Hormonelle Unterschiede

Darum leiden Männer mehr unter Erkältungen als Frauen

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Sie nehmen die „Männergrippe“ Ihres Partners eher selten ernst? Die Forschung zeigt: Tatsächlich haben Männer schwerer mit Infekten zu kämpfen.

Die Nase läuft, der Kopf brummt: Nicht wenige Frauen stemmen ihren Alltag inklusive Kinderbetreuung, Job und Haushalt auch dann, wenn sie eigentlich ins Bett gehören. Männer dagegen liegen beim kleinsten Wehwehchen flach – soweit das Vorurteil. Doch ganz unrealistisch ist dieses Szenario nicht, wie neuere Forschungsergebnisse zeigen. So konnten Wissenschaftler nachweisen, dass das Immunsystem von Frauen effektiver gegen Krankheitserreger vorgeht als bei Männern – und sie so vor schweren Krankheitsverläufen besser geschützt sind als das männliche Geschlecht.

Corona verlief bei Männern häufiger tödlich

Das Leiden wegen eines „Männerschnupfens“ wird oft als übertrieben abgetan – doch neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Männer tatsächlich mehr unter Krankheiten leiden könnten. (Symbolbild)

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Gesundheitsdaten, die während der Coronapandemie in Krankenhäusern gesammelt wurden, zeigen, dass Männer häufiger schwer an Covid-19 erkrankten. Unter ihnen kam es häufiger zu Klinikaufenthalten aufgrund der Infektion. Auch verlief die Ansteckung mit Sars-CoV-2 bei ihnen häufiger tödlich. Unter anderem diese Beobachtungen führten dazu, dass sich Wissenschaftler intensiver mit der Frage befassten, ob und warum es diese geschlechterspezifischen Unterschiede gibt. Den Hormonen kommt hier eine gewichtige Rolle zu.

Immunsystem stärken und so Grippe bis Corona vorbeugen – acht einfache Regeln

Frau hält Glas Wasser in der Hand.
Wer ausreichend trinkt, hält die Schleimhäute in Mund und Rachen feucht. Das ist wichtig, weil diese die erste Schutzbarriere des Körpers gegen Viren und Bakterien darstellen. Trocknen die Schleimhäute aus, können Viren leichter andocken und sich einen Weg in den Körper bahnen. Auch das Lutschen von Bonbons hilft dabei, die Schleimhäute feucht zu halten.  © Tanya Yatsenko/Imago
Korb voll mit Gemüse und Obst
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse sorgt dafür, dass dem Körper wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt werden. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen einem gesunden Darm und einem gesunden Immunsystem besteht, denn ein Großteil der Antikörper produzierenden Zellen befinden sich im Darm, informiert das Portal München Klinik, der Gesundheitsversorger der Stadt München. © Oleksandr Latkun/Imago
Frau krault im Schwimmbad
Auch Bewegung macht uns weniger anfällig für Krankheitserreger. Mitverantwortlich ist die antientzündliche Wirkung von Sport und Bewegung auf unseren Körper. Davon profitiert auch unser Immunsystem, so Professor Karten Krüger von der Justus-Liebig-Universität in Giessen im Interview mit der Krankenkasse BKK Provita. Sein Forschungsgebiet: Die Wirkung von Bewegung auf unser Immunsystem. Ihm zufolge wird man seltener krank und übersteht eine Erkrankung besser, wenn man sich regelmäßig bewegt, gut schläft, sich ausgewogen ernährt und ein gutes Stressmanagement pflegt.  © Imago
Hand, die Weinglas und Zigarette hält
Inhaltsstoffe in Zigarettenrauch und Alkohol blockieren die körpereigene Abwehr und machen uns so anfälliger für Krankheiten. Nach einer durchzechten Nacht kann das Immunsystem Studien zufolge sogar bis zu 24 Stunden lang nicht wie gewohnt arbeiten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch Rauchen fördert wie Alkohol Entzündungsprozesse im Körper, was eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte zur Folge haben kann. Zudem trocknet Zigarettenrauch die Schleimhäute aus, was deren Abwehrkraft abschwächt.  © macondo/Imago
Frau öffnet das Fenster zum Lüften
Vor allem im Herbst und im Winter sollten Sie regelmäßig lüften. Denn trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute in Mund und Nase aus. Diese stellen die erste Barriere für Viren und Bakterien dar. Im ausgetrockneten Zustand sind die Schleimhäute weniger widerstandsfähig. © Roman Möbius/Imago
Wanderweg im Bergischen Land nahe der Müngstener Brücke
Bewegung an der frischen Luft stärkt unsere Atemwege. Auch das Immunsystem profitiert, weil über die Haut durch Kontakt mit Sonnenlicht Vitamin D produziert wird. „Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass eine ausreichende Vitamin D-Versorgung zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Auch zeigen Studien, dass Menschen mit einer unzureichenden Vitamin D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für akute Atemwegsinfekte aufweisen und von der Gabe von Vitamin D-Präparaten profitieren können“, heißt es in einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung.  © Olaf Döring/Imago
Gestresste Frau im Büro
Stress ist ein wahrer Immunkiller. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen verlieren die Immunzellen die Fähigkeit, sich zu vermehren, um Krankheitserreger abzutöten. Auch die Menge an Antikörpern in unserem Speichel verringert sich, so eine Information des Universitätsspitals Zürich.  © Joseffson/Imago
Frau schaltet den Wecker aus
Ausreichend Schlaf zählt zu den Grundpfeilern eines intakten Immunsystems. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck konnten dem ärztlichen Journal zufolge zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt war. „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion (Anmerkung der Redaktion: bedeutet so viel wie „Haftkraft“) an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov.  © Oleksandr Latkun/Imago

So kommen die Verfasser einer Übersichtsarbeit mit dem Titel „Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Schweregrad und Folgen von Covid-19: Sind Männer schwächer oder Frauen stärker?“ zu dem Schluss: „Geschlechtshormone, einschließlich Androgene und Östrogene, können nicht nur das Eindringen des Virus und die Viruslast beeinflussen, sondern auch die klinischen Manifestationen, Komplikationen und letztlich den Ausgang der Krankheit“. Der hormonelle Einfluss beschränkt sich dabei nicht auf Covid-19. Auch andere Infektionskrankheiten treffen Männer in der Regel härter als Frauen. So sind in schweren Influenzawellen verhältnismäßig mehr Männer als Frauen gestorben.

Weibliches Immunsystem arbeitet effektiver gegen Viren und Bakterien

Das liegt nach aktuellem Kenntnisstand vor allem am weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Dieses schützt Frauen vor schweren Krankheitsverläufen, weil es das Immunsystem aktiviert. So konnten Forschende dem WDR-Format Quarks Daily zufolge nachweisen, dass Immunzellen wie Fress- und Killerzellen bei Frauen aktiver und effektiver gegen Krankheitserreger vorgingen als bei Männern. Doch auch das Hormon Testosteron ist allem Anschein nach maßgeblich verantwortlich dafür, wie schwer ein Infekt verläuft. So hatten Männer, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, niedrige Testosteronspiegel.

Tipp: Männer können ihr Testosteron auf natürliche Weise steigern, zum Beispiel durch Krafttraining – das zeigen Studien. Sollten Sie Einsteiger ins Muskelaufbau-Training sein, können Sie sich an unserem Trainingsplan für Fitness-Anfänger orientieren. Diesen können Sie sich kostenlos in der PDF-Bibliothek herunterladen.

Dass das Immunsystem von Frauen tendenziell besser funktioniert als das von Männern, könnte auch evolutionsbiologische Gründe haben. Denn um den Fortbestand zu sichern, mussten schwangere Frauen besonders gut gegen Krankheitserreger gewappnet sein. Doch dieses Phänomen hat auch Schattenseiten. So leiden Frauen häufiger an Autoimmunkrankheiten: Ihr besonders aktives Immunsystem ist eher gefährdet, überzureagieren und fälschlicherweise eigene Körperzellen und -gewebe anzugreifen.

Rubriklistenbild: © Juliane Gutmann/DALL-E (KI-generiert)

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