Berechtigte Sorge?

Akku-Haltbarkeit bei E-Autos: Zwischen Mythos und Realität

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Akkus von E-Autos altern – ihre Kapazität nimmt im Laufe der Zeit ab. Allerdings zeigen Studien, dass Elektroauto-Batterien wohl deutlich länger halten als man früher annahm. (Symbolbild)
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Wie lange ein E-Auto-Akku hält, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neue Studien zeigen aber, dass die reale Nutzung die Batterien weniger belastet als bisher angenommen.

Beim Kauf eines Elektroautos stellen sich viele Interessenten die gleiche Frage: Wie lange hält eigentlich die Batterie? Die Sorge, dass der Akku nach wenigen Jahren an Leistung verliert oder gar komplett ersetzt werden muss, hält viele potenzielle Käufer zurück. Schließlich ist die Batterie in aller Regel das teuerste Bauteil eines E-Autos – und ein Austausch des Akkus kann schnell mehrere tausend Euro kosten. Diese Bedenken sind verständlich, doch aktuelle Daten und Studien zeichnen ein deutlich positiveres Bild.

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Alterungsfaktoren: Zeit und Ladezyklen

Die Lebensdauer eines Akkus wird vor allem durch zwei Hauptfaktoren beeinflusst: das chronologische Alter sowie die Anzahl der Ladezyklen. Unter dem „natürlichen“ Altern des Akkus versteht man, dass dessen Kapazität sich im Laufe der Zeit allmählich verringert. Aber auch das sogenannte „zyklische Alter“ – also die Anzahl der Ladevorgänge – entscheidet über den Gesundheitszustand der Batterie. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je näher die Batterie an einen Ladezustand von null oder einhundert Prozent kommt und dort verweilt, desto ungünstiger ist es für den Akku.

Schonende Nutzung: So verlängern Sie die Akku-Lebensdauer

Was man auf jeden Fall vermeiden sollte: Den Akku nach jeder kurzen Fahrt sofort wieder an eine Ladestation hängen und auf 100 Prozent bringen. Auch häufiges Schnellladen gilt als wenig zuträglich für die Lebensdauer der Akkus – doch wie problematisch das Schnellladen für die E-Auto-Batterien wirklich ist, ist umstritten. Als besonders schädlich gilt eine sogenannte Tiefenentladung – dies kann beispielsweise passieren, wenn nur noch wenig Energie im Akku ist und das Fahrzeug für längere Zeit abgestellt wird. Auch im geparkten Zustand verlieren E-Autos Energie, dieses Phänomen nennt sich „Vampire Drain“ – bei modernen Elektroautos liegt der Verlust aber in der Regel bei weniger als einem Prozent pro Tag. Dennoch sollte man die Batterie vor längeren Standzeiten ausreichend laden.

Herstellergarantien: Grober Indikator für die Mindesthaltbarkeit

Einen groben Richtwert, wie lange ein E-Auto-Akku hält, geben die Garantieversprechen der Hersteller – die sind erfahrungsgemäß eher zurückhaltend geschätzt. Die meisten Hersteller garantieren, dass die Akkukapazität eines E-Autos innerhalb von acht Jahren oder bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern nicht unter 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität fällt – einige E-Autobauer, wie beispielsweise Tesla bei manchen Modellen, geben auch höhere Kilometergarantien. Voraussetzung ist immer, dass die Fahrzeuge nach Herstellervorgaben gewartet werden. Auch grobe Verstöße gegen die Benutzerregeln, die in der Betriebsanleitung zu finden sind, können laut ADAC dazu führen, dass Garantieansprüche verloren gehen. Große Vorsicht ist beispielsweise beim Abschleppen von E-Autos geboten: Viele Fahrzeuge dürfen gar nicht selbst abgeschleppt werden, sondern müssen verladen werden. Unsachgemäße Behandlung der Batterie können die Hersteller durch gespeicherte Daten in aller Regel nachweisen.

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Überraschende Studienergebnisse: Batterien halten länger als gedacht

Mittlerweile gibt es einige Studien – wie beispielsweise von einem kanadischen Technologieunternehmen – die zeigen, dass die Akkus von Elektroautos länger halten als früher angenommen. Eine Untersuchung der renommierten Stanford-Universität in den USA brachte weitere überraschende Erkenntnisse hervor: Elektroauto-Batterien halten unter realen Fahrbedingungen bis zu 40 Prozent länger als in Labortests angenommen. Bisher wurden Batterien in Laboren unter konstanten Bedingungen getestet, was zu einem verzerrten Bild ihrer Lebensdauer führte. „Zu unserer Überraschung trägt echtes Fahren mit häufigem Beschleunigen, Bremsen, das die Batterien ein wenig auflädt, kurzen Stopps beim Einkaufen und stundenlangem Ruhen der Batterien dazu bei, dass die Batterien länger halten, als wir aufgrund von Labortests nach Industriestandard gedacht hatten“, erklärte Simona Onori, leitende Studien-Autorin und Professorin für Energiewissenschaft und -technik an der Stanford Doerr School of Sustainability.

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