VonFabian Hartmannschließen
In Südtirol könnten Restaurants bald mehr Transparenz bieten. Allerdings gibt es aus der Branche Kritik wegen des erforderlichen Verwaltungsaufwands.
Bozen – Viele Verbraucher wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Im Supermarkt wird der Ursprung von Eiern, Fisch, unverarbeitetem Fleisch sowie den meisten Obst- und Gemüsearten bereits auf der Verpackung deklariert. Daneben gibt es natürlich auch noch andere Bezeichnungen, wie etwa die Nährwert-Ampel, die für Verbraucher hilfreich sein kann. In der Gastronomie gibt es in Deutschland bislang keine Pflicht zur Herkunftskennzeichnung von Produkten.
Anders könnte es dagegen schon bald in Südtirol sein: Die norditalienische Alpenregion, die jährlich zigtausende Touristen anzieht, könnte künftig mit gutem Beispiel vorangehen: Abgeordnete brachten einen Gesetzentwurf ein, der Gaststätten und Mensen verpflichten soll, die Herkunft einiger tierischer Produkte für Gäste nachvollziehbar zu deklarieren.
Südtirols Landtag diskutiert Gesetzentwurf – Vorstoß zu neuer Kennzeichnungspflicht für Restaurants
Bis jetzt gilt in Südtirol eine frühere Regelung aus dem Jahr 2023, der zufolge in Gaststätten und Mensen zu Produkten in der Speisekarte lediglich eine Sammelangabe gemacht werden muss, ob die Produkte „aus der EU“ oder „nicht aus der EU“ kommen. Kritiker warfen der Richtlinie jedoch vor, zu vage zu sein und wandten zudem einen Mangel von Kontrollen ein.
Der neue Gesetzentwurf, der am Mittwoch vom vierten Gesetzgebungsausschuss des Landtags Südtirol angenommen wurde, sieht eine Deklaration der Herkunft von Eiern, Fleisch und Milchprodukten in der Gastronomie vor. Dabei muss entweder klar sein, aus welchem Land das Produkt stammt, alternativ ist auch die Nennung einer Region rechtens. Eingebracht wurde der Gesetentwurf von den Abgeordneten Brigitte Foppa, Hanspeter Rohrer und Zeno Oberkofler (Grüne) sowie Franz Locher und Waltraud Deeg (SVP).
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Durch den Gesetzentwurf soll Restaurantbesuchern mehr Transparenz ermöglicht werden, daneben soll aber auch die regionale Landwirtschaft von ihm profitieren, wie die Abgeordneten Foppa und Locher gemeinsam Tageszeitung.it erklärten: „Eine transparente Kennzeichnung kann den Konsum regionaler Produkte fördern und damit die Südtiroler Landwirtschaft stärken. Dieser Gesetzentwurf ist eine Chance, die Herkunft unserer Lebensmittel transparenter und den Wettbewerb gerechter zu gestalten“, so die Abgeordneten.
Begrüßt wird das Vorhaben für mehr Transparenz der Herkunft tierischer Produkte in Gaststätten und Mensen Südtirols auch von SVP-Senatorin Julia Unterberger. Aus ihrer Sicht ist die neu angestrebte Richtlinie der richtige Kurs, Konsumenten zu schützen und die lokale Landwirtschaft voranzubringen. „Die Verbraucher achten zunehmend auf die Güte der Lebensmittel, die ethischen Aspekte ihrer Herstellung und kurze Transportwege“, sagte Unterberger Südtirol News. Deshalb hoffe sie, dass die Gesetzesinitiative rasch ihre Umsetzung findet.
Doch Unterberger hegt noch weitere Hoffnungen mit dem Vorhaben. Sie hofft, dass Südtirol als Vorreiter der neuen Transparenz-Richtlinie Nachahmer in ganz Italien finden könnte, sodass das Gesetz später einmal aufs ganze Land ausgeweitet wird. „Aus diesem Grund werde ich eine Anfrage an Minister Lollobrigida richten, um seine Bereitschaft zu erkunden, diese Initiative auf Mensen und Restaurants in ganz Italien auszuweiten“, fügte die SVP-Senatorin an.
Handelsverband mahnt: Gesetz würde Südtirol-Restaurants mit neuen bürokratischen Hürden belasten
Doch längst nicht alle befürworten den Gesetzentwurf. Philipp Moser, Präsident vom Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol (hds), warnt: „Dem bewussten Konsumieren von Lebensmitteln ist sicher nichts entgegenzusetzen. Aber anstatt neue Verpflichtungen zu schnüren oder neue Bürokratie einzuführen, sollten die Ressourcen besser in Sensibilisierung investiert werden“, betont Moser in einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung des Verbands. „Neue Verpflichtungen sind der falsche Weg“, betont der hds-Präsident.
In Gastronomiebetrieben mit täglich wechselnden oder mehrsprachigen Menüs etwa würde die neue Verpflichtung eine zusätzliche Auflage bedeuten. Weil diese in gastronomischen Betrieben in Südtirol aber ohnehin hoch seien, würde die neue Richtlinie eine deutliche bürokratische Mehrbelastung für Restaurants nach sich ziehen.
Aktuell wird der Gesetzentwurf im Plenum des Südtiroler Landtags weiter debattiert. Abzuwarten bleibt, was für die Abgeordneten schwerer wiegt: Die Transparenz, das Tierwohl und die regionale Landwirtschaft mit einer Herkunftsbezeichnung zu stärken, oder wegen zusätzlichem bürokratischen Aufwand für Gaststätten doch auf das neue Gesetz zu verzichten. Sollte eine neue Richtlinie kommen, würde sie jedenfalls auch für Touristen Südtirols eine Neuerung bedeuten – davon aber gibt es in der beliebten Urlaubsregion in den Alpen schon so einige. (fh)
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