Leisure Sickness

Sie werden im Urlaub immer krank? Hoher Stresspegel ist oft das Problem – Psychologe erklärt, was Sie tun sollten

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Der Urlaub beginnt mit einem Infekt? Kein seltenes Phänomen, das als Leisure Sickness oder Poststress bezeichnet wird. Zwei Psychologen verraten, was dahinter steckt.

Während der Arbeitswoche stehen viele regelrecht unter Strom. Die Arbeit fordert einen, aber auch am Feierabend ist oftmals keine Zeit für Entspannung. Kindergeburtstage, vereinbarte Treffen mit Freunden oder der abendliche Sprachkurs: Auch Freizeitstress kann dafür sorgen, dass unser Körper sich nicht regenerieren kann. Kommt schlechter oder kurzer Schlaf dazu, wird es schnell gesundheitsschädlich.

Denn dauerhaft zu hohe Stresshormon-Spiegel im Blut erhöhen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch psychische Krankheiten werden durch dauerhaft erhöhte Stresslevel getriggert. Um organisch und mental gesund zu bleiben, ist gutes Stressmanagement wichtig. Man sollte daher auf ausreichend Pausen achten. Um eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu erreichen, dürfen auch längere Auszeiten nicht fehlen.

Campingurlaub in Kroatien, zwei Wochen auf Balkonien oder die Südsee-Reise: Die Angst, im Urlaub krank zu werden, ist groß. Und sie ist begründet, denn Infekte und Schlimmeres schlagen oftmals zu, wenn wir uns entspannen.

„Fällt der Stress weg, fährt der Körper die Produktion der Abwehrzellen herunter“

„Es kommt häufiger vor, dass Menschen im Urlaub oder am Wochenende krank werden. Betroffen sind vor allem beruflich stark belastete Menschen“, wird Diplom-Psychologe Dr. Dieter Bonitz auf den Seiten der Krankenkasse AOK zitiert. Dabei sei es nicht die freie Zeit, die krank macht, sondern der Stress vor der Ruhephase. „Bei Stress arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren“, erklärt Bonitz: „Fällt der Stress weg, fährt der Körper die Produktion der Abwehrzellen herunter, sodass Krankheitserreger leichteres Spiel haben.“ 

Im Urlaub soll alles perfekt sein – doch nicht wenige werden erstmal krank am Zielort.

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Gefährlich sei vor allem ein gestörtes Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Ersteres, auch sympathisches Nervensystem genannt, bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Es setzt den Körper unter Spannung, sorgt für schnelleren Herzschlag und erhöht den Blutdruck. Auf diese Weise kann der Körper besser mit Sauerstoff versorgt werden. Infolge steht im mehr Energie zur Verfügung. Der Parasympathikus dagegen sorgt für Entspannung und Regeneration.

Erkältungen bis Migräne als Leisure Sickness-Symptome

Stress im Berufs- und/oder Privatleben können das Gleichgewicht stören. In dem Fall kommt es zu einer dauerhaften Anspannung, die sich auch körperlich bemerkbar machen kann. So können erhöhte Infektanfälligkeit, häufige Kopfschmerzen bis hin zu Herzrasen ein Anzeichen für einen dauerhaft erhöhten Stresshormon-Spiegel im Körper sein. Im Urlaub entspannen wir uns in der Regel, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin werden abgebaut. Doch wer zuvor enorm gestresst war, dessen Energiespeicher sind einfach leer. Dies führt Psychologin Sandra Waeldin zufolge dazu, dass unser Immunsystem meist geschwächt ist an dem Punkt, an dem wir in den Urlaub fahren. Im Interview mit Deutschlandfunk Nova erklärt sie, dass Infekte, Magen-Darm-Probleme, aber auch Atemprobleme bis Migräne im Urlaub eindeutige Leisure Sickness-Symptome sind.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Im Urlaub nicht krank werden: Wie das funktionieren kann

Um das Risiko von Leisure Sickness zu reduzieren, rät Psychologe Dieter Bonitz zu regelmäßigen Erholungspausen. Doch nicht nur die regelmäßige Regeneration am Abend nach der Arbeit und am Wochenende hilft, das Immunsystem und die mentale Gesundheit dauerhaft zu stärken. Auch die Qualität der Pausen ist wichtig.

Wer in seiner Freizeit von einem Treffen zum nächsten jagt und sich ständig neuen Projekten und sportlichen Herausforderungen widmet, baut in der Regel weniger Stress ab als jemand, der wirklich zur Ruhe kommt. Welche Routinen echte Entspannung entfalten, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ein gutes Buch lesen, Entspannungstechniken wie Yoga oder einfach Nichtstun: Wer regelmäßig für Tiefenentspannung sorgt, reduziert das Risiko, im Urlaub zu erkranken.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Kasper Ravlo/Imago

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