VonSebastian Oppenheimerschließen
Öffentliche Wasserstofftankstellen waren in Österreich schon immer Mangelware – nun werden sie alle dicht gemacht. Die Prognose für die Brennstoffzelle im Pkw sieht generell düster aus.
Kann sich Wasserstoff als Antriebsform im Pkw noch durchsetzen? Zumindest Österreich ist dieser Zug wohl endgültig abgefahren. Laut verschiedenen Medienberichten schließt der Betreiber OMV die letzten fünf verbliebenen Wasserstoffstofftankstellen in der Alpenrepublik. Dem Standard zufolge gibt es in Österreich zwar noch weitere Wasserstofftankstellen – diese seien aber nicht öffentlich zugänglich und befänden sich meist auf Betriebsgeländen.
Kosten zu hoch, Nachfrage zu gering: OMV schließt alle Wasserstoff-Tankstellen in Österreich
Laut noe.orf.at sei die Nachfrage zu gering, die Kosten für Betreiber und die Endkunden zu hoch. „Diese Entscheidung folgt einer umfassenden Analyse der aktuellen Marktbedingungen und der strategischen Ausrichtung des Unternehmens“, sagt eine OMV-Sprecherin gegenüber dem Portal. 2012 sei die erste Wasserstofftankstelle in Österreich eröffnet worden – Investitionen in weitere Standorte hätten jedoch keine Steigerung der Nachfrage erbracht. Die Betreiber sehe aktuell für Wasserstoff im Individualverkehr deswegen keine Perspektive – man wolle stattdessen weiter in Elektromobilität investieren.
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Viele Experten geben Wasserstoff-Antrieb im Pkw keine Chance mehr
Dass sich Wasserstoff im Pkw-Bereich überhaupt noch durchsetzen kann, wird von Experten schon lange stark bezweifelt. Kritisiert wird unter anderem der schlechtere Wirkungsgrad der Brennstoffzelle gegenüber Elektroantrieben. Auch Polestar-Chef Michael Lohscheller erklärte im Interview mit IPPEN.MEDIA, dass er nicht daran glaube, dass Wasserstoff im Pkw noch eine Chance habe. Allerdings könne die Technik künftig möglicherweise noch eine Chance bei schweren Lkw haben, so Lohscheller, der auch einst Chef des Lkw-Startups Nikola war. Ähnlich sieht es auch der Leiter der Abteilung Forschung & Innovation der Österreichischen Energieagentur: „Brennstoffzellenbusse und -Lkws sowie Nutzfahrzeuge mit wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren stellen grundsätzlich Optionen dar – wenngleich batterieelektrische Antriebe auch in diesem Segment aufholen“, sagte er gegenüber dem Standard.
Anzahl der Wasserstoff-Tankstellen auch in Deutschland sehr gering
Im vergangenen Jahr hatte der Betreiber Shell sämtliche seiner Wasserstofftankstellen in für Pkw in Kalifornien geschlossen – in Großbritannien war man bereits 2022 ausgestiegen. Auch in Deutschland ist die Anzahl von Wasserstofftankstellen nicht gerade riesig: Laut dem Portal H2stations.org waren es Ende 2024 gerade einmal 113 H2-Tankstellen. Zum Vergleich: Hierzulande gibt es etwa 14.000 „normale“ Tankstellen.
In Deutschland waren zum Jahresende 2024 laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lediglich 1.802 Brennstoffzellen-Pkw zugelassen – ein Rückgang von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Die Zahl der Elektroautos lag zu diesem Zeitpunkt bei mehr als 1,65 Millionen, außerdem waren auf deutschen Straßen rund 13,8 Millionen Diesel- und knapp 30 Millionen Benzin-Pkw unterwegs.
Bis 2028: BMW will mit Toyota ein Brennstoffzellenauto entwickeln
Dennoch halten einige Hersteller weiter die Wasserstoff-Fahne hoch: BMW will bis 2028 in Zusammenarbeit mit Toyota ein Brennstoffzellenauto auf den Markt bringen. Hyundai hat gerade die zweite Generation des Nexo präsentiert. Er ist neben dem Toyota Mirai und einer nicht käuflichen Kleinserie des BMW X5, die in einer Kooperation mit Toyota ebenfalls die Mirai-Technik nutzt, der einzige Pkw, der die Technologie einsetzt.
Allerdings lässt sich nicht nur die Brennstoffzelle mit Wasserstoff betreiben – auch am Wasserstoff-Verbrennungsmotor wird geforscht. Genau wie bei der Brennstoffzelle sieht es aber mit einer nennenswerten Serienproduktion in Pkw aktuell düster aus – und dank des hohen Preises für Wasserstoff und der extrem dünnen Versorgungsinfrastruktur dürfte sich das in absehbarer Zeit auch kaum ändern. In Österreich waren laut Kronen Zeitung übrigens zuletzt 62 Wasserstoff-Autos auf den Straßen unterwegs – davon gerade einmal fünf in Privatbesitz. Was die Halter jetzt ohne Tankstellen machen sollen? Das Blatt hat darauf eine klare Antwort: Im Prinzip könnten die Besitzer ihre H2-Autos nun verschrotten.
