„400 bis 500 Fahrzeuge“ täglich

Einnahmen im fünfstelligen Bereich: Insider packt über Parkplatz-Überwachung bei Rewe, Aldi und Edeka aus

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Auf vielen Supermarkt-Parkplätzen gibt es eine elektronische Parkplatz-Überwachung. Die Anbieter dieses Service sollen am Tag teils fünfstellige Summen einnehmen. (Symbolbild)
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Zu lange auf dem Supermarkt-Parkplatz geparkt? Das kann teuer werden. Für die Firmen, die die Dienstleistung anbieten, ist es ein lukratives Geschäft.

Kassel – Nach der Arbeit geht es für viele noch schnell zum Einkaufen. Sie stellen das Auto auf dem Parkplatz ab und springen kurz in den Supermarkt, um sich für die kommenden Tage mit Lebensmitteln einzudecken. Für einen Rewe-Kunden endete genau das jedoch in einem Strafzettel. Der Kunde hatte eine der Parkplatzregeln nicht beachtet und wurde dafür abgemahnt.

Viele Supermärkte wie zum Beispiel Edeka, Rewe und Aldi setzen auf Parkraum-Überwachungs-Firmen, um ihre Parkplätze frei von Falsch- und Dauerparkern zu halten. Eigentlich auch eine Maßnahme im Sinne der Kunden. Denn so wird garantiert, dass auch alle Parkplätze diesen wirklich zur Verfügung stehen und nicht etwa von Dauerparkern besetzt werden. Sie kommt bei den Verbrauchern allerdings oft gar nicht gut an. Oft wird den Parkraum-Überwachern vorgeworfen, möglichst viele Strafzettel auszustellen. Lukrativ ist das Geschäft allemal, wie ein Insider dem Nachrichtenportal Focus verriet.

Fünfstellige Einnahmen durch Parkplatz-Überwachung – obwohl nur ein Bruchteil der Supermarkt-Kunden einen Strafzettel bekommt

Der Insider spricht von fünfstelligen Summen, die allein ein Anbieter pro Tag eingenommen haben soll. Und das, obwohl ihm zufolge gerade einmal 0,1 Prozent der erfassten Autos eine Strafe aufgebrummt bekommen. „Es sind etwa 400 bis 500 Fahrzeuge bundesweit, die einen Strafzettel bekommen“, konkretisiert der Insider. Bei 30 Euro pro Vergehen sind das zwischen 12.000 und 15.000 Euro.

Die tatsächlichen Einnahmen sind jedoch etwas geringer. Denn: „Viele legen Einspruch ein oder müssen aus Kulanz nicht zahlen.“ Fünfstellig seien sie trotzdem, so der Insider. Hochgerechnet aufs Jahr ergibt das Einnahmen in Millionenhöhe.

Und der Parkservice-Dienstleister ist damit nicht allein. Im Rahmen eines rbb-Beitrags erklärte der Parkplatz-Überwachungs-Dienstleister Parkdepot, „99,95 Prozent der NutzerInnen halten die Parkbedingungen ein“. Bei täglich einer Million erfasster Parkvorgänge sind das dennoch Einnahmen von 20.000 Euro.

Parkplatz-Überwachung ist sichere Einnahmequelle – teils wird jedoch fälschlicherweise abgemahnt

Parkplatz-Überwachungsfirmen wie Parkdepot, Better Park, Park & Collect, fair parken, Loyal Parking, PRS Parkraumservice oder PRM Parkraummanagement verdienen also trotz geringer Abmahnraten mehr als gut an ihrem Geschäftsmodell. Dennoch werden immer wieder Beschwerden laut, deren zufolge es die Firmen darauf anlegen, möglichst viele Autofahrer abmahnen zu können. In einem Fall soll ein Anbieter für einen Parkplatz bis zu 60 Knöllchen pro Tag ausgestellt haben. Konkrete Beweise gibt es jedoch nicht.

Fakt ist jedoch: Es kommt immer wieder vor, dass fälschlicherweise Strafzettel ausgestellt werden. In solchen Fällen können Betroffene Einspruch einlegen und kommen um die Strafe herum.

Aber auch wenn definitiv ein Verstoß begangen wurde, ist die Strafe nur unter bestimmten Voraussetzungen legitim. Zum einen muss die Höhe der Strafe in einem angemessenen Verhältnis zum Parkverstoß stehen, informiert die Verbraucherzentrale. Außerdem müssen die geltenden Parkregeln für den Kunden klar ersichtlich gewesen sein – etwa durch gut sichtbare Schilder.

Wann es sinnvoll ist, Einspruch gegen Strafzettel der Supermarkt-Parkplatz-Überwachung einzulegen

Ein Einspruch kann sinnvoll sein, wenn die Hinweise auf dem Parkplatz nicht deutlich waren oder die geforderte Strafe unverhältnismäßig hoch erscheint. Der ADAC empfiehlt in einem solchen Fall am besten schriftlich Widerspruch einzulegen. Wird der Strafzettel nicht per Post zugestellt, sondern direkt am Auto hinterlassen, ist es zudem ratsam, selbstständig Beweise zu sichern. So können etwa Fotos von schlecht sicht- oder lesbaren Hinweisschildern gemacht werden. (sp)

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