VonJuliane Gutmannschließen
Tage, Wochen oder sogar Monate auf Zucker verzichten: Wer den Versuch bereits gewagt hat, weiß, wie schwer der Anfang fällt. Doch das Projekt lohnt sich.
Zucker ist allgegenwärtig – in Softdrinks, Süßigkeiten, Fertiggerichten und sogar in vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Joghurt oder Müsli. Warum man seinen Zuckerkonsum im Blick haben sollte? Übermäßiger Verzehr kann weitreichende negative Folgen für die Gesundheit haben. Angefangen bei einem erhöhten Risiko für Übergewicht und dessen Folgeerscheinungen wie Diabetes oder verschiedene Krebserkrankungen bis hin zur Depression, die durch falsche Ernährung ausgelöst werden kann. Auch gibt es Hinweise darauf, dass zu viel Zucker in der Ernährung Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche begünstigen kann, wie die Universitätsklinik Aachen informiert.
Der Durchschnittsdeutsche nimmt rund 18 Teelöffel Zucker zu sich – pro Tag
„Wir belasten damit unseren gesamten Körper. Es treten vermehrt Entzündungen auf und unser Immunsystem wird geschwächt. Das macht uns anfälliger für Krankheiten“, wird Birgit Tollkühn-Prott, Leitende Diätassistentin des Ernährungs- und Diabetesteams (PEDT) an der Uniklinik RWTH Aachen in einer Mitteilung der Universität zitiert. Auch die Darmflora würde durch einen hohen Verzehr von Zucker beeinträchtigt werden: „Ist unser Darm nicht im Gleichgewicht, leiden zugleich die Psyche und das körperliche Wohlbefinden.“
Die gute Nachricht: Durch einen bewussten Zuckerverzicht können wir gezielt Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen. Darüber informiert unter anderem Arzt und Ayurveda-Spezialist Dr. Ulrich Bauhofer. Ihm zufolge nimmt der Durchschnittsdeutsche rund 18 Teelöffel Zucker täglich zu sich – weit mehr, als die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Höchstdosis von sechs Teelöffeln.
Bessere Blutfettwerte, bessere Haut, bessere Stimmung durch Zuckerverzicht
Bauhofer zufolge hat bereits ein einmonatiger Zuckerverzicht extrem positive Auswirkungen auf unseren Körper. Er zählt sieben mögliche Effekte auf:
- Die Blutfettwerte verbessern sich, was das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich senkt.
- Ihre Blutzuckerwerte normalisieren sich. Zucker lässt den Blutzuckerspiegel stark ansteigen, was die Bauchspeicheldrüse belastet und auf Dauer zu einem gestörten Zuckerstoffwechsel führen kann. Dies wiederum erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes. Sogar heilende Wirkung kann der Zuckerverzicht in Hinblick auf Vorstufen von Diabetes haben: „Die Vorstufe zu einem Typ-2-Diabetes kann sich zurückentwickeln“, so Bauhofer.
- Sie verlieren Gewicht. Zucker liefert zwar schnell Energie, hält aber nicht lange satt. So kommt es leicht zu Heißhungerattacken und übermäßigem Kalorienkonsum über den Tag verteilt.
- Ihr Mikrobiom im Darm, in der Mundhöhle und im Genitaltrakt erholt sich, weil schlechte Bakterien und Pilze weniger Nahrung bekommen.
- Sie senken Ihr Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn. Dies führten Forschende der Universität Würzburg auf ihr Studienergebnis zurück, dass übermäßiger Zuckerverzehr die Aktivität von Stoffwechselvorgängen fördert, die entzündungsfördernde Gene aktivieren, erklärt Mediziner Ulrich Bauhofer.
- Ihr Hautbild verbessert sich, weil innere Entzündungen auch Hautunreinheiten wie Pickel und Akne begünstigen.
- Ihre Laune kommt in Balance, weil sich Ihr Dopaminspiegel normalisiert.
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Zucker ist nicht gleich Zucker
In Obst und Milch ist natürlicher Zucker enthalten. Dieser zählt allerdings in Verbindung mit den anderen Bestandteilen der naturbelassenen Lebensmittel zu den wichtigen Makronährstoffen, die unser Körper benötigt, um alle wichtigen Funktionen aufrechtzuerhalten. Anders Industriezucker. Dieser gilt als ungesund, weil er hochgradig verarbeitet ist und keine gesunden Nährstoffe wie Kalium oder Kalzium enthält. „Natürlicher Zucker, der in Obst, Früchten und Gemüse vorkommt, oder auch komplexer Zucker, also Kohlenhydrate in Kartoffeln, Vollkornreis und Hülsenfrüchten, sind für unseren Körper wichtige Energie- und Ballaststoffquellen und gesundheitsfördernd. Demgegenüber ist zugesetzter Zucker in Backwaren, Softdrinks, Fruchtsäften und Süßigkeiten in zu hohen Mengen schon schädlich“, fasst Ernährungsexpertin Birgit Tollkühn-Prott von der Uniklinik RWTH Aachen zusammen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
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