Pflege wird immer teurer

Auswertung zeigt deutlichen Anstieg der Kosten fürs Pflegeheim

  • schließen

Wird Pflege Luxus? Wer ins Pflegeheim geht, zahlt monatlich viel Geld dafür. Aktuelle Analysen zeigen, dass die Kosten jetzt um weitere hundert Euro steigen.

München – Es lässt sich nicht ignorieren: Lebensmittel, Miete, Stromnetzgebühren, die Lebenserhaltungskosten der Menschen steigen seit einiger Zeit. Wer sich auf seinen Lebensabend zubewegt, ist davon ebenfalls betroffen. Und das wirft die Frage auf, ob man es sich zukünftig noch leisten kann, im Alter pflegebedürftig zu werden?

Vieles deutet darauf hin. Im vergangenen Jahr veröffentliche der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) eine Analyse über die finanzielle Belastung, die ein Platz im Pflegeheim für den einzelnen Bewohner monatlich bedeutet. Beispielsweise lag die Eigenbeteiligung, wie aus den Analysen der vdek hervorgeht, am 1. Juli 2022 im Bundesgebiet durchschnittlich bei 2248 Euro, die im Monat gezahlt werden mussten. Der Betrag, den die Pfle­ge­ver­si­che­rung übernimmt, muss da noch drauf gerechnet werden.

Schon wieder angestiegen: Der Eigenanteil bei den Pflegekosten schießt weiter in die Höhe.

Seit Januar 2022 haben alle Versicherten nach § 43c SGB XI einen zusätzlichen Vergütungsanspruch. Ob dieser allerdings die Entlastung bringt, die er verspricht, ist fraglich. Analysen aus dem vergangenen Juli offenbaren nämlich wieder ein Anstieg der Kosten. Wer im vergangenen Sommer einen Platz im Pflegeheim hatte, musste monatlich durchschnittlich 2610 Euro zahlen. So ähnlich ging es auch einer Frau aus Vellmar. Sie berichtet von den Kosten ihrer vollstationären Pflege, die in zehn Monaten um 1300 Euro gestiegen seien.

Pflegeheimkosten explodieren: 2017 waren die Kosten noch 23 Prozent niedriger als heute

Andere Analysen kommen zu denselben Ergebnissen wie der vdek. Eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) dokumentierte bei den pflegebedingten Zuzahlungen einen Anstieg von insgesamt 19,2 Prozent. Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim schwanken je nachdem, wo man sich in der Bundesrepublik um einen Platz bemüht und je nach Aufenthaltsdauer stark.

Wer einen Platz im Pflegeheim sucht, der zahlt nicht nur für die Pflege, sondern muss auch für Betreuung, Miete und Verpflegung aufkommen. Die Analyse des WIdO geht in ihrer Auswertung auf die einzelnen Kostenpunkte ein, um zu verdeutlichen, wofür man, was zahlt. Nach ihrem Beispiel erstattete die Pflegeversicherung Ende 2023 etwa 569 Euro an Kosten an die Bewohner.

Der Eigenanteil belief sich durchschnittlich auf 874 Euro für die Pflege, 909 Euro kostete die Unterkunft und für die Verpflegung mussten monatlich im Durchschnitt 484 Euro gezahlt werden. Insgesamt lag die Gesamtbelastung monatlich also bei 2267 Euro. 2017 sah das noch ganz anders aus. Mit einer finanziellen Eigenbelastung von 1752 Euro, war der Betrag noch mehr als 23 Prozent niedriger als es heute der Fall ist.

Pflegeheimkosten: Wie entwickelt sich die finanzielle Belastung 2024

Laut WIdO wird im kommenden Jahr mit einer moderaten Steigerung der Eigenanteile gerechnet. Dass die Pflegeheimkosten aber auf jeden Fall weiter ansteigen werden, halten die Experten für sicher. Laut vdek lag der zu zahlende monatliche Betrag im bundesweiten Durchschnitt zum 1. Januar 2024 bei 2566 Euro. Das sind 231 Euro mehr, als im Januar 2023. (nhf)

Rubriklistenbild: © IMAGO/

Kommentare