Gescheiterte Vision

Ausverkauf bei Nikola: 103 Brennstoffzellen-Lkw kommen unter den Hammer

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Nikola wollte unter anderem mit Wasserstoff-Lkw groß durchstarten – nach der Insolvenz stehen nun zahlreiche Fahrzeuge zum Verkauf. (Symbolbild)
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Der Ausverkauf bei Nikola hat begonnen. Die Wasserstoff-Trucks des gescheiterten Unternehmens werden nun versteigert.

Es war eine der großen Hoffnungen der Transportbranche: Mit emissionsfreien Elektro- und Wasserstoff-Trucks wollte das US-Unternehmen Nikola die Schwerlastlogistik revolutionieren. Doch es kam anders. Nach der Insolvenz steht nun die Versteigerung der gesamten Wasserstoff-Flotte an. Ein Auktionshaus veröffentlichte jetzt eine detaillierte Verkaufsbroschüre, die Vermögenswerte im Wert von rund 114 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 100 Millionen Euro) umfasst – darunter 103 fertiggestellte Wasserstoff-Brennstoffzellen-Trucks, Ersatzteile und Komponenten.

800 Kilometer Reichweite, mehr als 500 PS: Nikolas Brennstoffzellen-Lkw

Laut der Auflistung des Auktionshauses Gordon Brothers handelt es sich bei den zum Verkauf stehenden Fahrzeugen um Modelle des Typs Tre FCEV. Die Trucks haben laut der Nikola-Website eine Reichweite von bis zu 500 Meilen (etwa 800 Kilometer) und lassen sich in etwa 20 Minuten betanken. Die Fahrzeuge verfügen über ein 200-kW-Brennstoffzellenmodul, eine Batteriekapazität von insgesamt 164 kWh und können bis zu 70 kg Wasserstoff bei einem Druck von 700 bar speichern. Mit einer Dauerleistung von 536 PS und einem sehr hohen maximalen Drehmoment sind die Tre FCEV für den schweren Transporteinsatz konzipiert.

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Letzte Etappe einer gescheiterten Vision

Das Unternehmen Nikola hatte im Februar 2025 Insolvenz angemeldet. Bereits im April hatte der Elektroautohersteller Lucid Motors Nikolas Produktionsanlage in Arizona sowie den Firmensitz erworben. Im Rahmen dieser Transaktion wurden laut TechCrunch auch etwa 300 ehemalige Nikola-Mitarbeiter von Lucid übernommen.

Wasserstofftechnologie kämpft mit Gegenwind

Die Versteigerung der Wasserstoff-Trucks findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Technologie mit Gegenwind konfrontiert ist. Wasserstoff als Kraftstoffquelle hat sich bisher schwergetan, sich als praktikable Option zu etablieren. Ein Grund dafür ist die dünne Infrastruktur: Gerade erst wurden in Österreich sämtlich öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen geschlossen. Im Pkw geben viele Experten der Wasserstoff-Technologie mittlerweile keine Chance mehr – für einen künftigen Einsatz von H2 in Lkw oder Schiffen besteht laut einer Studie dagegen noch Hoffnung.

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