Nicht mal für Lkw

„Champagner der Energiewende“: Wasserstoff bleibt knapp und teuer

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Wasserstoff und Brennstoffzelle gelten bei Elektroautos als Alternative zum Akku. Doch die Preise könnten hoch bleiben, warnen Forscher.

Wer von Elektroautos spricht, hat in der Regel Fahrzeuge mit Akkus im Sinn. Dabei umfasst der Begriff natürlich alle Autos, die elektrisch fahren – also auch jene, die Wasserstoff tanken, den eine Brennstoffzelle an Bord in Strom umwandelt. Manchen – und nicht nur voreingenommene Lobbyisten – gilt Wasserstoff als die bessere Alternative, da Tankzeiten und Reichweite ungefähr denen von Benzinern entsprechen. So verkauft Toyota weiterhin den Mirai, auch Hyundai ist bei allem Erfolg seiner Stromer nach wie vor bei H2 (so der chemische Begriff) dabei. Und BMW bietet seinen X5 als Hydrogen-Version an.

Wasserstoff: „Champagner der Energiewende“ bleibt knapp und teuer

Wasserstoff-Fahrzeuge wie der Toyota Mirai könnten eine seltene Erscheinung bleiben.

Viele Fachleute geben dem Wasserstoff für Pkw kaum noch eine Chance, denn er hat einige gravierende Nachteile, etwa den der löcherigen Infrastruktur. Der für Autofahrer vielleicht größte: Er ist mit knapp einem Euro pro Kilogramm teuer. 100 Kilometer per Brennstoffzellen-Pkw kosten ungefähr so viel wie in einem Auto mit Benzinmotor – trotz der derzeit hohen Spritpreise. Zwar haben auch die Kosten für das schnelle Laden von Strom angezogen, doch wer ein günstiges Abo hat, zu Hause, bei einem Discounter oder sogar noch ganz gratis bei Ikea seine Akkus füllt, ist noch immer deutlich preiswerter unterwegs.

Elektroautos-Ranking: Das sind die Top Ten der Stromer in Europa

Hyundai Ioniq5
Platz 10: Hyundai Ioniq 5. Gleich nach dem Start im vergangenen Jahr entwickelte sich das südkoreanische SUV zu einem der beliebtesten Stromer seiner Klasse. Dank 800 Volt lädt es schnell und bietet dann bis 507 Kilometer Reichweite. In Europa brachte er es in den ersten vier Monaten dieses Jahres auf 11.917 Verkäufe. Preis in Deutschland: ab 41.900 Euro. © Hyundai
Peugeot e-208
Platz 9: Peugeot e-208. Französische Kleinwagen hatten Europa, vor allem natürlich auf ihrem Heimatmarkt, schon immer eine Menge Fans. Das ändert sich auch im Elektro-Zeitalter nicht. Der Peugeot e-208 von 2019 (Reichweite bis zu 450 Kilometer) ist einer der Stars im Stellantis-Konzern und brachte es bis April europaweit auf 12.148 Einheiten. Preis in Deutschland: ab 35.350 Euro. © Pontus Lundahl/Imago
Audi q4 e-tron
Platz 8: Audi Q4 e-tron. Das noch relativ kompakte SUV kam 2021 auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) des VW-Konzerns auf den Markt, und überzeugte vom Start weg viele Kunden. 12.461 kauften ihn im ersten Tertial des Jahres. Die maximale Reichweite beträgt 534 Kilometer. Preis in Deutschland: ab 41.900 Euro.  © Audi
Renault Zoe
Platz 7: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 12.963 Verkäufen im erfassten Zeitraum war er in Europa sehr beliebt. 395 Kilometern maximale Reichweite sind in dieser kleinen Klasse ein achtbarer Wert. Preis in Deutschland: ab 33.140 Euro. © Renault
Hyundi Ioniq 5
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es bis April in Europa auf 13.354 Verkäufe. Die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis in Deutschland: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
VW ID.4
Platz 5: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit fand in den ersten vier Monaten europaweit 13.870 Kunden. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis in Deutschland: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Kia e-Niro
Platz 4: Kia e-Niro. Die Elektroversion des seit 2016 angebotenen Kompakt-SUV ist in dieser Form mittlerweile nicht mehr bestellbar, schaffte es bis April aber noch zu 16.032 Kunden in Europa. Der Nachfolger heißt Kia Niro EV, schafft bis zu 460 Kilometer und kostet in Deutschland ab 39.990 Euro. © Anders Wiklund/Imago
Fiat 500e
Platz 3: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. Im ersten Tertial dieses Jahres war er mit 18.537 Kunden der erfolgreichste Stromer aus dem Stellantis-Konzern. Je nach Akku-Größe schafft der Cityflitzer 190 bis über 300 Kilometer. Preis in Deutschland: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
Tesla Model Y
Platz 2: Tesla Model Y. Die Schrägheck-Limousine, die mittlerweise auch im deutschen Werk Grünheide gebaut wird, hat sich zu einem der beliebtesten Stromer weltweit entwickelt. In Europa fand sie von Januar bis April 26.616 Käufer. Die maximale Reichweite gibt Tesla mit 533 Kilometern an. Preis in Deutschland: ab 59.965. © Tesla
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers macht den Triumph perfekt: Platz 1 und 2 für die Texaner, auch wenn ihnen der kleine Fiat 500 auf den Fersen ist. Das Model 3 sicherte sich mit 32.697 Verkäufen klar die Pole-Position. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis in Deutschland: ab 52.965 Euro. © Tesla

Ein wichtiges Argument für die Elektromobilität entfällt daher beim Wasserstoff. Und seinen Ruf als „Champagner der Energiewende“ wird er wohl auch künftig nicht los – so die Prognose des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung.

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Wasserstoff: Stahl- und Chemie-Industrie sorgen für hohe Nachfrage

Noch für das Jahr 2045 rechnen die Forscher mit Preisen, die den Einsatz als Kraftstoff im Straßen- und Schienenverkehr unwirtschaftlich machen – bislang galt zumindest der Einsatz in Lkw für Güterverkehr als sinnvolles Szenario. Grund für die langfristig hohen Preise sei die auch künftig unverändert starke Nachfrage von Stahl- und Chemie-Industrie, die große Mengen an H2 oder anderen wasserstoffbasierte Energieträger wie E-Fuels benötigen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Fraunhofer-Forscher E-Fuels ebenfalls kritisch beurteilen. Mittlerweile sieht das sogar eine hochrangige Porsche-Managerin ähnlich: E-Fuels seien „viel zu teuer“, und sollten subventioniert werden.

Rubriklistenbild: © Toyota

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