Geschlossenes Ökosystem

Anbau im Flaschengarten: Mini-Gewächshaus mit Heidelbeeren, Ingwer und Knoblauch

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Ein Flaschengarten ist die simpelste Variante der Zimmerbepflanzung: Sie müssen ihn nur einmal aufstellen und dann im Grunde nie wieder etwas machen.

Er sieht hübsch aus und macht fast keine Arbeit: Der Flaschengarten ist eine beliebte Zimmerdekoration. Aber wussten Sie, dass Sie den Mikrogarten sogar zum Anbau nutzen können? Er eignet sich nicht nur zum Regrowing von Gemüseresten. Mit Glück können Sie in ihm sogar Heidelbeeren ernten.

Was ist ein Flaschengarten?

Einen Mini-Garten im Glas bauen Sie ganz einfach selbst: Sie brauchen dafür ein großes Einmachglas (vorzugsweise ein bis drei Liter), Kies, Erde, geeignete Pflanzen und etwas Wasser. Ist alles fertig, müssen Sie nur noch den Deckel zu machen und fast nie wieder öffnen. Die Tradescantia von David Latimer wurde nach zwölf Jahren zum ersten Mal wieder gegossen und ist mittlerweile 50 Jahre alt. So einen Rekord schaffen wohl die wenigsten Flachengärten. Aber viel drum kümmern müssen Sie sich dennoch nicht. Damit passt der Flaschengarten ideal zu viel beschäftigten Menschen. Er eignet sich auch wunderbar fürs Kinderzimmer.

Im Flaschengarten gedeihen viele Pflänzchen, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen.

So legen Sie einen Flaschengarten an

Sie brauchen dafür ein großes Gefäß, das Sie möglichst luftdicht verschließen können. Zusätzlich benötigen Sie etwas Kies (werblicher Link) und Anzuchterde. Wenn Sie wollen, können Sie auch noch schöne Steine verwenden, um Ihr „ewiges Terrarium“ zu verzieren. Und natürlich brauchen Sie Pflanzen.

  1. Reinigen Sie Flasche und Steine zuerst gründlich, am besten in kochendem Wasser.
  2. Füllen Sie den Boden zwei Zentimeter hoch mit Kies.
  3. Geben Sie nun etwa vier Zentimeter hoch Erde ins Glas. Ist der Flaschenhals sehr eng, können Sie einen Trichter dafür verwenden.
  4. Formen Sie eine kleine Mulde in die Mitte des Glases und setzen Sie Ihre Pflanze dort hinein. Sie können eine lange Pinzette zur Hilfe nehmen. Wenn Sie mehrere Pflanzen verwenden, achten Sie auf genug Abstand.
  5. Moos füllt gut die Ränder.
  6. Gießen Sie jetzt genug Wasser hinein, dass das Substrat schön feucht, aber nicht triefend nass ist.
  7. Deckel drauf – und fertig.

Nun müssen Sie nur alle paar Monate etwas Wasser nachgießen – oder wie David Latimer einmal in zehn Jahren.

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Ökosystem im Glas pflegen

Stellen Sie das Glas an einen hellen Ort, aber nicht in die pralle Sonne. Im besten Fall müssen Sie nichts mehr machen. Im Flaschengarten herrscht nun ein geschlossenes Ökosystem. Das Wasser, das die Pflanze verbraucht, kondensiert und kann von ihr neu aufgenommen werden. Tote Pflanzenteile werden von Kleinstlebewesen in der Erde zersetzt. Wichtig ist vor allem, darauf zu achten, dass im Glas die richtige Menge Feuchtigkeit ist. Ist das Glas zu nass, schimmeln seine Bewohner. Ist es zu trocken, verdursten sie.

  • Zu viel Wasser: Morgens sollte sich Tau an den Gläsern befinden. Bleibt der allerdings den ganzen Tag, ist der Mikrogarten zu feucht. Lüften Sie ihn für 24 Stunden bei offenem Deckel.
  • Zu wenig Wasser: Finden Sie morgens wenig bis gar keinen Tau, ist die Erde zu trocken. Geben Sie etwas Wasser nach.

Typische Pflanzen fürs Glas

Die besten Bewohner für das Ökosystem im Glas sind Mini-Pflanzen aus einem feucht-warmen Klima. Tropische Gewächse sind dafür ideal:

  • Farne
  • Begonien
  • Mosaikpflanzen
  • Orchideen
  • Pilea
  • Efeutute 
  • Peperomia

Auch Sukkulenten und Kakteen können Sie im Flaschengarten halten. Dann sollten Sie allerdings den Deckel offen halten – sonst wird es den Pflanzen zu feucht.

Die zehn schönsten und außergewöhnlichsten Sukkulenten für Innenräume

Rosettendickblatt (Aeonium arboreum atropurpureum)
Black is beautiful: Das Rosettendickblatt (Aeonium arboreum atropurpureum) bildet mit seinen rot-schwarzen Blättern einen interessanten Kontrast zu den knallgelben Blüten.  © agefotostock/Imago
Schildkrötenpflanze (Dioscorea elephantipes) mit Caudex
Die sukkulente Schildkrötenpflanze (Dioscorea elephantipes) dürfte Sie überleben: Ihr Stamm, der sogenannte Caudex, wird über 100 Jahre alt und bis zu einem Meter groß. Daraus sprießt in den Wachstumsphasen als schöner Kontrast ein zart belaubter, kletternder Trieb. © agefotostock/Imago
Erdbeerkaktus (Gymnocalycium Mihanovichii) und andere Sukkulenten in Töpfen
„Hallo, hier komme ich!“, ruft der zu den Sukkulenten zählende Erdbeerkaktus (Gymnocalycium Mihanovichii). Wem er nicht auffällt, der ist vermutlich farbenblind. © Pond5 Images/Imago
Lithops, Lebende Steine in einer Hand
Lithops, Lebende Steine, sind Überlebenskünstler, die an sehr extremen Standorten existieren können. Und dabei blühen sie sogar. © Pond5 Images/Imago
Königs-Agave (Agave Victoriae-Reginae) in Nahaufnahme
Die raffiniert gestreifte Königs-Agave (Agave Victoriae-Reginae) trägt zwar einen großen Namen, wird im Gegensatz zu vielen Freiland-Agaven aber nur etwa 20 Zentimeter hoch. © Pond5 Images/Imago
Sukkulente Crassula Kimnachi ‚Buddha‘s Temple‘
Die Sukkulente Crassula Kimnachi wird wegen ihrer außergewöhnlichen pagodenhaften Form auch ‚Buddha‘s Temple‘ genannt. © agefotostock/Imago
Mondstein (Pachyphytum oviferum) mit Blüte
Der Mondstein (Pachyphytum oviferum) ist kein Unbekannter, aber mit den rosa-blauen Dickblättern nicht minder attraktiv. © Panthermedia/Imago
Baseball-Wolfsmilch (Euphorbia obesa) in Topf
Wie eine Krone prangt die dicke Baseball-Wolfsmilch (Euphorbia obesa) in ihrem Topf.  © Panthermedia/Imago
Mehrere Wolfsmilche (Euphorbia lactea ‚Cristata‘) in Töpfen
Weder Koralle noch Alien: Die Wolfsmilch (Euphorbia lactea ‚Cristata‘) ist zwar sehr pflegeleicht, aber auch giftig. © Pond5 Images/Imago
Sukkulente Kiebitzei-Kurzstiel (Adromischus cooperi var. festivus)
Die Tüpfel des Kiebitzei-Kurzstiels (Adromischus cooperi var. festivus) ähneln der Eier-Musterung des Kiebitzvogels. © imagebroker/Imago

Heidelbeeren selbst anbauen im gläsernen Mini-Garten

Ein Flaschengarten ist hübsch, aber nicht nützlich? Das stimmt nicht unbedingt! Es gibt auch einige Nutzpflanzen, die sich in der warmen, feuchten Atmosphäre anbauen lassen.

Regrowing

Regrowing bedeutet, dass Sie aus Gemüseresten neue Pflanzen ziehen. Bei manchen funktioniert das auch im Flaschengarten. So können Sie Knoblauchzehen in die Erde stecken. Sie werden nach einiger Zeit neu austreiben. Ähnlich funktioniert es mit Ingwer. Achten Sie darauf, dass die sogenannten Augen aus der Erde gucken. Den Strunk von einem Salatkopf geben Sie für einige Tage in Wasser, um ihn danach ebenfalls im Flaschengarten weiter wachsen zu lassen. Beobachten Sie am Glas, ob die Feuchtigkeit stimmt, damit Ihr Gemüse nicht schimmelt.

Aus einem Strunk wächst neuer Salat.

Heidelbeeren ernten

Auch bei manchen Heidelbeeren haben Sie die Chance auf eine Ernte. Diese Pflanzen lassen sich leicht im geschlossenen Ökosystem halten. Sie sollten aber nicht zu viel Sonne bekommen – denken Sie daran, dass sie sonst am Waldboden wachsen. Zwergsorten wie „Top Hat“ oder „Bluegold“ bestäuben sich selbst. Mit Glück werden sie in einem großen Glas tatsächlich Blüten und Früchte entwickeln.

Rubriklistenbild: © Mika Volkmann/IMAGO

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