VonNatascha Bergerschließen
Müssen Autofahrer sich bald auf eine neue und härtere Maßnahme für Trunkenheit am Steuer einstellen? So lautet zumindest die Empfehlung von Fachleuten.
Goslar – Wer viel zu schnell fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. In Zukunft müssen Raser vor allem in Österreich aufpassen: Wer dort deutlich über dem Tempolimit liegt, muss ab März damit rechnen, dass das Fahrzeug beschlagnahmt wird. Ein ähnliches Schicksal könnte nun auch deutschen Autofahrern blühen, die sich betrunken hinters Steuer setzen.
Nicht nur Raser sorgen für unsichere Situationen im Verkehr – auch Trunkenheit am Steuer führt immer wieder zu Unfällen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sind Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist, meist überdurchschnittlich schwer. Im Jahr 2021 war jeder 16. Verkehrstote auf einen Alkoholunfall zurückzuführen. Maßnahmen wie die Alkohol-Wegfahrsperre sollen auf EU-Ebene die Straßen sicherer machen. Doch darüber hinaus sollte gegen betrunkene Autofahrer härter vorgegangen werden, so das Fazit des Verkehrsgerichtstag 2024.
Auto weg, bei Trunkenheit am Steuer? Diese Forderung stellt der Verkehrsgerichtstag
Die klare Empfehlung der Experten laut dpa: Das Auto sollte beschlagnahmt werden, wenn Fahrer sich unter Drogen- oder Alkoholeinfluss strafbar machen. Eine Straftat kann bereits ab 0,3 Promille vorliegen, wenn der Fahrer einen Unfall baut oder Ausfallerscheinungen hat. Die Beschlagnahmung des Fahrzeugs vom Staat solle auf alle zukommen, die in den vergangenen fünf Jahren bereits wegen einer ähnlichen Tat verurteilt wurden. Die harte Maßnahme könnte nicht nur für Autofahrer, sondern ebenso für Fahrrad- oder Rollerfahrer gelten.
Bisher kann eine Straftat aufgrund von Alkohol je nach Ausmaß Bußgeld, Führerschein-Entzug oder sogar Freiheitsstrafe bedeuten. Derzeit liegt die Promillegrenze in Deutschland bei 0,5 Promille, eine strikte Null-Toleranz-Grenze gilt zunächst nur für Fahranfänger. Diskussionen um niedrigere Grenzwerten für Autofahrer kochten zuletzt wegen der geplanten Cannabis-Legalisierung in Deutschland wieder hoch.
Empfehlung von Fachleuten: Verschärfte Maßnahme für Trunkenheit am Steuer könnte kommen
Der Deutsche Verkehrsgerichtstag findet einmal jährlich in Goslar statt. Die Konferenz für Straßenverkehrsrecht hat eine bundesweite Bedeutung – nicht selten werden die Vorschläge, die auf der Tagung gemacht werden, auch in künftigen Gesetzen berücksichtigt. Im Jahr 2024 sprachen über 1700 Fachleute über Themen des Verkehrsrechts und der Verkehrssicherheit. Ob auch dieser Vorschlag von der Politik umgesetzt wird und sich Autofahrer auf die Änderung einstellen müssen, bleibt abzuwarten. Zunächst befürworteten Verbände wie der Auto-Club Europa, der Automobil-Club Verkehr oder der Deutsche Verkehrssicherheitsrat die verschärfte Regelung. (nbe)
Rubriklistenbild: © IMAGO/xAlexandrumusucx
