VonAdrian Kilbschließen
Auch Arbeitnehmer ohne großes Einkommen könnten von einer Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge profitieren. Im Rentenalter hätten sie dadurch mehr Geld.
Im Koalitionsvertrag der Merz-Regierung haben die Politiker das Vorhaben bereits festgehalten: Ein Nachfolger für die umstrittene Riester-Rente soll her. Nach dem Koalitionsbeschluss vom Donnerstag, dem 9. Oktober, stehen Details fest. Menschen aus der Mittelschicht, die Geld in eine staatliche geförderte private Altersvorsorge investieren möchten, dürften die neuesten Entwicklungen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Womöglich steht ihnen bald ein neues, renditestarkes Finanzprodukt zur Verfügung.
Rente im Wandel: Bundesregierung plant neue staatlich geförderte Altersvorsorge
Union und die SPD möchten laut Koalitionsvertrag die bisherige Riester-Rente in ein „neues Vorsorgeprodukt überführen, von bürokratischen Hemmnissen befreien und mit dem Verzicht auf zwingende Garantien sowie der Reduzierung der Verwaltungs-, Produkt- und Abschlusskosten reformieren“. Die Gruppe, die Anspruch auf die einfach gestaltete neue Förderung des Bundes hat, soll größer werden und auch Empfängern kleiner und mittlerer Einkommen offenstehen.
Dass es damit schneller gehen könnte, als erwartet, verrät ein Satz aus dem Koalitionsbeschluss im Oktober 2025. „Als zusätzlicher Teil der Rentenreform wird die Reform der privaten Altersvorsorge (Nachfolge-Riester) noch im Jahr 2025 im Kabinett beschlossen“, steht dort in den Zeilen 90 und 91 geschrieben, wie t-online berichtet.
Statt Rente? Was Sparer zur neuen privaten Altersvorsorge der Merz-Regierung wissen müssen
Was Zeit bei einem notwendigen Gesetzentwurf spart: Genau so ein Papier hatte das Bundesfinanzministerium zu Zeiten der Ampelregierung bereits in der Schublade liegen. Die Renten-Pläne von Christian Lindner (FDP) könnten jetzt wieder hervorgeholt und zu einem Altersvorsorgedepot reloaded werden. Der Kniff dahinter: Sparer legen ihr Geld auf Aktienbasis langfristig und breit gestreut an der Börse in einem Depot an. Dafür erhalten sie im Gegenzug staatliche Zulagen und in der Ansparphase zudem eine steuerliche Förderung – allerdings ohne wie beim Riester-Vorgänger eine Beitragsgarantie zu bekommen.
| Riester-Rente | Neue staatliche Altersvorsorge |
|---|---|
| Höhere Beitragsgarantie | Flexible Beitragsgarantie |
| Hohe Verwaltungskosten | Höhere Effizienz |
| Mehr Sicherheit | Höhere Rendite erwartbar |
Fehlende oder flexiblere Garantien könnten sich aber sogar zum Vorteil für Sparer auswirken, weil sie dadurch auf eine höhere Rendite als bei der Riester-Rente hoffen können. Auch dieser Punkt führte letztendlich dazu, dass in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Menschen ihre staatlichen Altersvorsorge-Verträge kündigten.
Staatliche Reform gegen Altersarmut könnte zu „echten Gamechanger“ werden
Jetzt steht also ein potenzieller, rentablerer Nachfolger in den Startlöchern, der sich laut Thomas Soltau, Vorstand des Neobrokers Smartbroker, zu „einem echten Gamechanger“ entpuppen könnte, wie t-online ihn zitiert. Da die reguläre Altersrente kaum noch ausreicht, um den Lebensstandard im Alter zu halten, dringt bei dem Vorhaben die Zeit. So gibt es für Hunderttausende Senioren trotz Arbeit bis zum Rentenalter nur eine Mini-Rente.
Die bisherige staatliche Förderung der privaten Zusatzvorsorge, die Riester-Rente, nahm im Jahr 2023 nur gut jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 25 bis 66 Jahren in Anspruch, wie die Rentenversicherung Bund mitteilte. Mehr als jeder zweite mit einem Einkommen von bis zu 1.500 Euro im Monat sorgte gar nicht zusätzlich privat vor, weshalb der Versicherungsträger anmahnte, mehr Mittel zu finden, um Menschen für eine Zusatzvorsorge zu motivieren.
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