Stiftung Warentest testet 24 Kindersitze – vier fallen gnadenlos durch
VonStella Henrich
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Stiftung Warentest hat 24 Kindersitze und Babyschalen getestet. Vier Modelle weisen große Mängel auf. Ein Kindersitz für unter 200 Euro überzeugt dagegen.
Stiftung Warentest untersucht 24 Auto-Kindersitze: Viele können überzeugen – doch es gibt auch Problemfälle
Das haben die Experten von Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test von 24 Autositzen für Babys, Kleinkinder und Kinder herausgefunden. Die Preise der Sitze liegen zwischen 85 und 570 Euro. Für ihr Qualitätsurteil haben die Prüfer vier entscheidende Kriterien bei der Wahl des passenden Sitzes gewählt.
Für die Bewertung spielten Unfallsicherheit, Handhabung, Ergonomie und Schadstoffbelastung der Kindersitze eine entscheidende Rolle. Die Experten untersuchten aber auch das Gewicht des Sitzes, ob ein Sitz drehbar ist, wie er im Auto befestigt wird, die Ruheposition und ob das Kind darin rückwärts und vorwärts sitzen kann. Von zentraler Bedeutung bei der Untersuchung war jedoch der Crashtest. Dazu wurde auf einem Schlitten und mit Prüfdummys geprüft, ob die Sitze Kinder bei einem Front- und Seitenaufprall gut schützen können.
Diese beiden Kindersitze erzielten in der Gesamtbewertung die Bestnoten (Quelle: Stiftung Warentest, 21. Mai 2024):
Nuna Pipa Urbn (für Kinder von 40 bis 75 cm): 330 Euro – Note: 1,6 (gut)
Cybex Cloud G i-Size + Base G (für Kinder von 40 bis 87 cm): 460 Euro – Note 1,8 (gut)
Stiftung Warentest: Gute Kindersitze auch für maximal 200 Euro erhätlich
Testsieger ist laut Verbraucherschutz die Nuna Pipa Urbn Babyschale für Kinder mit einer Größe von 40 bis 75 Zentimetern. Für Kleinkinder und Kinder bis zu einer Größe von 105 Zentimetern liegen der Cybex Sirona Gi i-Size (370 Euro) und der Maxi-Cosi Mica 360 Pro i-Size (470 Euro) vorne – beide erhielten die Note 2,2 (gut). Als bester Kindersitz für größere Kinder mit einer Körpergröße von bis zu 150 Zentimetern wurde der Avova Sora-Fix (240 Euro) bewertet, der mit 2,0 (gut) abschneidet.
Wer auf den Preis achten muss, kann auch schon für maximal 200 Euro einen guten Kindersitz erstehen. So erhielt der Avionaut Cosmo für Kinder von 40 bis 87 Zentimeter zum Preis von 185 Euro die Gesamtnote 2,0 (gut). Und konnte sogar im Bereich Unfallsicherheit mit der Note 1,3 (sehr gut) glänzen. Insgesamt 13 der 24 getesteten Modelle konnten die Gesamtnote gut verbuchen.
Vier Kindersitze fallen bei Stiftung Warentest durch: Schadstoffbelastung bei vier Modellen „Mangelhaft“
Darüber hinaus wurden die Kindersitze und Babyschalen auch auf Schadstoffe, mit denen die Kleinen in Berührung kommen können, untersucht. Im Labor fahndeten die Prüfer daher nach gesundheitlich bedenklichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, nach problematischen Phthalat-Weichmachern und verbotenen Flammschutzmitteln. Dabei zeigte sich, dass alle Modelle mit der Gesamtnote „mangelhaft“ bei diesem Kriterium versagten:
Lionelo Astrid i-Size
85 Euro
Lionelo Astrid i-Size + i-Size Base
170 Euro
Silver Cross Discover i-Size
199 Euro
Peg Perego Viaggio Twist - Base Twist
520 Euro
Bei dem Modell Silver Cross Discover i-Size führten beispielsweise Materialien im Kontaktbereich des Kindes zur Abwertung, weil die Testenden dort sehr hohe Mengen des Phthalat-Weichmachers DPHP fanden. Der Bezug der ausziehbaren Beinauflage enthielt laut Bericht mehr Naphthalin, als das Prüfsiegel für Gesundheitsschutz – das „GS“-Zeichen – erlaubt.
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Stiftung Warentest prüfte 24 Kindersitze – „Mangelhaft“ beim Crashtest
Besonders schlecht erweist sich das Modell „Peg Perego Viaggio“ auch bei der Unfallsicherheit. So brach der Stützfuß der Isofix-Basis Twist im Crashtest ab. Daraufhin löste sich der Sitz von der Basis. Auch der ADAC warnte jüngst, dass er sich beim Crashtest aus der Verankerung löste. Wohingegen das Modell „Lionelo Astrid i-Size + i-Size Base“ trotz Gesamtnote „Mangelhaft“ die Testenden beim Kriterium Unfallsicherheit mit „Sehr gut“ überzeugte.
Das empfiehlt der ADAC vor dem Kauf eines Kindersitzes:
Einbauprobe: Vor dem Kauf im eigenen Auto testen. Denn nicht jeder Kindersitz passt gleich gut in jedes Fahrzeug.
Auf das Prüfsiegel achten: Zugelassene Siegel sind i-Size/UN ECE Reg. 129, UN ECE Reg. 44/04 und UN ECE Reg. 44/03.
Im Fachgeschäft beraten lassen.
Wer einen gebrauchten Sitz kauft, sollte ihn aus dem Bekanntenkreis erwerben. So kann die tatsächliche Nutzung besser hinterfragt werden
Laut §21 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) müssen Kinder bis zwölf Jahren bzw. bis zu einer Größe von 150 Zentimetern im Auto gesichert werden. Das bedeutet, für sie gilt die Kindersitzpflich. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Wer sein Kind mit dem von vielen als kritisch gesehenen „Elterntaxi“ in den Kindergarten oder die Grundschule fährt, sollte außerdem auf ausreichend Hitzeschutz im Fahrzeug achten. (sthe)