstoff entwickelt, der für diese Personengruppe eine neue Behandlungsmöglichkeit darstellen könnte.

Neuer Hemmstoff mit Potenzial

Manchmal lässt sich Prostatakrebs trotz Behandlung nicht stoppen. Ein neuer Wirkstoff könnte das künftig ändern (Symbolbild)

Bei einem Prostatakarzinom gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, die von Operationen über Bestrahlung bis hin zu Hormontherapien reichen. Wird der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt und hat noch keine Metastasen gebildet, zielt die Behandlung darauf ab, den Patienten zu heilen. Bei Hormontherapien kann es jedoch passieren, dass der Tumor irgendwann unempfindlich gegenüber der Behandlung wird, wie die Prostata Hilfe Deutschland erklärt. Das bedeutet, dass die Krebszellen kein Testosteron mehr brauchen, um sich zu vermehren und ein Hormonentzug oder eine Hormonblockade keine Wirkung mehr zeigen. Man spricht dann von einer behandlungsresistenten Form des Prostatakrebs.

Wissenschaftler der Universität Freiburg haben nun einen Wirkstoff entwickelt, der auch diese Form des Prostatakrebses erfolgreich behandeln könnte. Er trägt den Name KMI169 und richtet sich gegen das Enzym KMT9, das bei der Entstehung von Prostatakrebs eine wichtige Rolle spielt. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Fachleute im Wissenschaftsjournal Nature Communications.

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Wirkstoff könnte auch bei Blasenkrebs zum Einsatz kommen

„Wir hatten das Enzym KMT9 schon lange als möglichen Angriffspunkt bei Prostatakrebs im Visier. Die Entwicklung des spezifischen Hemmstoffs ist jetzt ein entscheidender Schritt, um Prostatakrebs deutlich besser zu bekämpfen“, heißt es von Studienleiter Prof. Dr. Roland Schüle vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Forscher konnten in Zellkulturen nachweisen, dass das Enzym bei der Entstehung und dem Wachstum bestimmter Krebsarten wie Prostata- oder auch Blasenkrebs ein wichtiger Faktor ist.

„Der Hemmstoff passt wie ein maßgeschneiderter Schlüssel in sein Schloss und blockiert die Funktion von KMT9 und damit auch das Wachstum sowohl von Prostata- als auch Blasenkrebszellen“, so Co-Autor Prof. Dr. Manfred Jung. Der neue Wirkstoff könnte in Zukunft auch die Behandlung von therapieresistentem Prostatakrebs ermöglichen, so die Hoffnung der Experten.

Prostatakrebs – das sind die Symptome

Um die Heilungschancen zu verbessern, ist es wichtig, Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen, so die Deutsche Krebsgesellschaft. Meist zeigen sich Symptome aber erst, wenn der Tumor so groß ist, dass er auf die Harnröhre übergreift oder wenn sich Metastasen außerhalb der Prostata gebildet haben. Da Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist, empfehlen die gesetzlichen Krankenkassen männlichen Patienten ab 45 Jahren, einmal im Jahr die Prostata von einem Arzt abtasten zu lassen und auf mögliche Warnzeichen zu achten.

Folgende Beschwerden können laut Deutscher Krebsgesellschaft auf Prostatakrebs hindeuten:

  • vermehrter Harndrang (insbesondere nachts)
  • Schwierigkeiten zu Beginn des Urinierens oder Harnverhalt
  • schwacher oder unterbrochender Harnfluss
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Potenz- und Errektionsprobleme
  • starke Schmerzen im unteren Rücken, in der Hüfte oder den Oberschenkeln
  • Schmerzen bei der Ejakulation

Oft steckt hinter den Symptomen auch eine gutartige Prostatavergrößerung, erklären die Krebs-Experten. Eine Untersuchung beim Arzt bringt Klarheit.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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