Ohne Marktführer

Deutschlandnetz kommt: 8.000 neue Ladepunkte für Elektroautos geplant

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Lange war es ruhig um das Deutschlandnetz. Nun wurden die Anbieter verkündet, die die Elektroauto-Ladesäulen bauen. Die Marktführer fehlen aber.

Bis 2030 soll es in Deutschland 15 Millionen Elektroautos geben. Das ist zumindest der Plan der Ampel-Koalition. Damit die auch geladen werden können, will die Bundesregierung eine Million öffentliche Ladepunkte schaffen. Etwa an Tankstellen. Und auch ein fast schon totgeglaubter Plan nimmt nun wieder Fahrt auf: das Deutschlandnetz. Am Mittwoch erhielten zehn Anbieter den Zuschlag in der ersten Ausschreibung.

Insgesamt sollen diese rund 900 neue Standorte mit fast 8.000 neuen Ultra-Schnellladepunkten für Elektroautos errichten und betreiben, teilte das Bundesverkehrsministerium in einer Pressemitteilung mit. Bei der Vorstellung im Jahr 2020 waren noch von 1.000 neuen Standorten die Rede. „Mit dem Deutschlandnetz ergänzen wir sinnvoll und zielgerichtet die Ausbauaktivitäten der Ladeinfrastrukturbetreiber. Einfach Schnellladen ohne Lücken auf der Ladelandkarte wird damit zur Realität“, betont Verkehrsminister Volker Wissing.

Deutschlandnetz kommt: EnBW, Tesla und Aral sind nicht dabei

Die Marktführer fehlen jedoch. EnBW, Tesla und Aral Pulse werden fürs Erste nicht am Aufbau des Deutschlandnetzes teilnehmen. Alleine ENBW betreibt in Deutschland 334 Standorte mit 3472 Schnellladesäulen. Tesla (2466 CCS-Ladepunkte) und Aral (1219) folgen dahinter.

So könnten die Ladepunkte des Deutschlandnetzes aussehen.

Auch Ionity und Shell werden keine Schnellladesäulen für das Deutschlandnetz bauen. Die Wahl des Bundesverkehrsministeriums fiel auf andere große Namen der Branche. Ausgewählt wurden:

  • Allego
  • BayWa Mobility
  • Eon
  • Eviny
  • Fastned
  • Ewe Go
  • Mer Germany
  • Pfalzwerke
  • Total Energies
  • Via Deutschlandnetz

Kritik an Deutschlandnetz: Tesla, EnBW, Aral und Fatsned wollten klagen

Dass EnBW, Tesla und Aral fehlen, dürfte aber nicht daran liegen, dass ihre Angebote nicht attraktiv genug waren. Viel mehr haben sich die drei Marktführer gar nicht erst beworben. Denn kurz nach der Vorstellung des Deutschlandnetzes durch den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hagelte es auch schon Kritik, wie TeslaMag berichtet. EnBW, Aral, Tesla und Fastned überlegte aus Angst vor unfair subventionierte Konkurrenz mit einer festen Preis-Obergrenze zu Klage.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Dazu kam es letztlich nicht. Fastned entschied sich gar doch am Deutschlandnetz mitzuwirken. Wie der niederländische Ladesäulenbetreiber mitteilte, gewann man zwei der 23 regionalen Lose. An den 92 Standorten solle jeweils bis zu 16 Schnellladesäulen für Elektroautos entstehen. EnBW verzichtete auf eine Teilnahme. Wie ein Sprecher der Publikation electrive erklärte, hätten die speziellen Anforderungen für die Förderung einen erheblichen Mehraufwand bedeutet.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

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Ohnehin gibt es längst eine Debatte, ob mehr Ladesäulen benötigt werden. So sieht der Branchenverband BDEW ein Überangebot. Viele Kunden nennen wiederum die fehlenden Stromtankstellen als Grund, warum sie lieber einen Verbrenner kaufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht ebenfalls großen Nachholbedarf

Rubriklistenbild: © Bundesverkehrsministerium

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